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PolitikChina

Mehr Reiseverkehr zwischen China und Nordkorea

Huh Don
23. März 2026

Zwischen Nordkorea und China fahren zum ersten Mal nach der Pandemie wieder Personenzüge. Auch mehr Handelsgüter sollen transportiert werden. Pjöngjang will mehr Touristen aus China ins Land holen.

Zug in Dandong, der chinesischen Grenzregion zu Nordkorea
Zug in Dandong nahe der Grenze zu Nordkorea Bild: Yang Qing/Xinhua News Agency/picture alliance

China normalisiert den Personenverkehr zwischen Pjöngjang und Peking. Am kommenden Montag (30.3.26) fliegt die staatliche Fluggesellschaft Air China wieder in die nordkoreanische Hauptstadt, zunächst einmal in der Woche. Die Flugverbindung war sechs Jahre lang unterbrochen. Schon seit Mitte März verkehren wieder regelmäßig Züge zwischen der chinesischen Grenzstadt Dandong und Pjöngjang. Die Personenzugverbindung war zu Beginn der COVID-19-Pandemie im Januar 2020 komplett eingestellt worden.

Der Güterverkehr zwischen Nordkorea und China wurde bereits im Sommer 2022 wieder aufgenommen. Die nordkoreanische Fluggesellschaft Air Koryo fliegt seit August 2023 zweimal in der Woche nach Peking und Shenyang, eine Industriestadt im Nordosten Chinas.

Nach Angaben der Tourismusbehörde China Tourism Group verkehren Züge derzeit viermal pro Woche zwischen Pjöngjang und Peking. Sie solange sie durch China fahren, bestehen sie aus 18 Schlaf- und Sitzwaggons. Zwei davon fahren über die Grenze zur Endstation Pjöngjang weiter. Für die anderen Wagen ist der Endbahnhof in Dandong.

Mehr Personen, mehr Güter

Der Austausch auf Arbeitsebene zwischen China und Nordkorea habe sich in letzter Zeit intensiviert, der bilaterale Handel sei im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gestiegen, sagt der ehemalige Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums, Jeong Joon Hee, im DW-Interview.

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"Die Wiederaufnahme des Zugverkehrs deutet darauf hin, dass sich der Austausch von Personen und Gütern allmählich wieder normalisiert hat", sagt Jeong. "Es scheint auch eine Botschaft an die internationale Gemeinschaft zu sein, dass China und Nordkorea angesichts der aktuellen globalen Lage ihre Beziehungen stärken."

Auf dieser Strecke würden strategische Güter wie Rohöl, Lebensmittel und andere sensible Lieferungen transportiert. "Und auch die Diplomaten fahren gerne mit der Bahn", sagt Jeong. Bahnfahrten haben in Nordkorea Tradition. So nutzt auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einen Zug, wenn er sich auf Reisen begibt. 2019 fuhr er ganze 64 Stunden mit der Bahn -  von Nordkorea durch China hindurch bis nach Vietnam, um dort US-Präsident Donald Trump zu treffen.

Nordkoreas Staatschef Kim im Zug nach Vietnam 2019Bild: Korean Central News Agency/Korea News Service/AP/picture alliance

Schwächung der Folgen von Sanktionen

Zunehmende geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg hätten wohl Nordkoreas Überlegungen beeinflusst, die negativen Folgen internationaler Sanktionen mit Chinas Hilfe abzufedern, sagt Jeong. 

Es öffne sich nun ein Weg der Diplomatie und des Handels, so die Einschätzung von Chan-il Ahn, Präsident des World Institute for North Korea Studies. Der gebürtige Nordkoreaner war 1979 nach Südkorea übergelaufen. "Der Zug dient im Wesentlichen als Kommunikationskanal zwischen den beiden Regierungen, aber auch als Reiseroute für nordkoreanische Arbeiter, die ins Ausland fahren, um Devisen für das kommunistische Regime zu erwirtschaften."

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Kurzfristiges Ziel von Nordkorea und China sei es laut Ahn, vor dem angekündigten Chinabesuch des US-Präsident Donald Trump in Peking ihre Positionen abzustimmen. Langfristig gebe die wieder aufgenommene Verbindung der Öffentlichkeit in Nordkorea zudem neue Hoffnung. "Die regierende Arbeiterpartei in Nordkorea hat im Februar einen neuen Fünfjahresplan vorgelegt. Das Wachstum in Nordkorea ist auf die Unterstützung aus Peking angewiesen. Der Ausbau der Verkehrsverbindungen ist Teil der Bemühungen, den Handel anzukurbeln, um die politische Agenda zu unterstützen."

Massentouristen aus China erwünscht

Ahn glaubt, dass Nordkorea mehr chinesische Touristen ins Land holen wolle. Schon jetzt kommen viele russische Urlauber in ein extra aufgebautes Ferienresort in Wonsan an der Ostküste. Die Ferienanlage mit Wasserrutschen und Schwimmbädern kann bis 20.000 Touristen beherbergen. Auch der Berg Paektusan, der "immer weiße Berg", ist eine Attraktion mit dem großen "Himmelssee", dem Kratersee auf dem höchsten nordkoreanischen Berg (2744 Meter über dem Meeresspiegel). Er liegt direkt an der Grenze zu China.

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Nach Angaben des südkoreanischen Instituts für Nationale Sicherheitsstrategie besuchten im Jahr 2019 etwa 300.000 ausländische Touristen Nordkorea. Rund 90 Prozent davon waren Chinesen. Die Pauschalreisenden gaben im kommunistischen Nachbarland 90 bis 150 Millionen US-Dollar aus. Heute brauchen die chinesischen Touristen ein Visum für Nordkorea. 

Kim 2022 auf dem Paektusan-BergBild: YONHAPNEWS AGENCY/picture alliance

Einige chinesische Reisebüros bieten nun Pauschalreisen für Nordkorea an. Eine Woche mit Vollpension kostet umgerechnet 420 Euro. Allerdings haben weder Peking noch Pjöngjang die Wiederaufnahme des Tourismus offiziell angekündigt. "Die Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke heißt nicht automatisch, dass der Tourismus wieder aufgenommen wurde", sagt Li Zhanpu, Journalist der Branchenzeitschrift Travel Daily.

"Touristische Reisen nach Nordkorea werden streng von staatlichen Stellen in Pjöngjang kontrolliert. Chinesische Reisebüros haben nur begrenzten direkten Zugang zu ihnen. Pauschalreisende riskieren, die Konsequenzen selbst zu tragen, falls Rückerstattungen verweigert werden", so Li. Touren und Besichtigungen in Nordkorea könnten ohne Ankündigungen abgesagt werden. Die Betroffenen erhalten meist keine Begründung dafür und auch keine Entschädigung.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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