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Reise

Mexiko: In den heiligen Quellen der Maya

Juan Martinez at
23. Juli 2018

Vor Jahrhunderten sicherten sie die Wasserversorgung der Maya, sie waren kultische Opferstätten, heute sind sie Touristenattraktionen - die Cenoten von Yucatán.

Mexiko – Cenotes
Bild: DW/J. Martinez

Die mexikanische Metropole Cancún ist bekannt für ihr Nachtleben, die unendlich langen, weißen Sandstrände und Wassersport. Sie ist auch der beste Ort in Mexiko, um etwas über die Kultur und die Traditionen der Maya zu erfahren. Ihre Zivilisation hat über Jahrtausende die Halbinsel Yucatán geprägt. Ein vielleicht ungewöhnlicher und ziemlich abenteuerlicher Weg, sich ihrem Verständnis der Welt anzunähern, ist ein Ausflug in die Cenoten.Cenoten entstehen in Karstgebieten, sie sind natürliche Pools in Kalksteinhöhlen. Sie entstehen, wenn eine Höhlendecke einbricht und durch das Loch Süßwasser in die Höhle eindringt. Über Jahrtausende sickerte Regenwasser in das Felsgestein, bildete unterirdische Flüsse und Seen. Es entstanden gigantische Unterwasserhöhlensysteme.

Cenote Zacil Ha im Ecopark Kantun Chi Bild: DW/J. Martinez
Landschaftsformen im Ecopark Chikin HaBild: DW/J. Martinez

Faszinierende Unterwasserwelt

Die Temperatur sinkt merklich als ich mich an meinen ersten unterirdischen Fluss heran pirsche. Er ist die Hauptattraktion im Ecopark Kantun Chi. Ich hatte natürlich mitbekommen wie andere Besucher von diesem Ort schwärmten und war gespannt, was mich erwarten würde. Tatsache ist, für diesen Anblick gibt es keine Worte. Die Höhle mit dem unterirdischen Fluss ist von so unfassbarer Schönheit, dass man einfach nur niederknien möchte.

Unterirdische Naturschönheiten: Stalagmiten in Kantun ChiBild: DW/J. Martinez

Der Abstieg in die Höhle ist abenteuerlich. Mir kommen Szenen aus Indiana Jones in den Sinn. Ich muss höllisch aufpassen, wohin ich meinen Fuß setze. Bald ist mein T-Shirt schweißnass. Anfangs kann ich noch die Hand vor Augen sehen, aber nach wenigen Minuten umfängt mich komplette Dunkelheit. Ich bin froh, als ich am Ende des Tunnels ein Licht erkenne. Ich habe das Gefühl, der erste Mensch zu sein, der jemals an diesem Ort war.

"Ist deine Kamera auch wasserdicht?" dringt aus der dunklen Stille die Stimme von Tour Guide Enrique zu mir. Er wartet unten in der Höhle auf mich. "Ab hier geht es im Wasser weiter!“ Die Unterwasserhöhle in Kantun Chi wird für immer einer der faszinierendsten Orte bleiben, die ich jemals gesehen habe. Nie werde ich den Moment vergessen, als ich den glatten, kristallblauen Wasserspiegel zum ersten Mal berührte. Auf dem Wasser gerieten die Reflektionen der Stalagmiten und Stalaktiten plötzlich in Bewegung. Es war, als ob ich in das Farbenmeer eines surrealen Gemäldes eintauchte. In diesem Fall war der Maler die Natur. Unglaublich schön.

Es gibt geführte Wanderungen durch die Höhlen von Kantun ChiBild: DW/J. Martinez

Und es gibt noch weitere fünf andere zugängliche und halb zugängliche Höhlen. Nicht weit entfernt, etwa fünf Minuten mit dem Auto oder 30 Minuten zu Fuß drängen sich Touristen vor den Höhlen von Chikin Ha. Sie warten auf den Einlass in die Cenoten. In dem kühlen Wasser darf man schwimmen und tauchen. Guides erklären auch die Bedeutung dieser Höhlen in der Maya-Kultur. Es gibt Belege, dass sie die Höhlen als Kultstätten nutzten. Der Eintritt für Chikin Ha und Kantun Chi ist relativ teuer, je nachdem welche Tour man bucht, liegen die Preise zwischen 30 und 70 Euro. Andere Cenoten in der Gegend sind günstiger – und dabei genauso schön, finde ich.

