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Robert Lewandowski - König der Knipser

Marko Langer
15. Mai 2021

Fußball kann so einfach sein. Wer ein Tor mehr als der Gegner schießt, ist Sieger. Dass auch im höchstbezahten Premium-Fußball Torjäger wie Robert Lewandowski die wahren Helden sind, tröstet Marko Langer.

Bildkombo Gerd Müller und Robert Lewandowski
Der alte und der neue Bomber: Gerd Müller und Robert Lewandowski

Es war, seien wir ehrlich, kein sehr schönes Tor: Robert Lewandwoski blickte noch einmal kurz nach oben, lief dann an und verzögerte kurz, bis er den Freiburger Keeper Mark Flekken im Eck hatte. Dann schob er den Ball dahin, wo der Torwart nicht mehr im Weg war. 25 Minuten waren da vorbei. Die Bayern lagen in Freiburg vorne, "Lewy" Lewandowski zog das Trikot hoch, um darunter ein schwarzes T-Shirt mit dem Konterfei von Gerd Müller und der Aufschrift "4everGerd" zu zeigen und sich dann im Spalier von der Bayern-Bank abklatschen zu lassen. War was?

50 Jahre Rekordhalter

Ja, Elfmeter nach einem Foul, charmanterweise verursacht an einem Mann namens Müller. Und die Bayern-Fans könnten jetzt einwenden: "Kein schönes Tor? Hat der noch alle Tassen im Schrank bei der DW?" Schließlich war dieser Treffer der historische, auf den am vorletzten Spieltag alle gewartet hatten. Die Statistik: Müller, Gerd - 40 Tore in der Saison 1971/72. Lewandowski, Robert - 40 Tore in der Saison 2020/21. History in the making. Immerhin: Es hat 50 Jahre gedauert, bis jemand Gerd Müller eingeholt hat. Und es musste ein Bayern-Spieler sein - worüber sich der "junge Müller" besonders freute.

Gerd, der ältere Müller, war der sogenannte "Bomber der Nation". Im rot-weißen Bayern-Jersey mit der Nummer "9", im Nationaltrikot mit der "13", ein Anti-Star, wie es mehr anti gar nicht ging. Das Archiv erinnert daran, dass der in Zagreb geborene Bayern-Coach Zlatko "Tschik" Cajkovski am Anfang über ihn gesagt haben soll: "Was soll ich mit diesem Jungen, diese Figur, unmöglich!" Später prägte Tschik den Spruch von "kleines, dickes Müller".

Der Spruch dürfte den schüchternen Jungen aus Nördlingen gequält haben, den Mann, der auch später zwar in einer Mannschaft mit "Kaiser" Franz Beckenbauer spielte, aber so sehr seinen einfachen Verhältnissen verschrieben blieb. Gleichwohl: Müller war es, der im WM-Finale 1974 gegen Holland zunächst mit der Rückseite zum Tor den Ball annahm, sich dann drehte und noch in der Drehung das Tor erzielte, das Deutschland glücklich machte. Wo warst Du, als Müller traf? Wer damals schon dabei war, kann diese Frage sofort beantworten. 

Hunger

Marko Langer, DW-AutorBild: Sarah Ehrlenbruch

Robert Lewandowski hat für mich daher an diesem Samstag in Freiburg besonders gewonnen, als er in der 78. Minute mindestens eine sichere Chance gegen Keeper Flekken gerade nicht verwandelte. Weil er es nicht schaffte, den Ball aus dreißig Zentimetern über die Linie zu schieben, hat 4everGerd zumindest noch eine Woche Bestand. Soll aber keiner glauben, da wäre Absicht im Spiel gewesen. Lewandwoski hat, bei aller Unterschiedlichkeit zum "Bomber der Nation", mit diesem eine Sache gemeinsam: absoluten Torhunger. Immer. Wenn es eine Bude zu machen gibt, dann will Lewandowski sie auch machen. Da kennt er weder Freund noch Feind noch Vereinsikone.

Ohne ihn wären die Bayern nicht da, wo die Bayern sind. Wer trifft, gewinnt. Wenn Lewandowski nicht trifft, hat das Bayern-System ein Problem - deutlich zu sehen, als der Pole im Champions-League-Viertelfinale gegen Paris St. Germain verletzt fehlte. 

Beobachter beeilten sich, nach dem Abpfiff in Freiburg darauf hinzuweisen, dass Müller in seiner Rekordsaison keinen Elfmeter-Treffer hatte und trotzdem auf die 40 kam. Andere maulten, dass der Videobeweis die Zahl der Strafstöße nicht gerade verringert hat. Ja, ja, geschenkt. Lewandowski hat in den letzten neun Spielen 16 Treffer gemacht. 202 Tore für den FCB insgesamt. Zweihundertzwei. Keine Fragen mehr.

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