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Mecklenburg‑Vorpommern: SPD will AfD-Sieg verhindern

19. September 2026

Seit fast 30 Jahren regieren im Nordosten Deutschlands die Sozialdemokraten. Nun führt die in Teilen rechtsextreme AfD in den Umfragen für die Landtagswahl. Kann sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Amt halten?

Das Bild zeigt eine Lichtershow am Schweriner Schloss im Jahr 2024
Kleines Bundesland, beeindruckender Landtag: Im Schloss in Schwerin ist das Landesparlament untergebracht Bild: Jens Büttner/dpa/picture alliance

Mecklenburg-Vorpommern: Das ist die Ostsee, das sind die Touristenmagnete auf den Inseln  Rügen und Usedom. Das ist Hiddensee mit dem Grab des Dramatikers Gerhard Hauptmann. Das sind die Universitäten in Greifswald und Rostock, die zu den ältesten Deutschlands gehören. Das sind Werften und das in der früheren DDR gebaute, gigantische Atomkraftwerk in Lubmin, das 1995 stillgelegt wurde. 

Gleichzeitig ist Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte Bundesland Deutschland, mit Ende 2025 gerade einmal 1,57 Millionen Einwohnern. Die Arbeitslosenquote in dem strukturschwachen Land liegt mit acht Prozent über dem Bundesschnitt, mit etwa sechs Prozent hat Mecklenburg-Vorpommern den mit Abstand geringsten Ausländeranteil aller 16 Bundesländer. 

Es ist das Land an der Küste, das viele der früheren DDR-Bürger von langen Sommern auf Campingplätzen und in Ferienanlagen kennen. Das Land mit 16 Nationalparks, so vielen, wie sie kein anderes Bundesland hat. Das Land der "Mecklenburgischen Seenplatte" mit der Müritz.

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Es ist aber auch der Ort der düsteren, frühen Übergriffe auf Asylbewerberheime nach der Wende. Die Bilder der brennenden Unterkünfte in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 gingen um die Welt. Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland hatte 1992 mit 440.000 Menschen einen vorläufigen Höchststand erreicht, es gab erregte Debatten im ganzen Land darüber.

Hunderte rechtsextreme Randalierer griffen im August ein Heim in Rostock an, in dem sich rund 100 Menschen aus Vietnam aufhielten. Das Gebäude geriet in Brand, rund 3.000 Bürger applaudierten den Angreifern. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten, aber zahlreiche Verletzte. Es waren die schlimmsten rassistischen Ausschreitungen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Manuela Schwesig kann vom Amtsbonus profitieren

Seit rund 28 Jahren wird das Bundesland von Sozialdemokraten regiert, mit wechselnden Partnern, zuletzt unter der populären Ministerpräsidentin und früheren Bundesministerin Manuela Schwesig, die ein Kabinett unter Beteiligung der Linkspartei anführt. Und die 52 Jahre alte Regierungschefin hat gute Chancen, dass das auch nach der Wahl am 20. September so bleibt.

Aber offen ist, wie sich die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September diesen Jahres auswirkt:  Dort hatte die teilweise rechtsextreme "Alternative für Deutschland" (AfD) fast 44 Prozent der Stimmen bekommen und die etablierten Parteien weit hinter sich gelassen, eine absolute Mehrheit aber verfehlt. Gibt das auch der AfD im hohen Norden einen Schub, oder hilft das nicht doch eher der SPD-Regierungschefin? 

Schwesig, die in den Umfragen lange weit hinten der AfD zurücklag, hat den Vorsprung der AfD mittlerweile auf nur noch wenige Prozentpunkte verkürzt. Ihr Motto: "Die Frau gegen Blau", denn blau ist die AfD-Parteifarbe.

In einer TV-Debatte mit AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm bezeichnete die Regierungschefin die AfD gut zehn Tage vor der Wahl als "gefährlichste Partei für unser Land, für die Wirtschaft, für das Soziale, auch für uns Frauen." Direkt an Holm gewandt sagte sie: "Sie reden das Land schlecht."

"Alternative für Deutschland" führt in den Umfragen 

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige ostdeutsche Bundesland, in dem der Landesverfassungsschutz die AfD nicht als "gesichert rechtsextrem" eingestuft hat. Die "Alternative für Deutschland" (AfD) ist laut Umfragen mit rund 35 Prozent stärkste politische Kraft, wie in allen anderen Ost-Bundesländern auch.

Aber Schwesig kommt mit ihrer SPD auf stabile 30 Prozent, die Linkspartei auf elf Prozent. Die CDU, die Partei von Friedrich Merz, erreicht nur acht Prozent, ein historischer Tiefpunkt für die Union in allen Bundesländern. Ein schlechtes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern könnte die Debatte über den unpopulären Bundeskanzler noch weiter befeuern. Die Grünen müssen um den Einzug ins Landesparlament kämpfen, sie liegen in den Umfragen bei fünf Prozent.

Sehr unwahrscheinlich, dass sich bei einer solchen Stimmenverteilung eine Mehrheit findet, die den AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm zum Ministerpräsidenten wählen könnte. Denn alle Parteien, die sich Hoffnung auf einen Einzug in den Landtag machen können, haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.

Ein früherer Radio-Moderator als AfD-Spitzenkandidat

Deren Spitzenkandidat Leif-Erik Holm gibt sich bewusst volksnah. Bei seinen Reden profitiert er von seiner Vergangenheit als Radio-Moderator, unter anderem beim öffentlich-rechtlichen Norddeutschen Rundfunk. Seit 2017 Bundestagsabgeordneter für die Alternative für Deutschland, thematisiert er im Wahlkampf immer wieder die große Unzufriedenheit der Menschen mit der Regierung, mit der Wirtschaftsflaute, der eher schlechten sozialen Lage im strukturschwachen, dünn besiedelten Nordosten.

Fordert, den Ausbau von Windkraft in Mecklenburg-Vorpommern zu stoppen: AfD-Kandidat Leif-Erik HolmBild: Bernd Wüstneck/dpa/picture alliance

So sagt er auf einer Wahlveranstaltung in Neustadt-Glewe: "Das ist alles so Gaga, das kann niemand mehr erklären!" Nur die AfD verstehe, so Holm, wie schwer es sei, eine Familie zu ernähren, und wie wenig am Ende des Monats vom Brutto übrig bleibe: "Das kapieren die da oben gar nicht mehr. Die Menschen gehen auf die Barrikaden, weil ihnen immer mehr abgeknöpft wird." Die da oben, wir hier unten, lautet immer wieder sein Motto.   

Gegen die populäre SPD-Regierungschefin Schwesig kann sich Holm im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten nicht durchsetzen. Aber rund 35 Prozent für die AfD zeigen eben auch: Mecklenburg-Vorpommern bleibt ein zutiefst gespaltenes Land, das Regieren im Land an der Küste wird nicht einfacher werden in den nächsten Jahren. 

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