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Politik

Zwei Farben der Gerechtigkeit in den USA

Kamerun Journalistin Mimi Mefo
Mimi Mefo
9. Januar 2021

Die Verfassung der USA verspricht gleiche Rechte für alle. Das Zögern der Sicherheitskräfte beim Sturm auf den Kongress zeigt, dass in Trumps Amerika weiß sein noch immer Recht haben bedeutet, meint Mimi Mefo.

Sicherheitskräfte vor dem US-Kongress - zunächst überfordert und unterbesetztBild: SHANNON STAPLETON/REUTERS

Einen Sturm auf das Kapitol in Washington gab es zum vorletzten Mal 1814, als britische Truppen es eroberten. Damals war Sklaverei noch legal und die Ungleichbehandlung von Schwarzen und Weißen war offizielle Regierungspolitik.

Als ich - eine schwarze Frau aus dem autoritär regierten Kamerun im Herzen Afrikas - die Szene am 6. Januar in Washington sah, kam ich mir vor wie in einer alternativen Realität.

Für einen kurzen Moment dachte ich, ich sähe einen Ausschnitt eines populären nigerianischen Nollywood-Films oder Bilder aus der Metropole Abidjan der Elfenbeinküste und die Vertreibung des früheren Präsidenten Laurent Gbagbo oder den Sturz des Präsidenten von Burkina Faso, Blaise Compaoré. Ich könnte die Liste fortsetzen. Allerdings stimmte etwas an der Optik nicht: Die Handelnden vor dem Kapitol waren weiß - und die Sicherheitskräfte, die vor ihnen davonrannten, schwarz.

Demokratische Werte in den Dreck gezogen

Ich war damit nicht allein. In den sozialen Netzwerken war der Schock vieler Afrikaner sowohl in den USA als auch auf dem afrikanischen Kontinent greifbar. Niemand konnte glauben, dass das wirklich möglich war in einem Land, das stolz darauf ist, eine Bastion demokratischer Werte und ein globaler Schiedsrichter für Fairness und Recht zu sein.

DW-Redakteurin Mimi MefoBild: Mimi Mefo

Schon vorher war ich schockiert gewesen über die Entwicklung der Wahlen in den USA. Aber jetzt malte ich mir nicht nur aus, dass Präsident Donald Trump alle Prinzipien der liberalen Demokratie in den Dreck gezogen hatte. Ich sah tatsächlich im Fernsehen, wie er Demonstranten anstachelte, etwas zu unternehmen, von dem er ein Teil sein wolle. Das ist ganz sicher kriminell! Urteilen müssen darüber natürlich die juristischen Experten.

Das Entscheidende ist, dass es Stunden brauchte, bis die Nationalgarde kam, nachdem alle Kongressmitglieder - auch die Trump-Unterstützer unter ihnen - in Sicherheit gebracht worden waren und bereits eine Frau tödlich verletzt worden war. Die Zurückhaltung der Sicherheitskräfte wäre lobenswert und afrikanische Regierungen könnten davon lernen, wäre da nicht eine Sache - ich habe nicht vergessen, was rund um die Black-Lives-Matter-Proteste im vergangenen Juni geschah.

Dass afroamerikanische Demonstranten auf den Straßen Washingtons ihr Recht auf Leben einklagen mussten oder Trumps Inszenierung, als er die Bibel ins Bild hielt, rief Erinnerungen an die Jim-Crow-Ära hervor, eine Zeit, als Schwarze als gefährliche Spezies und Beutetiere behandelt wurden. Aber dies ist das 21. Jahrhundert - und der massive Gegensatz zwischen schwarzem und weißem Leben in den modernen USA hat erneut seinen hässlichen Kopf erhoben.

Tag der Schande in der Geschichte der USA

Die Ereignisse am 6. Januar werden in die Geschichte der USA eingehen als der Tag, an dem der 14. Verfassungszusatz, der Schwarzen volle Bürgerrechte und eine Gleichheit vor dem Gesetz einräumt, als eine den größten Täuschungen entlarvt wurde, die es jemals gab. Die Illusion, dass das Gesetz alle gleich schützt, wurde zerstört, als mir klar wurde: Wären es Schwarze gewesen, die das Kapitol gestürmt oder weiße Polizisten gejagt hätten, dann hätte Washington ein Blutbad erlebt. Aber weiße Randalierer konnten das Kapitol einnehmen und der Welt zeigen, dass in Trumps Amerika Weiße im Recht sind.

Weniger als zwei Wochen vor dem Ende der Trump-Ära kann ich nur hoffen, dass Joe Biden und Kamala Harris beweisen werden, dass das, was wir in den vergangenen vier Jahren miterleben mussten, einfach ein schwarzes Loch war, dass die falsche Unfehlbarkeit des Weißseins aufgedeckt hat.

Adaption aus dem Englischen: Beate Hinrichs

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