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TerrorismusDeutschland

Weihnachtsmarkt-Prozess: Höchststrafe für Todesfahrer

26. Juni 2026

Das Landgericht Magdeburg hat Taleb A. wegen seiner tödlichen Amokfahrt zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er war im Dezember 2024 mit einem Auto in einen Weihnachtmarkt gerast.

Das Gesicht des zu lebenslanger Haft verurteilten Taleb A. (l.) ist verpixelt. Zwei uniformierte und maskierte Justiz-Beamte führen in während des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Prozesses in eine aus Sicherheitsgründen verglaste Kabine.
Der zu lebenslanger Haft verurteilte Taleb A. saß während des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Prozesses aus Sicherheitsgründen in einer verglasten Kabine Bild: Fabrizio Bensch/REUTERS

Vier Tage vor Heiligabend, am 20. Dezember 2024, steuerte Taleb A. seinen 340 PS starken Mietwagen mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde über den belebten Magdeburger Weihnachtsmarkt. Ein neunjähriger Junge und fünf Frauen kamen ums Leben, mehr als 300 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Am Freitag hat das Landgericht Magdeburg gegen den aus Saudi-Arabien stammenden Mann unter anderem wegen Mordes eine lebenslange Haft verhängt und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Damit folgte es weitgehend der Forderung der Generalstaatsanwaltschaft, die außerdem für eine anschließende Sicherungsverwahrung des Täters plädiert hatte.

"Ich bin derjenige, der das Auto gefahren hat"

Ein psychiatrischer Sachverständiger hat A. eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit bescheinigt. Der 51-Jährige hatte seine Tat zu Beginn des Prozesses im November 2025 gestanden: "Ich bin derjenige, der das Auto gefahren hat."

Mit diesem gemieteten Auto soll der tatverdächtige Taleb A. auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg sechs Menschen getötet und über 300 verletzt haben Bild: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance

Ihm sei es um Aufmerksamkeit für seine Anliegen gegangen, unter anderem den Schutz saudi-arabischer Frauen. "Ich wollte einfach, dass die Welt mich hört, dass wir leiden, dass wir verfolgt werden", sagte er über die Lage in seinem Heimatland.

War der Weihnachtsmarkt ein zufälliges Ziel?  

Als weiteres Motiv nannte A. Frust über deutsche Behörden wie Polizei und Staatsanwaltschaft. Die hätten ihm bei seinem Engagement gegen einen aus seiner Sicht "korrupten" Kölner Flüchtlingshilfeverein nicht geholfen, sondern sogar gegen ihn selbst ermittelt.

Am Morgen nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg suchte die Polizei weiter Spuren Bild: Sebastian Kahnert/dpa/picture alliance

Für seine Anschlagspläne sei er zwischen August 2023 und Dezember 2024 mehrfach nach Magdeburg gefahren. Ziel seines Angriffs hätte auch die Staatsanwaltschaft oder ein Café in der Innenstadt sein können. Dass er schließlich mit einem Mietauto über den Weihnachtsmarkt raste, stellte der jetzt Verurteilte als spontane Entscheidung dar.

"Es war mir egal, ob Menschen sterben"

Auch über seine Gefühlslage während des Anschlags sprach A.: "Es war mir egal, ob Leute verletzt werden oder ob Leute sterben". In den letzten Sekunden vor seiner Tat seien ihm hundert Gedanken durch den Kopf gegangen. "Dann habe ich einfach Gas gegeben."

Am 16. Januar 2025 fand im Zentrum Magdeburgs eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Weihnachtsmarkt-Attentats statt Bild: Jan Woitas/dpa/picture alliance

Verletzte oder getötete Menschen will der Angeklagte nicht wahrgenommen haben. Erst später seien ihm Erinnerungen an die Tat und damit auch Bilder von Opfern gekommen: "Ich habe eine Frau gesehen, die über die Windschutzscheibe gerutscht ist." 

Ein Auto als Tatwaffe weckt Erinnerungen an das Attentat des Islamisten Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Der später auf der Flucht in Italien erschossene Tunesier raste im Dezember 2016 mit einem Sattelschlepper in eine Menschenmenge, tötete zwölf Menschen und verletzte 67 zum Teil schwer. Außerdem ermordete Amri den Fahrer des gestohlenen Fahrzeugs.

Taleb A. kam 2006 nach Deutschland und arbeitete als Facharzt

Noch tödlicher war die Bilanz des ebenfalls religiös motivierten Anschlags, den ein Landsmann Amris im Juli desselben Jahres ebenfalls mit einem Lastwagen in Nizza verübt hatte: 86 Tote und über 400 Verletzte.

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A.s Profil passt nach dem, was über ihn bekannt ist, in kein typisches Schema. Amri und andere Islamisten waren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Anders liegt der Fall bei A.: Er lebt seit 2006 hier und arbeitete zuletzt als Facharzt in einer Einrichtung für psychisch kranke Straftäter in Bernburg (Sachsen-Anhalt). 

Sicherheitsbehörden hielten Anschlag für möglich

Den Sicherheitsbehörden war der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt dennoch schon vorher bekannt gewesen. Nach Angaben der Polizei hat es in den Jahren 2023 und 2024 mehrere sogenannte Gefährderansprachen gegeben. Als Gefährder werden Personen bezeichnet, denen Anschläge zugetraut werden. Allerdings habe der Verdächtige keiner Kategorie wie Islamist, Rechts- oder Linksextremist zugeordnet werden können.

Die ursprüngliche Version dieses Artikels wurde am 09.11.2025 veröffentlicht. Der Text wurde anschließend mehrmals aktualisiert, zuletzt nach der Urteilsverkündung am 26.06.2026.

 

Marcel Fürstenau Autor und Reporter für Politik & Zeitgeschichte - Schwerpunkt: Deutschland
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