Der US-amerikanische Sammler und Künstler Mark Dion propagiert kein Bild einer intakten Natur. Nüchtern erforscht er die gegenseitige Wirkung von Mensch, Tier, Pflanze und Müll - und provoziert damit.
Bild: Gerhard Koller
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Mark Dions "Widerspenstige Wildnis"
Mark Dion erkundet das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, Wissenschaft und Kunst. Für die Ausstellung "Widerspenstige Wildnis" im Museum Marta Herford hat der Künstler 7.000 Stücke zusammengetragen.
Bild: Gerhard Koller
Wo die Büffel frei laufen
Seit den Neunziger Jahren erkundet Mark Dion in weltweit beachteten Ausstellungen das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, Wissenschaft und Kunst. Für die Ausstellung "Widerspenstige Wildnis" im Museum Marta in Herford hat der Künstler 7.000 Stücke zusammengetragen. Sie geben einen guten Überblick über sein Schaffen.
Bild: Gerhard Koller
Jäger und Sammler
Wenn Naturkunde-Museen ausmisten, ist er sofort da. "Ich jage", sagt der sammelwütige US-amerikanische Künstler und Forschungsreisende. Nicht nur das: Mark Dion ordnet seine Funde neu und hinterfragt dabei die überlieferten wissenschaftlichen Ordnungsprinzipien.
Bild: Dietmar Rübel, HfBK Dresden
Neue Kuriositäten für den grünen Tresor
Blutrotes Korallenstück, geschmückt mit Flohmarkt-Schätzen: Eine tiefe Melancholie und gleichzeitig viel Witz durchziehen die Exponate des 54-jährigen Künstlers, der die Zerstörung der Natur durch den Menschen feststellt, um sie dann jenseits aller Larmoyanz darzustellen.
Bild: Mark Dion Foto: Simon Vogel
Mobile Wildnis-Einheit
Dion stattet auch mal Tiergehege mit Treibgut oder versteinerten Hotdogs aus. Auch in seinen Zeichnungen zeigt sich die Natur keinesfalls unberührt. In der Herforder Ausstellung ist eine Voliere mit lebenden Vögeln bestückt, außerdem mit Büchern, Fotos und alten Vogelfallen - was die zwitschernden Bewohner allerdings weniger interessieren dürfte.
Bild: Mark Dion Foto: Lisa Rastl
Akademie der Dinge
Im Jahr 1764 legte der Zeichenlehrer Giovanni Casanova den Grundstein für die anatomische Sammlung der Dresdner Kunstakademie. 250 Jahre später las Mark Dion Menschen- und Tierpräparate, Wachsmodelle und Gipsabgüsse daraus auf und stellte sie aus. "The Academy of Things" hieß die Ausstellung.
Bild: HfBK Dresden
Geschmücktes Horn
Dieses Horn eines Nashorns ist mit allerlei Spiel- und Schmuckstücken garniert, die ihre Nützlichkeit überlebt haben. In jedem Stück Zivilisationsmüll steckt jedoch "ein Material gewordenes Gedicht", so Dion. Zu seinen Kunstmedien gehören auch Installationen, Filme, Videos und Performances.
Bild: Mark Dion Foto Robert Vanis
Eine Hierarchie der Lebewesen?
"Die Objektivität der Wissenschaft ist ein Mythos", sagt Mark Dion. "Jede historische Betrachtung von Wissenschaft muss zugeben, dass sie mit Ideologie durchtränkt ist und dass wissenschaftliche Wahrheit auf historischen Zufälligkeiten beruht." Atypisch muten daher seine Anordnungen von Objekten an.
Bild: Mark Dion
Aktuell und uralt
Die Poesie in diesem alten Kabinett von Sammelstücken aus dem Jahr 1900 dürfte Mark Dion auch nicht entgangen sein. Das Verhältnis von Mensch und Natur ist ein brandaktuelles und gleichzeitig uraltes Thema. Dabei sieht Dion die Aufgabe des Künstlers darin, "gegen den Strich der vorherrschenden Kultur zu agieren und Wahrnehmung und Konvention kritisch zu hinterfragen.”
Bild: HfBK Dresden
Geteerter Vogel
"Die Welt der Natur ist voller Wunder und doch verlieren wir sie", sagte der Künstler anlässlich der Eröffnung seiner neuesten Ausstellung. Unterschiedliche Welten in sechs Museumsräumen: Bei der "Widerspenstigen Wildnis" im Herforder Museum Marta kann der Besucher vom 24. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016 selbst auf Forschungsreise gehen.
Bild: Georg Kargl Fine Arts, Wien/Foto: Lisa Rastl
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Eine betretbare Voliere mit lebenden Vögeln, eine Jagdhütte, diverse Sammlungen von Zivilisationsmüll, ausgestopfte Tiere neben diversen Kuriositäten: Es geht Dion stets darum, die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur auf frappierende Weise darzustellen.
Seit zwei Jahrzehnten stellt der Zeichner, Objekt- und Installationskünstler aus New Bedford, Massachusetts (USA) weltweit aus. Mit 7.000 Exponaten bietet die Ausstellung im Museum Marta Herford (24.10.2015 bis 07.02.2016) einen Überblick über Mark Dions Schaffen. Für den Besucher dürfte sie eine Forschungsreise sein.