1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KonflikteUkraine

Ukraine: Kanzler Merz in Kyjiw - Drohne trifft Nordbrücke

Veröffentlicht 4. Oktober 2026Zuletzt aktualisiert 4. Oktober 2026

Ungeachtet neuer Drohungen aus Russland sind Bundeskanzler Merz und Wirtschaftsministerin Reiche nach Kyjiw gereist. Kurz nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt der Ukraine beschädigt eine Drohne eine Brücke.

Ukraine Kyjiw 2026 | Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche werden von ukrainischen Vertretern bei Ankunft am Hauptbahnhof begrüßt
Bundeskanzler Friedrich Merz (M.) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche am Hauptbahnhof in Kyjiw Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

"Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", betonte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug in der Hauptstadt Kyjiw. Der Kanzler wird bei seinem nicht angekündigten Ukraine-Besuch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet.

Bei dem Besuch zeigte sich Merz unbeirrt in seiner Unterstützung für die Ukraine. Er sagte dem Land Militär- und Infrastruktur-Hilfen von über einer Milliarde Euro zu.

Fahrbahn der Nordbrücke in Kyjiw beschädigt 

Wenige Stunden nach dem Eintreffen der Delegation aus Deutschland gaben die Behörden in Kyjiw neuen Luftalarm. Die Nordbrücke wurde von einer russischen Drohne getroffen. Der Bürgermeister von Kyjiw, Vitali Klitschko, teilte im Onlinedienst Telegram mit, die Fahrbahn der Nordbrücke sei beschädigt worden.

Techniker reparieren eine Oberleitung nach dem Drohnenangriff auf die Nordbrücke Bild: Sergei Supinsky/AFP

"Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf," reagierte Merz auf den russischen Beschuss. Er sprach von "täglichen Kriegsverbrechen" durch Russland.

Vor der Ankunft des Regierungszugs in der Drei-Millionen-Metropole hatte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten gewarnt. Sie sollten Kyjiw verlassen und sich vor allem nicht in der Nähe von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden aufhalten, hieß es in einer Mitteilung aus Moskau.

Gefährliche Reise ins Kriegsgebiet

Es ist wohl die gefährlichste Reise eines Kanzlers in das Kriegsgebiet seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar 2022. Die russischen Streitkräfte haben in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf Kyjiw und auch auf Personenzüge deutlich verstärkt. Seit einigen Wochen setzt Russland zudem schnelle Jet-Drohnen für Angriffe auf zivile Ziele ein - so auch am Freitag, als die zentralen Brücken in Kyjiw Ziel massiver Attacken waren.

Der ukrainische Präsident Selenskyj führt Kanzler Merz und Ministerin Reiche zum zerstörten Gebäude der Nationalen Akademie der WissenschaftenBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Auch in anderen Regionen gab es wegen russischer Luftangriffe an diesem Sonntag Alarm. Die Behörden meldeten mindestens ein Todesopfer und mehrere verletzte Zivilisten.

Merz appellierte an den russischen Präsidenten Wladimir ‌Putin, den Krieg ⁠gegen die Ukraine zu beenden. "Herr ​Putin, hören ‌Sie diesen sinnlosen Krieg auf", sagte Merz in der ukrainischen Hauptstadt. "Wir sind ‌bereit zu Gesprächen, wir sind bereit, ‌miteinander ​zu sprechen über das Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung ​der Ukraine müssen aufhören", verlangte der Kanzler. 

Abfangdrohnen und Langstreckenraketen

Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen will Merz bei seinem Besuch den ukrainischen Streitkräften die baldige Auslieferung von Tausenden Abfangdrohnen zusichern. Damit soll die Flugabwehr die besonders schnellen und daher auch besonders gefährlichen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpfen. Geplant ist die gemeinsame Produktion verschiedener Drohnentypen, die sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine gebaut werden sollen.

Zudem geht es um die gemeinsame Entwicklung und Produktion sogenannter Abstandswaffen mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern. Mit diesen könnten Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden.

Hilfspaket umfasst mehr als eine Milliarde Euro

Für die deutschen Unterstützungsmaßnahmen soll eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden. Geplant sind zudem weitere 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

In Berlin wurde betont, es gehe nicht nur darum, die Ukraine militärisch zu unterstützen. Die verstärkte Zusammenarbeit nutze auch der Bundesrepublik, weil Geld und Technologie zurück nach Deutschland flössen. 

Begrüßung auf Deutsch am Hauptbahnhof in Kyjiw Bild: Nick Connolly/DW

Er sei nach Kiew gereist, "weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht", erläuterte der Kanzler. "Bald beginnt für die Menschen der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke." Die Ukrainer ließen sich aber durch den Terror Russlands nicht unterkriegen. "Ich werde Präsident (Wolodymyr) Selenskyj heute sagen: 'Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.'"

se/an/gri (rtr, dpa, afp)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen