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Meister des Wortlosen

Petra Tabeling

Der Slowake Milan Sladek ist ein diplomatischer Universal-Künstler. Mit seiner Kunst der Pantomime und des Puppenspiels will er Grenzen aufbrechen, wie er im Gespräch mit DW-WORLD erläutert.

Ungewöhnliche Spielart: Puppen verkörpern Bertolt Brecht-WerkeBild: Sladek

Milan Sladek ist einer der berühmtesten Pantomime-Künstler. Kaum zu glauben, dass die leise Kunst den stets freundlichen und zurückhaltenden Mann einst zu einem Staatsfeind in Zeiten des Kalten Krieges machte.

Puppen spielen Brecht

Der Regisseur Sladek ist Brecht-Fan und Bewunderer der Puppen-Spielkunst. Da lag es nahe, beides zu vereinen. Als Zuschauer ist es schwer, den Überblick zu behalten: Die Augen wandern überall hin bei Sladeks deutscher Ur-Aufführung seiner Version der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht, die vor kurzem in Siegen stattfand. Drei Akteure bewegen jeweils 1,50 Meter große weiße Puppen. Die Stimmen verleihen ihnen Schauspieler, die über der Bühne sitzen. Ein ungewöhnliches Konzept, aber ein erfolgreiches.

Auf der Suche nach internationalen Kultur-Wurzeln

Sladek interessieren die Wurzeln des Theaters. Das Puppen-Theater, meint der Pantomime, der auch Holzschnitzerei studierte, zeige das am besten. Und so ließ er sich bei seinem Spiel mit den Puppen von der japanischen Puppen-Spielkunst "Bunrako" inspirieren. "Grenzen in der Kunst ziehe ich nicht gerne", meint der Künstler. "Ich liebe die Konfrontation zwischen den europäischen und anderen Kulturen." Die Kommunikation mit den Zuschauern sei das wichtigste dabei.

Kalter Krieg - Geheimbotschaften auf der Bühne?

Meister der Phantomime Milan SladekBild: Milan Sladek

Die Kommunikation der Bühne mit dem Publikum war in seinem Heimatland, der Slowakei, nicht immer gewünscht. Das kommunistische Regime erklärte Sladek 1968 zur Un-Person. Sein Pantomimen-Theater war das erste, das nach dem Scheitern des Prager Frühlings geschlossen wurde. Seine Kunst hat die Kommunisten irritiert: "Einmal kam einer der Geheimagenten auf die Bühne um dort einen Würfel mit aufgedruckten Buchstaben zu untersuchen. Er dachte, es handelt sich um Geheimbotschaften", lacht Sladek heute. Damals kostete ihm das seine Existenz und sein Theater. Während eines Gastspiels in Bulgarien im August 1968 beschließt er zusammen mit seinem Ensemble nicht zurückzukehren.

Kunst-Exil in Deutschland

Milan SladekBild: Sladek

Ein mutiger Schritt, der ihn auch zum ungewollt zum Mittler zwischen Kulturen machte und Deutschland in der Kunst der Pantomime bereicherte: Sladek geht nach Köln und gründet ein Theater. Eigentlich hätte er überall hingehen können. Aber in Köln habe damals im Winter kaum Schnee gelegen, zwinkert der freundliche Herr, und außerdem habe ihm auch die Offenheit der Stadt gefallen. Ideologische Plattform für das "Kefka-Theater", dass er zwölf Jahre lang erfolgreich führt.

Kultur-Aufbau Ost

1991 dann ein Anruf des damaligen Parlamentspräsidenten Miklosko aus Bratislava. Der Wind wehte nun demokratischer und auch die Kunst eines Sladek war nun gewollt. Der Mime bekommt den Auftrag das Theater Arena aufzubauen, und gibt seine Pantomimen-Professur in Essen auf. Eine schwere, aber beflügelnde Aufgabe sei das damals für ihn gewesen. Das Theater glich mehr einer Ruine als einer Spielstätte. Aber dass Max Reinhardt dort gespielt hatte, befand er als so gutes Omen, dass ihn er schließlich von seiner neuen Aufgabe überzeugt war.

Neu-Anfang in Köln

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Dennoch möchte er Bratislava bald wieder hinter sich lassen. Sladek spielt mit dem Gedanken wieder nach Köln zurückzukehren. Trotz Privatisierung und EU-Osterweiterung: die Kunst-Auffassung der Slowaken sei nicht so einfach zu durchbrechen, meint Sladek. Das Publikum in Bratislava sei zu brav und zu leise - ein latenter Sozialismus, der mit zwischen den Reihen sitze. Das deutsche Publikum sei offener und das gebe ihm eher ein Gefühl der Zusammenarbeit. Aber mit den Reaktionen im Theater sei das wie mit der Lotterie, man könne es eben nie einplanen. Nur die Hoffnung gehe mit.

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