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Michael Moore: Aktivismus zum Wohlfühlen

Kiyo Dörrer
29. Juli 2017

Jetzt macht er auch noch Theater. Mit seinem Broadwaydebüt "The Terms of My Surrender" will Filmemacher Michael Moore US-Präsident Donald Trump stürzen - mit Satire. Die Premiere in New York war ein voller Erfolg.

USA Michael Moore Plakat vom Film "Terms of my Surrender"
Bild: DW/K. Dörrer

"Ich akzeptiere es nicht, in einem Land zu leben, in dem Donald Trump Präsident ist," verkündet Michael Moore bei der Vorpremiere auf der Bühne des ausverkauften Broadway-Theaters Belasco. Auf seinem zerzausten Langhaar-Schopf thront wie immer eine Baseball-Cap. Der Pomp der Veranstaltung gleicht fast einer Wahlkampfveranstaltung: "Und ich ziehe nicht weg aus Amerika."

Seine Mission könnte nicht klarer sein: Der preisgekrönte Filmemacher und Bestsellerautor Michael Moore will Trump mit seinem Broadwaydebüt aus dem Oval Office werfen. Er glaube daran, dass "wir ihn mit Humor, Comedy und Spott stürzen können," heißt es auf Moores Homepage, "einfach weil er so verdammt dünnhäutig ist und es nicht aushält". Eine große Mission für ein Theaterstück.

Sein derzeitiger Lieblingsgegner: US-Präsident Donald TrumpBild: picture-alliance/AP Photo/Invision/P. Martinez Monsivais

Moore, der Aktivisten-Veteran

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Moore mit Hilfe seiner Kunst versucht, sein geliebtes Heimatland aufzurütteln. Bekannt geworden ist der 63-Jährige durch seine kritischen und preisgekrönten Filme "Bowling for Columbine" oder "Fahrenheit 9/11". Sein Aktivismus richtete sich jahrelang gegen die Bush-Administration, den Lobbyismus der Industrie oder das marode Gesundheitssystem. Und wie bei vielen seiner Kollegen in der Unterhaltungsindustrie hat der Wahlsieg von Trump eine neue kreative Gegenwehr in Moore entfacht.

Doch eines unterscheidet den Filmemacher von dem Rest der amerikanischen Filmbranche: Er war einer der wenigen, der vor der Wahl den Triumph des Immobilienmoguls Donald Trump vorhergesehen und Amerika vor ihm gewarnt hatte. Diese politische Voraussicht hat ihm in der Ära Trump besonderes Gehör verschafft. Charakteristisch kauzig und mit einer bühnenfüllenden amerikanischen Flagge im Rücken spricht Moore in seiner One-Man Show über sein Leben als Aktivist.

Am Anfang des Stücks gibt er seine allererste antiautoritäre Handlung preis. Als schüchterner und schon damals korpulenter 16-Jähriger habe er in den Siebzigern in einer Rede gegen die Diskriminierung von schwarzen Menschen bei Privatveranstaltungen gewettert. Die Folge laut Moore: ein nationaler Aufschrei und eine Gesetzesänderung. Schwer nachzuvollziehen, ob gerade sein Auftritt so eine direkte Auswirkung hatte. In diesem Moment ist das dem Publikum aber egal: Ein Raunen geht durch den Saal.

Schräger Humor: Filmemacher Moore wagt sich auf die TheaterbühneBild: DW/K. Dörrer

Aufruf an die Gutbetuchten

Es ist diese Botschaft, die er über viele Episoden immer deutlicher zeichnet: Jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen, um etwas am Status Quo zu ändern. So spricht der 63-Jährige aufgeregt über eine Bibliothekarin aus New Jersey. Sie soll durch einen Kettenbrief den Verleger Harper Collins dazu gezwungen haben, Moores bereits abgeschriebenes Buch "Stupid White Men" letztendlich doch noch zu veröffentlichen.

"Niemand wird es für euch machen," sagt Moore, "wir müssen es machen. Und ich weiß, wir sind es eigentlich gewohnt, dass es andere für uns machen." Mit "uns" meint der frischgebackene Broadway-Star die "comfortable class", wie er sie augenzwinkernd nennt. Eben diejenigen, die es sich leisten können und Interesse daran haben, sich für 100 Dollar oder mehr ein linksliberales Stück anzuschauen, sagt er. Genau sie seien jetzt gefragt.

2003 wurde seine Karriere mit einem Oscar für seinen Film "Bowling for Columbine" gekröntBild: Getty Images/AFP/L. Celano

Mit seiner deutlichen Anti-Trump Botschaft ist Moore auf dem Broadway nicht allein. Erst im Juni hatte eine Inszenierung von Shakespeares Julius Caesar vor allem unter den Konservativen für Furore gesorgt. Der stark an Trump angelehnte Caesar wird darin getreu dem literarischen Original ermordet. Die Open-Air Aufführungen wurden von Protestierenden unterbrochen, der Regisseur Oskar Eustis erhielt Morddrohungen. Schräg gegenüber vom Belasco-Theater erfreut sich gerade eine Neuinszenierung des Klassikers "1984" von Orson Welles unter den liberalen Theatergängern großer Beliebtheit.

Mehr Show als Aktivismus

Im Fall Moore ist und bleibt sein Broadway-Stück aber eins: eine Late-Night-Show. Die Anekdoten über seinen eigenen Aktivismus dienen da als Wohlfühlgeschichte, weniger als konkrete Handlungsempfehlung.

Publikumsmagnet: Großer Andrang vor der Premiere in New YorkBild: DW/K. Dörrer

Bevor man den Mut der Bibliothekarin genügend bewundern kann, fordert ein Komparse aus dem Saal Moore auf, als Präsident zu kandidieren. Im Handumdrehen wandelt sich die Theater-Bühne in eine nicht ganz ernst gemeinte Wahlkampfveranstaltung für Moores Kandidatur 2020.

Das krönende Finale, eine Tanzeinlage des Filmemachers mit einer Tänzerin und zwei strippenden Polizisten, lässt offensichtlich viele Fragen unbeantwortet. Nach der Show wird Moore von einer Zuschauerin gefragt, ob er eine Checkliste für mögliche Anti-Trump-Aktionen machen könne. "Gute Idee", antwortet Moore, bevor er sich wieder seinen Unterschriften widmet.

"Ich will, dass die Leute mit dem Gefühl nach Hause gehen, berührt worden zu sein," betonte Moore im Vorfeld der Vorpremiere in der New York Times. Dem tosenden Applaus nach zu urteilen, ist dies gelungen. Dass dieser aber bis zum Weißen Haus in Washington vordringt, ist unwahrscheinlich.

"The Terms of My Surrender" wird bis zum 22. Oktober am New Yorker Broadway im Belasco-Theater aufgeführt. Die offizielle Premiere war am 10. August 2017.

 

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