Mexiko: Welle der Gewalt nach Tod von Drogenboss "El Mencho"
23. Februar 2026
Nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als "El Mencho", durch die mexikanische Armee hat es am Sonntag in mehreren Landesteilen gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Im westlichen Bundesstaat Jalisco blockierten mutmaßliche Bandenmitglieder mehr als 20 Straßen mit brennenden Personen- und Lastwagen. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. "Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren", schrieb sie auf der Plattform X.
Zuvor hatte das Militär die Tötung des Anführers des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (auf Deutsch: Jalisco Neue Generation) bekanntgegeben. "El Mencho" sei bei einem Einsatz in der Stadt Tapalpa im Bundesstaat Jalisco verletzt worden und auf dem Flug in die Hauptstadt Mexiko-Stadt gestorben, teilte die Armee mit. In Mexiko wie auch in den USA stand er auf Fahndungslisten. Die US-Behörden hatten eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (12,7 Millionen Euro) für Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt.
Nach Angaben der Streitkräfte stützte sich der Einsatz auch auf "ergänzende Informationen" von US-Behörden. Neben "El Mencho" seien sechs mutmaßliche Bandenmitglieder getötet und drei Soldaten verletzt worden. Zwei weitere Verdächtige wurden demnach festgenommen. Sicherheitskräfte beschlagnahmten zahlreiche Waffen, darunter auch Raketenwerfer.
Schulunterricht fällt aus
Die Gewalt griff rasch auf weitere Regionen über. In Jalisco, wo in diesem Sommer vier Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer stattfinden sollen, sagten die Behörden sämtliche Veranstaltungen mit großen Menschenansammlungen ab. Auch der Schulunterricht wurde für diesen Montag gestrichen. In der Hauptstadt Guadalajara blieben Straßen weitgehend leer, Geschäfte, Apotheken und Tankstellen geschlossen.
Auch im Bundesstaat Michoacán, dem Geburtsort Osegueras, sowie im Badeort Puerto Vallarta errichteten mutmaßliche Kartellmitglieder Straßensperren. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, vorerst in ihren Häusern zu bleiben. Präsidentin Sheinbaum erklärte, die Bundesregierung stehe in engem Austausch mit den Behörden der betroffenen Bundesstaaten.
Ausländische Regierungen rufen zur Vorsicht auf
Die Auswirkungen waren auch international spürbar. Mehrere nordamerikanische Fluggesellschaften strichen Verbindungen in mexikanische Städte. Airlines wie United Airlines, Southwest Airlines und Air Canada teilten mit, Puerto Vallarta, Guadalajara und Manzanillo vorerst nicht mehr anzufliegen. Maschinen auf dem Weg nach Mexiko kehrten teils um. Zudem wurden mehrere Fußballspiele abgesagt.
Das US-Außenministerium forderte US-Bürger in Mexiko auf, sich bis auf Weiteres "an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort in Sicherheit zu bringen und dort zu bleiben". Die kanadische Regierung rief ihre Staatsangehörigen dazu auf, "unauffällig zu bleiben" und den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen. Kanadierinnen und Kanadier in den Bundesstaaten Jalisco, Michoacán und Guerrero sollten sich ebenfalls in Sicherheit bringen.
Die deutsche Botschaft in Mexiko warnte auf X vor "Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen" in verschiedenen Landesteilen. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel befinde, solle dort bleiben und nicht notwendige Fahrten vermeiden. "Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten", erklärte die Vertretung.
Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau begrüßte den Einsatz der mexikanischen Armee und bezeichnete "El Mencho" als "einen der blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse". Es sei "eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die Welt", fügte er hinzu.
Machtkampf um Nachfolge im Kartell befürchtet
Das 2009 gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als eine der gewalttätigsten kriminellen Organisationen Mexikos. Es zählt zu jenen Drogenkartellen, die US-Präsident Donald Trump als terroristische Organisation eingestuft hat. US-Behörden werfen der Gruppe vor, Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl in großem Stil aus Mexiko in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.
Die Tötung von Oseguera Cervantes gilt als schwerster Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme der Bosse Joaquín Guzmán, bekannt als "El Chapo", und Ismael Zambada García, die in den USA in Haft sitzen. Sicherheitsexperten warnen nun jedoch vor einem möglichen blutigen Machtkampf um die Nachfolge an der Spitze des Kartells.
pgr/se (afp, dpa, rtr, kna)
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