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Politik

Marine Le Pen will in den Élyséepalast

4. Juli 2021

Es wurde ein "Parteitag des Zweifels" erwartet, denn vor einer Woche steckte der rechte Rassemblement National eine Wahlschlappe ein. Nun eröffnete Parteichefin Marine Le Pen den Kampf um das Präsidentenamt.

Frankreich I Parteitag des Rassemblement National (RN) in Perpignan I Marine Le Pen
Bild: Batard Patrick/ABACA/picture alliance

Neun Monate vor der Präsidentenwahl in Frankreich hat die Rechtspopulistin Marine Le Pen eine klare Kampfansage an ihren möglichen Widersacher Emmanuel Macron gerichtet. "Wir werden diesen Sieg anstreben", sagte die 52-Jährige vor Hunderten Anhängern im südfranzösischen Perpignan.

Sie warf Macrons Regierung der politischen Mitte unter anderem vor, die französische Rüstungsindustrie in Partnerschaften mit Deutschland zu verscherbeln. "Wir müssen die Franzosen von der Wichtigkeit dieses Termins überzeugen, den sie auf keinen Fall verpassen dürfen", sagte sie zum Abschluss des Parteitags des Rassemblement National (RN) mit Blick auf die Wahl für das höchste Staatsamt im Frühjahr.

Trotz Wahlschlappe kein "Front National"

Auch nach der Schlappe bei den Regionalwahlen vor einer Woche hielt Le Pen an ihrem Öffnungskurs fest."Wir kehren nicht zum Front National zurück." Le Pen steht für einen Kurs der Entradikalisierung, um mehr Wähler zu erreichen. Bei den Regionalwahlen war Le Pens Partei jedoch mit dem Vorhaben gescheitert, eine Region des Landes als Machtbastion zu gewinnen.

Der 25-jährige erste Stellvertreter Jordan Bardella soll den Parteivorsitz übernehmen Bild: Berzane Nasser/ABACA/picture alliance

Die gelernte Juristin kündigte an, sie werde von September an in den Präsidentenwahlkampf einsteigen und dafür vorübergehend den Parteivorsitz an ihren ersten Stellvertreter Jordan Bardella (25) abgeben. Sie wolle eine Kandidatin sein, die über parteipolitischen Gegensätzen stehe und die alle Bürger anspreche. 

Die Tochter von Front-National-Mitgründer Jean-Marie Le Pen tritt zum dritten Mal im Kampf um den Élyséepalast an. 2017 verlor sie in der Endduell gegen Macron. Umfragen geben ihr Chancen, 2022 wieder in die Endrunde zu kommen.

Bündnis mit Rechten in Europa

Bei dem Treffen in Südfrankreich wurde Le Pen im Amt bestätigt - sie erhielt 98,35 Prozent der Stimmen, wie der Europaparlamentarier Jérôme Rivière mitteilte. Gegenkandidaten gab es nicht. Le Pen steht bereits seit gut zehn Jahren an der Spitze der Partei. Zum Auftakt des Treffens protestierten am Samstag mehrere Hundert Menschen in den Straßen der Stadt, wie der Sender Franceinfo berichtete.

Parteichefin Marine Le Pen strebt einen "bürgerlichen Frieden" anBild: Valentine Chapuis/AFP/picture alliance

Le Pen erinnerte vor den Anhängern daran, dass sie sich mit europäischen Rechtspolitikern wie Lega-Chef Matteo Salvini aus Italien oder dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban verbündet habe. Im Falle eines Wahlsieges wolle sie in Frankreich eine Volksabstimmung über das Thema Migration abhalten. Ziel sei zudem eine Regierung der nationalen Einheit, um den "bürgerlichen Frieden" im Land zu gewährleisten. Hauptaufgabe sei es, die Sicherheit der Franzosen abzusichern und die Autorität des Staates wiederherzustellen.

Es rumort an der Basis

Medien sprachen von einem "Parteikongress des Zweifels". Es gebe an der Basis Unzufriedenheit wegen des Debakels bei der Regionalwahlen. Jean-Marie Le Pen hatte nach der krachenden Niederlage unverhohlen gefordert, die Partei müsse ihre "Männlichkeit" wiederfinden und zu früheren Grundsätzen zurückkehren. Der 93-jährige Rechtsextreme ist allerdings nur noch Beobachter - er wurde schon vor Jahren aus der Partei gedrängt. Anlass waren verharmlosende Äußerungen über den Holocaust.

Im rechten Lager wird es eng: Fans wollen den rechtsgerichteten Journalisten Éric Zemmour als Präsidenten Bild: Lafargue Raphael/ABACA/picture alliance

Die nächsten Monate dürften für Marine Le Pen turbulent verlaufen, denn sie gerät außerhalb ihrer Partei unter Druck. Viele sind davon überzeugt, dass der rechtsgerichtete Journalist und Autor Éric Zemmour, der unter anderem Kolumnen in der konservativen Tageszeitung "Le Figaro" publiziert, in die Schlacht um den Präsidentenjob einsteigt. In den Straßen von Paris waren in den zurückliegenden Tagen schon Plakate mit seinem Konterfei und der Aufschrift "Zemmour président" (Zemmour Präsident) zu sehen.

nob/rb (afp, dpa)

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