Labour-Sieg bei Parlamentswahl in Malta
31. Mai 2026
Auch bevor das amtliche Ergebnis vorliegt, ist klar: Die Labour-Partei (MLP) hat die Parlamentswahl in Malta gewonnen. Laut ersten Auszählergebnissen fiel der Sieg nicht ganz so hoch aus wie beim letzten Mal im Jahr 2022, als Labour noch 55 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinen konnte. Aber die sozialdemokratische Partei wird wohl auch in der nächsten Legislaturperiode im kleinsten EU-Land regieren.
Am Sonntagvormittag erklärte Premierminister Robert Abela seine Partei zur Siegerin: "Wir haben Geschichte geschrieben, indem wir zum vierten Mal in Folge gewonnen haben", so Abela.
Die Wahlergebnisse zeigten, dass seine Partei "ein starkes Mandat errungen" habe. "Lasst uns den Geist der nationalen Einheit bewahren und das Land gemeinsam voranbringen." Er wolle Premierminister für alle Bürger Maltas sein, machte Abela deutlich.
Niederlage der Nationalist Party
Charles Bonello, Generalsekretär der oppositionellen Nationalist Party (PN), räumte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVM die Wahlniederlage ein. Seiner Partei sei es dennoch gelungen, die Mehrheit von Labour deutlich zu verringern.
Spitzenkandidat und Parteichef Alex Borg sagte in einer Videobotschaft, er habe Abela angerufen, um seine Niederlage einzugestehen und ihm alles Gute zu wünschen. "Das Volk hat gesprochen, und wir müssen seinen Willen respektieren", so Borg. Dies sei nicht das Ergebnis, das er sich gewünscht habe, aber niemand solle die Stimme für seine Partei bereuen.
Regierungschef Abela hatte Ende April überraschend das Votum bereits nach vier statt der üblichen fünf Jahre angesetzt. Er begründete dies mit künftigen Herausforderungen für das kleinste EU-Land durch die unsichere internationale Lage. Seine Regierung benötige angesichts der weltweiten Krisen ein neues Mandat, sagte der Premier.
Samstags wählen, sonntags zählen
Die Wahl fand an diesem Samstag statt und verzeichnete eine Wahlbeteiligung von 87,4 Prozent. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zur letzten Parlamentswahl vor vier Jahren. Mehr als 300.000 Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahllokale schlossen um 22.00 Uhr. Die Auszählung begann aber erst an diesem Sonntagmorgen.
Robert Abela steht seit 2020 an der Spitze der maltesischen Regierung. Der 48-Jährige setzte im Wahlkampf auf die Konjunkturstärke des Landes und versprach Kompetenz und Stabilität.
Die rivalisierende Nationalist Party konzentrierte ihren Wahlkampf hingegen vor allem auf ihren 30 Jahre alten Vorsitzenden Alex Borg - Anwalt und Mister-World-Malta-Gewinner von 2020. Die konservative Partei stellte ihn als neuen, energiegeladenen Politiker dar, der das Land nach 13 Jahren Labour-Regierung neu ausrichten könne. Borg kritisierte, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht in einer besseren Lebensqualität niederschlage.
Sorgen trotz Wachstum
Denn Maltas Konjunktur brummt. Die Wirtschaft basiert weitgehend auf Tourismus, Onlineglücksspiel und Finanzdienstleistungen. Das bescherte dem Land im vergangenen Jahr ein Wachstum von um die vier Prozent.
Die Inflation ist niedrig und die meisten Malteser haben einen Job: Der kleine Inselstaat im Mittelmeer mit seinen rund 550.000 Einwohnern hat eine der geringsten Arbeitslosenquoten in der EU. Zudem sind die Strom- und Kraftstoffpreise seit fast zehn Jahren eingefroren und damit die niedrigsten in der Europäischen Union.
Doch die Bürger sind wegen der Folgen des Iran-Krieges besorgt: Malta ist bei der Energieversorgung fast vollständig auf Importe angewiesen. Es gibt Bedenken, dass der Tourismus durch steigende Kerosinpreise belastet werden könnte.
Außerdem ist Korruption in dem EU-Land ein Problem. Der Bauboom führt für die Einwohner zudem zu negativen Folgen wie Staus. Und ein starker Zuzug von Arbeitsmigranten in den vergangenen zehn Jahren hat zu Diskussionen über Mieten und Belastungen der Infrastruktur sowie des Gesundheitswesens geführt.
Obwohl sechs Parteien sich zur Wahl stellten, dominieren Labour und die Nationalistische Partei die Politik Maltas. Seit 1966 haben nur diese beiden den Einzug ins Parlament geschafft, während kleinere Gruppierungen stets weniger als fünf Prozent der Stimmen erhielten.
AR/as (rtr, afp, dpa, EBU)