Mehr Wassermangel: Wie wir Grundwasser schützen können
15. Juli 2026
Viele Böden in Deutschland sind schon jetzt viel zu trocken. Regen fehlte schon im Frühjahr, besonders im März. Auch der teils überdurchschnittliche Niederschlag in einigen Regionen im April und Mai konnte die fehlende Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten nicht auffüllen. Das zeigt der aktuelle Dürre-Monitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.
Die Stadt München in Bayern hat bereits den privaten Wasserverbrauch eingeschränkt, Rasen im Garten dürfen nicht mehr bewässert werden.
Nach einer extremen Hitzewelle Ende Juni ist es in Europa schon wieder sehr heiß - keine guten Aussichten fürs Grundwasser.
Wer einen Garten und eine Regentonne hat, kennt das Prinzip: Regenwasser auffangen und dann damit gießen, wenn Regen fehlt. Auch unser Grundwasser funktioniert im Prinzip wie eine gigantische Regentonne. Es entsteht, wenn Wasser versickert und sich über undurchlässigen Gesteins- oder Tonschichten im Untergrund ansammelt.
Grundwasser macht fast die Hälfte des weltweiten Trinkwassers aus, vor allem in den trockenen Regionen der Welt ist es oft die einzige Wasserquelle. In Deutschland werden sogar mehr als 70 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen.
Weltweit sinken die Grundwasserspiegel
Doch inzwischen holen wir immer mehr Grundwasser aus dem Boden: heute mehr als dreimal so viel wie noch vor 50 Jahren. Die Folge: Die Grundwasserspiegel sinken. In vielen Regionen müssen immer tiefere Brunnen gebohrt werden, um noch Wasser zu erreichen.
Auch in Ländern mit vergleichsweise viel Regen, wie Deutschland, gehen die Grundwasserstände in manchen Regionen deutlich zurück. Gründe sind der Klimawandel mit häufigeren Trockenperioden und eine immer intensivere Nutzung. Doch nur wenn genug Niederschläge versickern, können sich die Grundwasservorräte im Boden wieder auffüllen.
Wird mehr Wasser entnommen, als sich neu bilden kann, spricht man von Grundwasserübernutzung. Mehr als zwei Milliarden Menschen und 40 Prozent der weltweiten Agrarproduktion sind auf übernutzte Grundwasserbestände angewiesen.
Der Klimawandel verschärft das Problem, denn in vielen Regionen regnet es seltener. Und bei Starkregen kann der Boden das Wasser nicht ausreichend aufnehmen. Zudem sind immer mehr Flächen versiegelt. Dann fließt viel Regenwasser oberflächlich ab, statt ins Grundwasser zu versickern. Genau dieses Wasser könnte aber gesammelt werden, um es in trockenen zu Zeiten nutzen.
Gezielte Grundwasserspeicherung gegen Hochwasser und Dürre
Ein Forschungsteam um den Hydrogeologen Thomas Baumann von der Technischen Universität München (TUM) hat dazu eine Pilotanlage entwickelt. Die Anlage zur "intelligenten Regenwasserspeicherung" (Smart Storm Water Storage) steht in einem hügeligen Hopfenanbaugebiet rund 60 Kilometer nördlich von München.
Dort kommt es bei Starkregen immer wieder zu Überschwemmungen. Gleichzeitig wird viel Grundwasser genutzt, als Trinkwasser und zur Bewässerung. "Unsere Idee war es, Hochwasserschutz und Dürrevorsorge zu verbinden", sagt die Umweltingenieurin Lea Augustin von der TUM.
Bei starkem Regen wird das Wasser zuerst in einem Rückhaltebecken gesammelt. Anschließend wird es gereinigt, Schad- und Schwebstoffe werden entfernt. Danach wird das saubere Wasser in einem sogenannten Infiltrationsbrunnen dem Grundwasser zugeführt. Der Grundwasserspiegel steigt. Später kann das Wasser über Brunnen wieder gefördert und genutzt werden.
Grundwasser verdunstet nicht
Auch die namibische Hauptstadt Windhuk nutzt Grundwasser gezielt. Die Stadt liegt im trockenen Hochland. Regen fällt dort kaum. Schon Ende der 1960er‑Jahre galt das Grundwasser als übernutzt.
Windhuk war eine der ersten Städte weltweit, die Abwasser so aufbereiten, dass es als Trinkwasser genutzt werden kann. Das geschieht seit 1968.
Seit 2002 gibt es zusätzlich Infiltrationsbrunnen. Sie leiten aufbereitetes Wasser in den Untergrund. Das Wasser stammt aus Stauseen, teils in hunderten Kilometer Entfernung, und aus gereinigtem Abwasser.
