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Mein Freund, der Roboter

7. November 2011

Anders als im Westen sind Roboter in Japan längst fester Bestandteil der Gesellschaft. In naher Zukunft sollen Roboter auch den Haushalt erobern und in der Altenpflege eingesetzt werden.

Roboter "Nao" von Aldebaran Robotics (Foto: pa/dpa)
Roboter "Nao" wurde erstmals 2006 vorgestelltBild: picture-alliance/dpa

Deutschland ist - gemessen an den Stückzahlen - hinter Japan die Roboternation Nummer zwei, noch vor den USA. Auch im Forschungsbereich Robotik liegt Deutschland weit vorne. Doch Roboter können sich viele Deutsche nur in Fabrikhallen vorstellen, nicht aber im Haushalt. Zu groß sind die Vorbehalte. In Japan sieht das anders aus: Mehr als 370.000 Roboter sind im Einsatz. Sie arbeiten bereits in Fabriken, pflanzen Reis oder fungieren als Empfangspersonal.

Professor Helge Ritter und die japanischen Kollegen Hiroshi Ishiguro (rechts) und Minoru Asada (links)Bild: DW

Warum ist die Akzeptanz für Roboter in Japan so viel größer? Wie muss ein Roboter aussehen und was muss er können, damit die Akzeptanz gesteigert werden kann? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Professor Helge Ritter gemeinsam mit seinen Kollegen am Bielefelder Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) und dem Forschungsinstitut für Kognition und Robotik (CoR-Lab). Die Institute profitieren dabei sehr von den kurzen Wegen in der Bielefelder Uni, die ein interdisziplinäres Forschen gemeinsam mit Informatikern, Neurowissenschaftlern, Physikern, Linguisten, Psychologen und Sport- und Bewegungswissenschaftlern ermöglichen.

Eine Frage der Akzeptanz

Seit Jahren pflegt das Bielefelder Institut zudem eine intensive Zusammenarbeit mit zwei weltweit führenden Robotik-Instituten der Universität Osaka. Denn in der japanischen Acht-Millionen-Metropole nehmen die Visionen schneller Gestalt an. In naher Zukunft könnten Roboter auch im Westen als nützlicher Haushaltshilfe akzeptiert werden, als eine Art "Butler", glaubt Professor Helge Ritter. Dem 52-Jährigen schwebt eine Art Arbeitsteilung vor: Roboter sollen dem Menschen lästige Verpflichtungen abnehmen, damit sich der Mensch auf das konzentrieren kann, was nur er gut kann, nämlich Zuhören, Mitgefühl zeigen, Beisammensein.

Täuschend echt, aber kein Mensch: der Roboter Geminoid FBild: DW

Entscheidend für eine hohe Akzeptanz ist, wie Roboter aussehen und was sie leisten, da sind sich die Bielefelder Wissenschaftler vom "Forschungsinstitut für Kognition und Robotik" mit ihren japanischen Kollegen einig. Allerdings verfolgen die Forscher teilweise ganz unterschiedliche Ansätze. So setzt Professor Hiroshi Ishiguro etwa auf täuschend lebensecht aussehende Roboter. Weltberühmt wurde der stets schwarz gekleidete Ishiguro durch seinen Roboter-Zwilling, der ihm selbst aufs Haar gleicht.

Und auch bei seiner Roboterdame "Genoid F" erkennt der Beobachter erst nach einer Weile, dass es sich nicht um einen Menschen, sondern um eine Maschine handelt. Interessanterweise beschränkt sich Ishiguros neuste Schöpfung "Telenoid R1" allerdings auf die unbedingt notwendigen äußeren Merkmale und verzichtet vollständig auf Gliedmaßen, Haare und so weiter. Der embryo-ähnliche Handroboter soll in naher Zukunft das Handy in seiner gewohnten Form ablösen.

Weniger ist mehr

Große Augen, trauriger Blick - der neue Bielefelder Roboterkopf "Flobi"Bild: DW

Auf eine radikale Vereinfachung setzten auch die Bielefelder Forscher, denn diese Reduzierung erleichtere die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Ihr neuester Roboterkopf "Flobi" entspricht mit seinen großen Kulleraugen und dem runden Gesicht ganz dem Kindchenschema. Mit beweglichen Lippen, Augenbrauen und Augenlidern kann Flobi die grundlegenden Emotionen wie Trauer, Freude, Angst, Überraschung überzeugend ausdrücken.

Denn neben dem äußeren Erscheinungsbild ist für eine erhöhte Akzeptanz vor allem das Verhalten der Roboter ausschlaggebend. Sie dürfen nicht ferngesteuert wirken, sondern müssen eigenständig agieren und ihren eigenen Weg gehen. Und dazu müssen Roboter lernfähig sein, denn für ein Miteinander von Mensch und Maschine muss der Roboter sein Gegenüber mit Namen erkennen und angemessen reagieren lernen. Nur so wirkt die Maschine tatsächlich menschlicher.

Autor: Alexander Freund
Redaktion: Andreas Ziemons/ Nicole Scherschun

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