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Politik

Maas besucht Nobelpreisträger im Kongo

Fabian von der Mark z. Zt. Bukavu
4. September 2019

Der Kampf gegen sexuelle Gewalt ist ein zentrales Thema der deutschen Außenpolitik. Der beeindruckendste Mitstreiter sitzt im Kongo. Bundesaußenminister Heiko Maas hat ihn dort besucht. Aus Bukavu Fabian von der Mark.

Demokratische Republik Kongo | Besuch Heiko Maas bei Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger
Bundesaußenminister Heiko Maas (l.) im Gespräch mit Friedensnobelpreisträger Dennis MukwegeBild: picture-alliance/dpa/K. Nietfeld

Wie wichtig dem deutschen Außenminister dieser Besuch ist, zeigt schon der Aufwand. Erst drei Stunden mit dem Schiff von Goma über den Kivu-See nach Bukavu, dann über holprige Pisten durch eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt. Heiko Maas will Denis Mukwege wirklich treffen - so viel ist klar.

Auch für den kongolesischen Arzt und Friedensnobelpreisträger scheint es etwas Besonderes zu sein. Am Eingang des Krankenhauses: ein Willkommensplakat für "Exzellenz Minister Heiko Maas". Freundlich empfängt der große Denis Mukwege den schlanken Minister. Weißer Arztkittel der eine, dunkler Anzug der andere. Ein ungleiches Paar, aber mit einem gemeinsamen Thema: der Kampf gegen sexualisierte Gewalt, gegen Genitalverstümmelung, gegen Vergewaltigung, gegen Sex als Kriegswaffe. Deutschland hat das Thema zu einem der Schwerpunkte seiner Zeit als nicht-ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat gemacht. Zu kaum einem anderen Thema hat Außenminister Maas so oft und viel gesprochen. Es ist zu seinem Anliegen geworden und Denis Mukwege weiß das zu schätzen.

Heiko Maas und seine Delegation werden mit einem großen Plakat begrüßtBild: DW/F.v. der Mark

Vergewaltigungsopfer werden immer jünger

Mukwege führt den deutschen Minister durch das 20 Jahre alte Krankenhaus. Vorbei an Frauen, die in bunten Kleidern auf Bänken und in Patientenzimmer sitzen. Ihre schrecklichen Geschichten tragen sie still mit sich durch die Gänge. Eine von ihnen aber will den deutschen Journalisten erzählen, was ihr passiert ist. Fatuma heißt sie, ist 50 Jahre alt. Erst letzte Woche ist sie in das Krankenhaus gekommen.

Seitdem wird sie betreut - medizinisch, aber wie alle hier, auch psychisch und sozial. Die Sozialarbeiterin Esther führt sie an der Hand in einen stillen Raum und übersetzt. Fatuma erzählt, dass sie auf dem Feld war, sich um die Maniok-Ernte gekümmert hat. Dann kamen zwei Soldaten und haben sie vergewaltigt.

Sozialarbeiterin Esther (l.) mit Patientin FatumaBild: DW/F.v. der Mark

Fatuma ist eine von etwa 150 Frauen, die jeden Monat alleine in das kongolesische Krankenhaus von Denis Mukwege kommen. Den Nobelpreisträger erschreckt, dass die Opfer sexueller Gewalt im Kongo immer jünger würden. Seine Mitarbeiterin zeigt eine Statistik. Vor allem bei Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren ist der Anstieg drastisch. Aber auch die ganz kleinen Opfer werden mehr: Gerade erst sei ein zweijähriges Kind eingeliefert worden, sagt sie.

Jubel für Maas

Denis Mukwege bringt den Minister in einen großen Saal, die Kantine des Krankenhauses. Wohl die meisten der 250 Patientinnen, die gerade im Panzi-Krankenhaus sind, haben sich hier versammelt. Sie jubeln, als ihnen Mukwege den deutschen Minister und seine Arbeit vorstellt. Der kongolesische Arzt erklärt, dass Heiko Maas sich für sie einsetzt. Begeisterter Beifall.

Fast wie ein Star wird Heiko Maas im Krankenhaus empfangen - wegen seiner großen UnterstützungBild: picture-alliance/dpa/K. Nietfeld

Maas erklärt, wie Deutschland Denis Mukwege weiter bei seinem Engagement für Frauen unterstützen will: "Wir werden uns weiter dafür einsetzen bei den Vereinten Nationen, dass diejenigen, die Gewalt gegen Frauen ausüben, nicht straflos davon kommen und dass diejenigen, denen Gewalt angetan worden ist, besser unterstützt werden."

Aber auch finanzielle Zusagen kann der deutsche Minister machen. 400.000 Euro hat er Mukwege schon in New York versprochen, für die Arbeit der Mukwege-Stiftung. Außerdem fördert Deutschland zwei NGOs, die sich im Kongo gegen sexualisierte Gewalt einsetzen, dazu die Johanniter und das Rote Kreuz, die ebenfalls in der Republik Kongo auf dem Gebiet aktiv sind.

Sicher fühlen mit Karate

Mukwege kann jede Unterstützung gebrauchen. Sein Konzept ist umfassend, aber eine Klinik allein kann die immense Aufgabe nicht bewältigen. Mehr Vorsorge und Aufklärung wünscht er sich und, wenn es doch passiert: Hilfen auf dem Weg zurück in ein angstfreies Leben.

Maas (r.) war es wichtig, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen - darum die weite Reise zum KrankenhausBild: DW/E. Muhero

In seinem Panzi-Center lernen junge Frauen Karate, um sich sicherer zu fühlen. Um wieder Halt zu finden, produzieren sie zusammen Fruchtsaft - den hat Mukwege auch seinen Gästen angeboten: den Mitstreitern, aus dem fernen Deutschland. Heiko Maas fährt wieder zurück nach Goma. Er hatte nur einen Grund, nach Bukavu zu kommen - Dennis Mukwege im Kampf gegen sexuelle Gewalt zu unterstützen.

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