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Politik

Mexikos Armee kapituliert vor Guzmán-Truppe

18. Oktober 2019

Die Soldaten schafften es nicht, den Sohn von "El Chapo" wegen Rauschgifthandels festzunehmen. Stattdessen terrorisierten Schergen des Ex-Chefs des Sinaloa-Kartells über Stunden die Menschen in der Stadt Culiacán.

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Einige der Drogenkartell-Kriminellen, die die Soldaten an der Festnahme des Sohnes von "El Chapo" hindertenBild: Reuters/J. Bustamente

Mexikanische Sicherheitskräfte haben wegen massiver Gegenwehr die Verhaftung eines Sohns des früheren Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán abgebrochen. Der wegen Rauschgifthandels in den USA gesuchte Ovidio Guzmán López wurde nach Angaben der Regierung am Donnerstagnachmittag in einem Haus in der Stadt Culiacán identifiziert. Dann tauchten schwer bewaffnete Gangster auf - vermutlich gehörten sie dem Sinaloa-Drogenkartell von "El Chapo" an. Die rund 30-köpfige Einheit von Armee und Nationalgarde war den Angaben zufolge in der Unterzahl und zog sich daher zurück.

Der Sohn - Ovidio Guzmán López (hier auf einem Foto aus dem Jahr 2011)Bild: picture-alliance/dpa/S. Gonzales

Die Bewaffneten hielten die Hauptstadt des nordwestlichen Bundesstaates Sinaloa anschließend etwa sechs Stunden lang in Atem und befreiten 20 bis 30 Insassen einer Haftanstalt. Augenzeugen berichteten von Szenen wie im Krieg. In Videos waren Vermummte mit schweren Waffen, brennende Fahrzeuge und auf dem Boden kauernde Autofahrer zu sehen. Nach ersten Informationen gab es mehrere Tote - deren Anzahl war zunächst unklar. Schulen und Universitäten blieben geschlossen.

Ein brennender Bus als Barrikade zur Abwehr der mexikanischen Sicherheitskräfte Bild: Reuters/J. Bustamente

Er habe die Entscheidung der Sicherheitskräfte unterstützt sich zurückzuziehen, um ein Blutbad zu verhindern, erklärte Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador bei einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt. "Viele Bürger seien in Gefahr gewesen. "Einen Kriminellen zu fassen, kann nicht mehr wert sein als die Leben der Menschen." López Obrador betonte weiter, der Einsatz der Soldaten habe auf die Festnahme eines mit Haftbefehl gesuchten Verbrechers abgezielt. Er widersprach damit den Angaben seines Sicherheitsministers Alfonso Durazo vom Vorabend, wonach die Sicherheitskräfte Ovidio Guzmán bei einer Routine-Patrouille entdeckt hatten. Der mutmaßliche Gangster sollte nach den Worten des Präsidenten an die USA ausgeliefert werden.

Verteidigungsminister: Einsatz war schlecht geplant

Der Einsatz sei schlecht geplant gewesen, sagte der mexikanische Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval in Culiacán. Die Fähigkeit des Kartells, viele Leute zu mobilisieren, sei unterschätzt worden. Bis zum Freitagmorgen (Ortszeit) herrschte Unklarheit darüber, ob Guzmán López alias "El Ratón" (Die Maus) in Gewahrsam war. Dies dementierte ein Anwalt von dessen in den USA inhaftiertem Vater "El Chapo" Guzmán im Fernsehen. Die Familie habe zeitweise den Kontakt zu dem 28-Jährigen verloren, dieser habe sich aber inzwischen telefonisch gemeldet, es gehe ihm gut.

Mexikos Präsident Lopez Obrador: "Einen Kriminellen zu fassen, kann nicht mehr wert sein als die Leben der Menschen"Bild: picture-alliance/A. Nava

In mexikanischen Medien wurde kritisiert, dass die Gangster in Culiacán, der Wiege des einst von Guzmán angeführten Sinaloa-Kartells, offensichtlich mächtiger seien als der Staat. "Culiacán: eine unerklärliche Kapitulation", lautete etwa die Überschrift eines Beitrags in der Online-Ausgabe der Zeitung "Excelsior". Erst Anfang der Woche hatten mutmaßliche Angehörige des Kartells Jalisco Nueva Generación einen Konvoi der Polizei im westlichen Bundesstaat Michoacán angriffen und 13 Polizisten umgebracht - weil sie ihnen vorwarfen, mit rivalisierenden Banden unter einer Decke zu stecken.

Der Vater - der Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán (hier auf einem Foto aus dem Jahr 2017) Bild: picture-alliance/ZUMA/Prensa International/Ho/Pgr

2018 fast 36.000 Morde in Mexiko

Der erst seit Dezember regierende Linkspopulist López Obrador war mit dem Versprechen angetreten, die seit vielen Jahren andauernde Gewalt einzudämmen - mit einer gelockerten Drogenpolitik und der Förderung von Bildung und Arbeitsplätzen, aber auch mit der Schaffung der Nationalgarde. In den vergangenen zwei Jahren erlebte das lateinamerikanische Land jeweils neue Höchstmarken bei der Anzahl der Morde - 2018 waren es fast 36.000. "El Chapo" Guzmán wurde im Juli in New York zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er in Mexiko gefasst und Anfang 2017 in die USA ausgeliefert worden war. Guzmán soll mit mehreren Frauen mindestens neun Kinder haben. Einige seiner Söhne gelten als wichtige Figuren im Machtkampf um die Kontrolle des Sinaloa-Kartells.

sti/kle (ap, rtr, dpa)

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