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Energieversorgung

5. April 2011

Können Erneuerbare Energien eine sichere Stromversorgung garantieren? Die Branche sagt ja! Beispielsweise mit virtuellen Kraftwerken und unterirdischen Speichern für Windkraft - gezeigt auf der Hannover Messe.

Ein Techniker justiert am Sonntag (03.04.2011) bei der Hannover Messe eine Miniatur-Windkraftanlage (Foto: dpa)
Ein Techniker justiert auf der Hannover Messe eine Miniatur-WindkraftanlageBild: picture alliance/dpa
Das virtuelle Kraftwerk der Modellregion HarzBild: DW

Mal stürmt es, dann herrscht wieder Flaute, mal scheint die Sonne, dann wieder nicht - wer mit erneuerbaren Energien Strom erzeugen möchte, hat einiges an Problemen zu bewältigen, denn die Menschen erwarten eine ständige sichere Stromversorgung. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, hat das Bundeswirtschaftministerium in sechs Modellregionen Pilotprojekte angestoßen. Darunter auch die Regenerative Modellregion Harz, die vom Fraunhoferinstitut für Windenergie und Energiesystemtechnik, kurz IWES auf der Hannover Messe präsentiert wird. "Wir wollen jetzt mit erneuerbaren Energien zeigen, dass nicht nur genügend Energie bereitgestellt werden kann, sondern auch dass bezüglich der Frequenz und der Spannung die Versorgungssicherheit garantiert ist," sagt Kurt Rohrig, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts.

Wie das gezeigt werden soll, erklärt sein Mitarbeiter Florian Schlögl: "Wir kombinieren verschiedene Erzeuger miteinander, indem wir ein virtuelles Kraftwerk bilden." In diesem Kombikraftwerk sind ein Windpark, zwei Blockheizkraftwerke und zwei Biogasanlagen miteinander verknüpft. Letztere lassen sich je nach Bedarf zuschalten. Außerdem ist das Kraftwerk an überregionale Märkte angeschlossen, wodurch Strom zugekauft oder verkauft werden kann. Das Projekt läuft inzwischen seit über zwei Jahren, und trotzdem stehe man laut Rohrig immer noch vor der Herausforderung, von den Energieversorgern akzeptiert zu werden.

Windkraft

Die Gondel eines neuen Windrades von EnerconBild: DW

An der Modellregion Harz sind außer dem Fraunhofer-Institut noch verschiedene Unternehmen beteiligt. Für die Kommunikation sorgt beispielsweise Siemens. Über eine sogenannte Power Bridge können Energieerzeuger und das virtuelle Kraftwerk Informationen austauschen. Auch der Windradhersteller Enercon ist Teil des Pilotprojektes, sagt Teelke Oldermann, Lobbyistin des deutschen Marktführers für Windräder. "Für die Modellregion Harz liefern wird die Turbinen. Der Windpark Dardesheim ist ausgestattet mit Enercon Windenergieanlagen. Unsere Technik ermöglicht es, dass dort eine anlagengenaue Steuerung stattfindet."

Auf der Hannover Messe zeigt Enercon einen neuen Prototypen. Wie ein silbernes Luftschiff überragt die Gondel des neuen Windrades die Ausstellungsstände. Sie wird Teil eines Windrades sein, mit Flügeln von je 50 m Länge.

Windenergie unterirdisch speichern

Modell einer Pilotanlage der Firma SolarfuelBild: DW

Ebenfalls einen Prototypen stellt die Firma Solarfuel auf der Messe vor. Mit Hilfe ihrer Anlage, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut IWES entwickelt wurde, lässt sich Windenergie unterirdisch speichern. Stephan Rieke vom Vertrieb erklärt: "Aus dem Windstrom kann Wasserstoff erzeugt werden, und dieser Wasserstoff wird dann zu der Methanisierungsanlage geführt." Die Anlage erzeuge dann zusammen mit dem CO2 aus einer biogenen Quelle wie Biogas sogenanntes erneuerbares Methan.

Dieses Methan wird dann in riesigen unterirdischen Hohlräumen gespeichert. Wenn dann mal kein Wind weht, kann daraus wieder Strom gewonnen werden, oder es wird direkt als Antrieb bei Erdgasfahrzeugen verwendet. Laut Rieke ist der große Vorteil der Anlage, dass man vorhandene Systeme wie die Erdgasleitungsnetze nutzen kann und die vorhandenen Speicher, die riesige Mengen fassen können. Nachteil ist allerdings, dass bei der Umwandlung von Wind in Gas bis zu 40 Prozent der Energie verloren gehen. Etwas weniger, wenn man auch noch die entstandene Wärme nutzt. Aber besser ein schlechter Speicher als das Windrad bei starkem Wind ganz abzustellen, meint Rieke.

Produktionskapazitäten werden ausgeweitet

Teil eines WindradesBild: DW

Ob Speicher, Windrad oder Softwaresysteme - der Markt rund um Erneuerbare Energien hat Zukunft. Schon vor dem Atomunglück in Fukushima hat der Bundesverband Erneuerbare Energien eine Studie erstellt, mit dem Ergebnis "dass in diesem Jahr 4,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten, also Fabriken zur Herstellung von Anlagen investiert werden, und hinzu kommen noch einmal 1,5 Milliarden in Forschung und Entwicklung", sagt Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes. Dabei kämen die Investitionen aus allen Bereichen. Ein Schwerpunkt mache aber der Strombereich aus. "Dort entstehen neue Fabriken zur Herstellung von Rotorblättern, Generatoren Windenergieanlagen. Im Solarbereich werden neue Standorte in Deutschland entwickelt zur Herstellung von Anlagen, die für den Weltmarkt hergestellt werden." Inzwischen hat sich aber der Wind in Deutschland erneut gedreht, und wenn der Ausstieg aus der Atomkraft weiter vorangetrieben wird, dürften die Investitionen seiner Meinung nach noch höher ausfallen.

Autor: Insa Wrede, z.Zt. Hannover
Redaktion: Rolf Wenkel

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