Der Vorteil: Unter der Erde verdunstet Wasser kaum. So geht weniger verloren als bei offenen Stauseen. Die vorhandenen Wasserquellen werden effizienter genutzt.
Kalifornien setzt auf Grundwasserspeicher
Weltweit gibt es noch weitere Methoden zur gezielten Grundwasseranreicherung. Der Fachbegriff dafür lautet "Managed Aquifer Recharge", kurz MAR.
Zum Beispiel wird überschüssiges Regen- oder Hochwasser in Gräben oder große Becken geleitet. Von dort versickert es langsam im Boden. Diese Methode ist günstiger als technische Anlagen, braucht aber viel Platz. Außerdem dauert es länger, bis das Wasser im Grundwasser ankommt.
Solche Versickerungsbecken gibt es an vielen Orten weltweit, auch am San Gabriel Fluss im Großraum Los Angeles im dürregeplagten US-Bundesstaat Kalifornien.
Kalifornien sieht die Grundwasseranreicherung als Schlüsselstrategie zur Bewältigung klimabedingter Wetterextreme, wie die bundesstaatliche Wasserbehörde der DW auf Anfrage mitteilte. Nach Angaben der staatlichen Wasserbehörde wurden allein im Jahr 2023 mehr als 4,1 Millionen Acre‑Feet - umgerechnet mehr als fünf Milliarden Kubikmeter Wasser gezielt in Grundwasserleiter eingespeist.
Felder fluten für mehr Grundwasser?
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Flutung landwirtschaftlicher Flächen, wenn eine Überschwemmung droht. So kann das Hochwasser abgefangen und ins Grundwasser geleitet werden. Der Vorteil: Die Flächen können nach dem Versickern weiter landwirtschaftlich genutzt werden.
Da Acker‑ und Weideflächen rund 40 Prozent der weltweiten Landfläche ausmachen, hat diese Methode großes Potenzial. Sie funktioniert aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Pflanzen dürfen nicht geschädigt werden. Außerdem dürfen keine Schadstoffe oder Krankheitserreger aus dem Hochwasser ins Grundwasser gelangen. Das macht die Umsetzung schwierig.
Renaturierung von Flüssen füllt die Grundwasserspiegel
Auch die Natur selbst kann helfen. Wenn Flüsse renaturiert werden, bekommen sie mehr Platz. Sie können sich bei Hochwasser ausbreiten. Es entstehen flache Nebenarme und Tümpel. Diese Flächen fangen Hochwasser ab. Gleichzeitig versickert ein Teil des Wassers im Boden. Mikroorganismen in den Auen filtern es dabei. So wird das Grundwasser aufgefüllt und gereinigt. Gleichzeitig sinkt das Risiko von Hochwasserschäden.
Grundwasser direkt aus Flüssen oder Seen ernten
In Deutschland wird Trinkwasser oft indirekt aus Flüssen gewonnen. Das geschieht über die sogenannte Uferfiltration. Brunnen stehen dabei nahe an Flüssen oder Seen.
Wird dort Grundwasser abgepumpt, entsteht ein Unterdruck. Wasser aus dem Fluss strömt nach. Auf dem Weg durch den Boden wird es natürlich gefiltert. Mehr als die Hälfte des Berliner Trinkwassers stammt aus diesem Verfahren.
Auch Versickerungswehre leiten Flusswasser ins Grundwasser. Das sind Hindernisse im Flussbett, die die Fließgeschwindigkeit verringern oder den Fluss eine Weile aufstauen. Fließt das Wasser langsamer, kann mehr davon versickern.
In trockenen Regionen, wie etwa in Kenia, werden dazu an mehreren Stellen im Flusslauf kleine sogenannte Sanddämme angelegt. Sie sollen den Sand aufhalten, den die Flüsse in der Regenzeit mittransportieren. Die so entstehende Sandschicht an den Dämmen dient als zusätzlicher Grundwasserleiter: Durch die Zwischenräume im Sand kann das Wasser schnell ins Grundwasser versickern und wird zusätzlich gefiltert.
Über Brunnen flussabwärts wird das Grundwasser dann auch in Trockenzeiten nach oben geholt. Auch hier gibt es durch die Wasserspeicherung im Boden deutlich weniger Verluste durch Verdunstung als bei einer überirdischen Speicherung. Davon profitieren nicht nur Menschen und Tiere. Auch die Vegetation erholt sich, wenn der Grundwasserspiegel steigt.