Für seine Hitler-Komödie erhielt Mel Brooks 1969 einen Oscar. Danach war nichts mehr vor ihm sicher. Jetzt feiert er seinen 100. Geburtstag.
Mel Brooks im Januar 2026Bild: Richard Shotwell/Invision/AP Photo/picture alliance
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Manchmal wird erst nach Jahrzehnten deutlich, welche Vorreiterrolle ein Künstler eingenommen hat. Heute, in Zeiten von Comedy und Ulk-Fernsehen, von Nazi-Parodien und Humor-Tabubrüchen auf allen Ebenen, lohnt ein Blick auf das Werk des Regisseurs und Schauspielers Mel Brooks ganz besonders. Der am 28. Juni 1926 im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn geborene Entertainer feiert jetzt seinen 100. Geburtstag. In vielerlei Hinsicht erweist sich Brooks als Pionier in Sachen Humor.
Mel Brooks - ein früher Tabubrecher
Noch heute wird, durchaus zu Recht, leidenschaftlich diskutiert, ob man mit den von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen Späße treiben darf. Das ist nicht jedermanns Sache. Und Witze über Adolf Hitler können ganz schön daneben gehen. Nicht jeder Zuschauer konnte und wollte 1968 mitlachen, als Mel Brooks erster Film "The Producers" ("Frühling für Hitler") in die Kinos kam.
Mit einer Parodie auf Adolf Hitler wurde Mel Brooks weltberühmt. Parodien blieben sein Markenzeichen, als Regisseur und als Schauspieler. Hier sind seine besten Filme.
Bild: HBO Max/AP Photo/picture alliance
Frühling für Hitler
Mel Brooks Filmdebüt "The Producers" ("Frühling für Hitler") schlug 1968 ein wie eine Bombe. Eine Parodie auf die Nazis und ihren "Führer", garniert mit derben Scherzen und Musik, mit Tanz und bitteren Pointen - damals keine Selbstverständlichkeit. Auch heute wird darüber diskutiert: Darf man Hitler und die Nationalsozialisten parodieren? Mel Brooks nahm damals vieles vorweg.
Bild: Health Point Productions/Everett Collection/picture alliance
Der wilde wilde Westen
Mit seinem Film "Blazing Saddles" ("Der wilde wilde Westen", auch unter dem Titel "Is was, Sheriff?" bekannt) hatte Brooks 1974 endgültig sein Filmformat gefunden: die Parodie. Fortan nahm er die verschiedensten Genres auf die Schippe. Und er spielte selbst auch mit, oft an der Seite von Gene Wilder (li). In "Blazing Saddles" parodierte er das ur-amerikanische Genre überhaupt: den Western.
Bild: Sammlung Richter/picture alliance
Frankenstein Junior
Weiter ging's im gleichen Jahr mit der Horrorfilm-Parodie "Young Frankenstein" ("Frankenstein Junior"). Gedreht wurde in den Originalrequisiten des berühmten Frankenstein-Films von 1931 - in Schwarz-Weiß! Mel Brooks war auf dem Höhepunkt seiner Karriere und konnte sich auch so etwas leisten. Die Zuschauer in aller Welt lachten sich kaputt: über das berühmteste Monster der Filmgeschichte.
Bild: United Archives/picture alliance
"Mel Brooks' letzte Verrücktheit: Silent Movie"
In den 1970er-Jahren war Brooks so berühmt, dass sein Name in Deutschland in den offiziellen Filmtitel integriert wurde. Wie hier im Film "Mel Brooks' letzte Verrücktheit: Silent Movie". Nach seinem Schwarz‑Weiß‑Film "Young Frankenstein" beschäftigte sich Brooks nun mit dem Stummfilm. "Silent Movie" setzt nicht nur auf derbe Späße, sondern war eine liebevolle Hommage an den Stummfilm.
Bild: Sammlung Richter/picture alliance
Mel Brooks' Höhenkoller
1977 wagte sich Mel Brooks an die Kino-Ikone Alfred Hitchcock und parodierte die Filme des Meisters der Psychothriller. Sein Film "High Anxiety" ("Mel Brooks' Höhenkoller") verband zahlreiche Anspielungen auf Hitchcock-Filme zu einem lustigen Filmreigen für Cineasten. Insbesondere Hitchcocks Klassiker "Vertigo" wird auf die Schippe genommen.
Bild: Jim Palmer/AP Photo/picture alliance
Mel Brooks - Die verrückte Geschichte der Welt
Anfang der 1980er-Jahre nahm sich Mel Brooks das Genre des Monumentalfilms vor. "History of the World, Part I" ("Mel Brooks - Die verrückte Geschichte der Welt") bietet einen wilden Ritt durch die Menschheitsgeschichte - von der Steinzeit bis zur Französischen Revolution. 2023 folgte die Fortsetzung als Miniserie, wo Brooks als Produzent, Drehbuchautor und Sprecher beteiligt ist.
Bild: Collection Christophel/picture alliance
Spaceballs
Nach den weltweiten Erfolgen der ersten Star-Wars-Filme war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Meister der Filmparodie auch des Science-Fiction-Genres annehmen würde. "Spaceballs" ist in erster Linie eine Parodie auf die Weltraumopern von George Lucas. Mel Brooks spielt aber auch auf andere populäre Science-Fiction-Werke wie "2001" und "Alien" an. 2027 kommt eine Fortsetzung ins Kino.
