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PolitikAsien

Marineübungen Irans mit Russland

16. Februar 2021

Durch ein gemeinsames Manöver mit Russland will der Iran sich als Garant für Sicherheit auf hoher See profilieren. China ist diesmal nicht dabei.

China, Russland und Iran beginnen gemeinsame Marineübungen
Bild: AFP/Iranian Army office

 

Am Dienstag haben der Iran und Russland gemeinsame Marineübungen im nördlichen Indischen Ozean begonnen, teilte das iranischen Staatsfernsehen mit. Ziel der Übungen sei "die Verstärkung der Sicherheit des internationalen Seehandels, die Verteidigung gegen Piraterie auf hoher See und gegen Terrorismus und der Informationsaustausch", zitiert Reuters den iranischen Admiral Gholamreza Tahani. Russland schickt drei Schiffe zu der Übung, wie die russische Ostseeflotte laut Reuters mitteilte. Die Manöver sollen laut der iranischen Agentur IRNA drei Tage dauern und sich auf eine Fläche von 17.000 Quadratkilometern erstrecken.

Nach iranischen Angaben soll auch die indische Marine zu den Manövern hinzustoßen, als "Botschaft des Friedens und der Freundschaft an Länder in der Nachbarschaft und Region."  Mehrere Medien hatten ursprünglich berichtet, dass es sich wie ein Jahr zuvor um dreiseitige Manöver des Irans, Russlands und Chinas handeln werde. Bereits im Dezember 2019 hatten die drei Staaten ein gemeinsames  Manöver im Indischen Ozean und im Golf von Oman (Artikelfoto) durchgeführt. Am Golf hatten sich im Spätsommer jenes Jahres die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien sowie dessen Verbündetem USA bedrohlich hochgeschaukelt. Ausdruck dessen war die sogenannte  "Tankerkrise" und der Schock-Angriff der jemenitischen Houthi-Gruppe mittels Drohnen auf  saudische Raffinerieanlagen

In der Folge hatte sich unter Führung der USA eine internationale Allianz, die sogenannte "Task Force Sentinel", gebildet. Deren Aufgabe: die Sicherung des Persischen Golfs. Nicht dazu gehörten China, Russland und Iran, die mit eigenen gemeinsamen Marinemanövern die Wahrung ihrer Sicherheitsinteressen in dem Gebiet geltend machten. Diesmal nimmt China jedoch an den Übungen Irans und Russlands nicht teil.

Chinesische Marinesoldaten bei der Einfahrt in den iranischen Hafen Tschahbahar 2019 Bild: picture-alliance/AP Photo/Iranian Army

Regionale Spannungen abgeflaut

Das derzeitige Manöver finde in einer weniger bedrohlichen Situation als vor gut einem Jahr statt, sagt der Asienwissenschaftler Christian Wirth vom Hamburger GIGA-Institut. Er verweist auf eine fast gleichzeitig stattfindende Veranstaltung zur See mit weitaus mehr Teilnehmern: "Es findet seit Donnerstag unter der Leitung von Pakistan ein weiteres Seemanöver statt, mit insgesamt 46 Staaten, darunter die USA, Nato-Kräfte, aber auch China, Russland und der Iran. Verglichen damit ist das Manöver des Trios eher bescheiden."

Es sei zwar denkbar, dass die drei Staaten noch einmal gesondert Präsenz zeigen wollten, durchaus auch in Richtung der neuen US-Regierung. "Aber gerade China zeigt sich der neuen Regierung in Washington gegenüber eher vorsichtig. Dem Kurs Teherans folgt man in Peking nicht", sagt Christian Wirth vom GIGA-Institut.

Russische Fregatte im Golf von Oman 2019Bild: AFP/Iranian Army office

Teherans Suche nach neuer Weltordnung

Tatsächlich dürfte der Iran in seine Beziehungen sowohl zu China wie auch zu Russland größere Erwartungen setzen als umgekehrt. Neben der Hoffnung auf  Handel und Investitionen  zur Belebung der unter den US-Sanktionen leidenden Wirtschaft geht es der Staatsführung in Teheran um ideologische und geo-politische Anliegen. Seit dem Revolutionsjahr 1979 lehnt der Iran das internationale Kräfteverhältnis ab - und zwar umso mehr, als dieses seit dem Zusammenbruch der damaligen UdSSR 1990 ganz wesentlich von den USA dominiert wird.

Mit großem Interesse blickt die iranische Staatsführung deshalb auf China, das sich anschickt, die zweite globale Führungsmacht zu werden. "Im wirtschaftlichen Aufstieg revisionistischer Akteure sieht die iranische Führung eine Chance, das globale Machtgefüge nachhaltig zu verändern und dadurch einer neuen Ordnung den Weg zu bahnen", schreibt Azadeh Zamirirad von der Berliner "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP). "Sie begrüßt den globalen ökonomischen Wandel, in dessen Verlauf sich wirtschaftliche Macht von Westen nach Osten verlagert, insbesondere nach Asien."

Weiterhin nur Zaungast: Rohani wird von Wladimir Putin beim Regionalgipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Qingdao 2018 begrüßtBild: Getty Images/AFP/A. Zemlinachenko

Enttäuschte iranische Hoffnungen

Allerdings haben sich bislang weder die politischen noch die wirtschaftlichen Hoffnungen Teherans erfüllt. Bei zahlreichen Resolutionen im UN-Sicherheitsrat konnte der Iran weder auf die diplomatische Rückendeckung Russlands noch Chinas setzen. Zwar hatten Iran und China im vergangenen Jahr eine  Kooperationsvereinbarung geschlossen. Doch der folgten bislang noch keine konkreten Schritte. Der Iran hatte gehofft, auf diese Weise dem durch die US-Sanktionen bewirkten wirtschaftlichen Druck  entgegenwirken zu können. Doch unter dem Druck der USA fuhr auch Peking seine Handelsbeziehungen zum Iran deutlich herunter.

Auch militärisch kann der Iran nicht auf unbedingte Rückendeckung seiner neuen Partner rechnen. In Syrien, wo der Iran und Russland einst militärisch eng miteinander kooperieren, gehen die beiden Länder inzwischen eigene Wege. Und auch China geht im Zweifel auf Distanz. Seit 2008 bemüht sich Teheran bislang vergeblich um den Beitritt zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), ein vor allem der Kooperation bei der Terrorismusbekämpfung dienendes Regionalbündnis unter Führung Chinas. Neben der zentralasiatischen Ländern gehört Russland dazu, aber auch die beiden rivalisierenden Mächte Pakistan und Indien. Iran hat nur Beobachterstatus. Der Grund liegt auf der Hand: Irans Feinde sind nicht unbedingt Chinas Feinde.

Chinas strategischer Kurs ist auch für Teheran schwer einzuschätzen Bild: Reuters/Stringer

Grundsätzlich werde sich China dem Iran gegenüber zurückhaltend zeigen, heißt es auch in einer aktuellen Analyse der Zeitschrift "Foreign Policy". China habe nicht vor, sich in den Rivalitäten im Nahen Osten grundsätzlich an die Seite Teherans zu stellen. "Angesichts der distanzierten Haltung Pekings erscheint eine dauerhafte und enge militärische Zusammenarbeit mit dem Iran unwahrscheinlich."

Dies ist die aktualisierte und revidierte Version eines zuvor erschienen Artikels 

Kersten Knipp Politikredakteur mit Schwerpunkt Naher Osten und Nordafrika