Die Cenote Oxman liegt in der Nähe von Valladolid und ist nicht so überlaufen wie die berühmte Ik Kil nahe Chichén Itzá Bild: DW/J. Martinez

Verbindung zu den Göttern

Wer die Höhlenwelt der Maya entdecken will, kann in Cancún starten und der Küstenlinie folgen. Es gibt aber auch welche in Richtung Chichen Itza im Landesinneren von Yucatan. Um die 7000 Höhlen wurden bislang entdeckt.

In der Maya-Kultur waren diese unglaublichen, von der Natur geformten Höhlen heilige Orte. Hier fanden rituelle Handlungen statt. Man weiß heute, dass hier Tier- und Menschenopfer dargebracht wurden. Die Höhlen wurden auch als Friedhöfe genutzt. Für die Maya waren die Flüsse und Seen in den Höhlen nicht nur eine direkte Verbindung zu ihren Göttern. Sie hatten einen sehr weltlichen, praktischen Nutzen, sie waren Wasserreservoirs. Die Höhlen versorgten die Dörfer der Maya mit sauberem Wasser. Das Wort Cenote kommt aus der Maya-Sprache, von ts’onot, was bedeutet: Ort mit Zugang zu Wasser.

Auf der Halbinsel Yucatán kann man in den meisten Cenoten schwimmenBild: DW/J. Martinez

Ich hatte über 50 Cenoten zur Auswahl. Also musste ich genau planen, wann ich wo sein wollte. Es gibt eine ganze Reihe von Veranstaltern, die geführte Touren anbieten. Man muss wissen, Höhlen wie Gran Cenote oder Dos Ojos sind zwar leicht zugänglich, aber deshalb auch sehr beliebt und entsprechend überfüllt. Yucatán ist eine bei Touristen sehr beliebte Region Mexikos. Wenn nicht sogar die beliebteste. Ich hätte diese Höhlen gerne einmal in Ruhe genossen, ich hatte zuvor so viele beeindruckende Fotos gesehen – alle ohne Menschen.

Aber das darf man nicht erwarten. Die Höhlen haben eine übermächtige Ausstrahlung, am beeindruckendsten sind sie, wenn man sie alleine genießen kann. Nur dann kann die Magie dieser Orte ihre ganze Wirkung entfalten. Und man fühlt sich den Maya ganz nah.

Kukulcán-Pyramide in der Ruinenstadt Chichén Itzá im Norden der Halbinsel YucatánBild: picture-alliance/M. Mara

Yucatán erkunden

Ich habe also versucht, Menschenmassen zu vermeiden und mir ein Auto gemietet. Mexikanische Autobahnen sind einfach zu fahren, sie sind in gutem Zustand und bei weitem nicht so chaotisch wie in anderen südamerikanischen Ländern. Das Auto verschaffte mir einen entscheidenden Vorteil:  ich konnte früher als die Reisegruppen vor Ort sein. Ich war der Erste in der Warteschlange  und damit der Erste in der Höhle. Auf dem Rückweg  war ich auch gerne der  letzte in der Höhle. Ich genoss die Momente, wo ich diese Räume endlich ganz für mich alleine hatte. Es ist ein gewaltiger Unterschied.

Die Cenote von Zaci in Valladolid ist vom Stadtzentrum aus leicht mit dem Fahrrad zu erreichen Bild: DW/J. Martinez

In der Nähe der Stadt Valladolid liegen die Cenoten Zaci und Dzitnup. Sie sind perfekt geeignet für eine Erkundungstour mit dem Fahrrad. Die Eintrittspreise liegen zwischen drei und fünf Euro. Wenn man in Valladolid ist, sollte man sich einen Fahrrad-Trip in eine der Höhlen nicht entgehen lassen.

Oxman und It Kil werden als die schönsten Höhlen der Welt gepriesen. Entsprechend groß ist der Andrang. Wenn man eine geführte Tour bucht, ist es ratsam den frühest möglichen Termin am Tag zu wählen. Dann hat man noch eine Chance den Massen zu entgehen.

Die Cenoten sind mystische Orte. Sie stecken voller Geschichte und Geschichten der Maya-Kultur. Es ist ein Geschenk, dass wir diese Orte betreten dürfen, in den glasklaren Seen schwimmen oder tauchen dürfen.  Meine Reise durch Yucatán war sowieso schon beeindruckend, aber der Besuch der Cenoten hat alle meine Erwartungen übertroffen. Es war der Höhepunkt meiner Reise.

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