Bild: United Archives/picture alliance
Das Leben stinkt
Einen ersten größeren Misserfolg musste Mel Brooks 1991 mit seinem Film "Life Stinks" ("Das Leben stinkt") hinnehmen. Der Film, der sich stärker als sozial geprägte Komödie und weniger als typische Parodie versteht, kam beim Publikum und bei Kritikern nur mäßig an. Damit entfernte sich Brooks deutlich von dem Stil, mit dem er zuvor seine größten Erfolge gefeiert hatte.
Bild: United Archives/picture alliance
Robin Hood - Helden in Strumpfhosen
Erfolgreicher war wieder Mel Brooks' Parodie auf Mittelalterfilme. In "Robin Hood - Men in Tights" ("Robin Hood - Helden in Strumpfhosen", 1993) machte er sich insbesondere über den Freund der Armen und Verfolgten in Sherwood Forest lustig. Zwei Jahre zuvor hatte Hollywood den Stoff mit Kevin Costner erneut auf die Leinwand gebracht - der Film war ein weltweiter Kassenschlager.
Bild: United Archives/Impress/picture alliance
Dracula - Tot aber glücklich
1995 wandte sich Mel Brooks erneut dem Horrorgenre zu, diesmal parodierte er den berühmtesten Vampir der Welt. Doch "Dracula: Dead and Loving It" ("Dracula - Tot aber glücklich") hatte nicht mehr den Biss früherer Filme. Die Späße und Zoten gerieten etwas blutleer. Es war Mel Brooks' letzte Regiearbeit. Als Autor und Sprecher tritt er jedoch immer noch auf - auch mit 100.
Bild: Collection Christophel/picture alliance
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Brooks hatte schnell Erfolg, sehr großen sogar. Schon zuvor war der Amerikaner, der aus einem jüdisch-europäischen Elternhaus in Brooklyn stammt, ein bekannter Mann. Sein Handwerk hatte er, wie so viele andere US-Komiker, auf der Bühne und beim Fernsehen gelernt. Mel Brooks ist eine bodenständige Variante von Woody Allen: Seine Späße sind nicht intellektuell und feingeistig, sondern oft roh und brachial.
Mehrfach preisgekrönt
Mit dieser Mischung eroberte er in den 1970er- und 80er-Jahren weltweit ein großes Kinopublikum. Darüber hinaus war Brooks zeitlebens auf mehreren Bühnen der Popkultur tätig: fürs Kino und fürs Fernsehen, fürs Theater und als Synchronsprecher. Einen späten weltweiten Erfolg erzielte er im Jahr 2001, als er eine Musical-Version seines Debütfilms "The Producers" an den Broadway brachte. Dafür gab es nicht weniger als zwölf Tonys - damit ist es das bis heute am häufigsten ausgezeichnete Musical am Broadway.
Das Musical "The Producers" macht die Nazis lächerlichBild: Maya Hitij/AP Photo/picture alliance
Mel Brooks ist einer der wenigen Unterhaltungskünstler, die in den vier großen Kultursparten mit den höchsten Preisen ausgezeichnet wurden. Er gewann einen Oscar für das beste Drehbuch ("The Producers"), die Tony-Statuetten, aber auch mehrfach die TV- und Musikpreise Emmy und Grammy. Verheiratet war Mel Brooks mit der 2005 verstorbenen Schauspielerin Anne Bancroft, einer Ikone der Kinogeschichte, die an der Seite von Dustin Hoffman im Film "Die Reifeprüfung" die Mrs. Robinson spielte.
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Nicht aufs Altenteil
Altersgerecht geht es Mel Brooks inzwischen etwas ruhiger an. Aufs Altenteil schieben lässt sich der Komiker deshalb aber noch lange nicht: In der "Hotel Transsilvanien"-Reihe lieh er Draculas Vater Vlad seine Stimme. 2017 gastierte eine Theaterversion seines Films "Young Frankenstein" im Londoner West End, 2019 lief beim Bezahlsender HBO das Comedy-Special "Mel Brooks: Unwrapped" und 2021 erschien "The Mel Brooks Songbook" mit 23 Liedern aus Filmen und Shows.
Mel Brooks und Angela Basset mit ihren EhrenoscarsBild: ROBYN BECK/AFP
Im Juni 2023 erhielt Mel Brooks den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Was damals noch nicht bekannt war: Es wird eine Fortsetzung des Science-Fiction-Parodie "Spaceballs" geben. Im April 2027 soll der Film "Spaceballs - The New One" in die Kinos kommen. Und die Fans dürfen sich auf ein Wiedersehen mit Lord Helmchen, Prinzessin Vespa und vielen anderen Figuren aus dem 1987er Streifen freuen - mit mehreren Darstellenden in der Originalbesetzung, also auch mit Brooks höchstpersönlich als Präsident Skroob.
Mehr über den gut gelaunten Senioren erfährt man in der HBO-Dokumentation "Mel Brooks: The 99 Year Old Man!" Der Zweiteiler, der im Januar 2026 veröffentlicht wurde, bietet einen intimen sowie unterhaltsamen Blick auf das Leben, die Karriere und das Vermächtnis des Meister-Satirikers, der nun seinen 100. Geburtstag feiert.
Dies ist ein aktualisierter Artikel aus dem Jahr 2021 (mit jk)