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PolitikAfrika

Marokko weist Verantwortung für Ceuta-Ansturm zurück

3. August 2026

Die Regierung in Rabat weist Schuldvorwürfe nach dem Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta zurück. In Spanien herrscht allerdings Einigkeit: Marokkanische Grenzschützer hatten weggeschaut.

Spanien Ceuta 2026 | Tausende Migranten überqueren Grenze aus Marokko
Die Regierung in Rabat ist sich sicher: Für den Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta trägt Marokko keine SchuldBild: Jesús Torres/Europa Press/IMAGO

In ihrer ersten offiziellen Reaktion nach dem massenhaften Andrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat die marokkanische Regierung den Zwischenfall mit Falschinformationen im Internet erklärt. Der Andrang der Migranten sei nicht organisiert gewesen, sondern sei spontan zustande gekommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Er machte die Verbreitung falscher Informationen im Netz, Aktivitäten von Schleusern und auch die falsche Interpretation eines spanischen Gerichtsurteils verantwortlich. Es geht um ein Urteil der spanischen Justiz, das die Rückführung von Migranten in ihre Herkunftsländer erschwert.

Aus dem Mund der Migranten hört es sich anders an

Angesichts der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden allerdings Vermutungen geäußert, dass die marokkanische Regierung den Massenandrang auf Ceuta bewusst ausgelöst oder zumindest geduldet haben könnte, um Spanien unter Druck zu setzen. Mehrere Migranten schilderten spanischen Medien, dass sie nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien.

Viele andere berichteten auch, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden. Vom marokkanischen Innenministerium gab es dazu keine Reaktion. Es hieß lediglich, die Regierung in Rabat arbeite mit den spanischen Behörden zusammen und bleibe bei der Bekämpfung irregulärer Migration ein zuverlässiger Partner.

Streit um die Zahlen

Das Ministerium geht nach eigenen Angaben davon aus, dass rund 40.000 Migranten Ceuta erreichen wollten. Gut 1100 weitere sollen versucht haben, Melilla zu erreichen - die zweite spanische Exklave in Nordafrika, die wie Ceuta landseitig von Marokko und seeseitig vom Mittelmeer umschlossen wird. Die spanische Regierung geht von 50.000 bis 60.000 Migranten aus, die es innerhalb kurzer Zeit von Marokko in die abgeschottete Exklave geschafft haben und später zurückkehrten.

Die Zahl der Todesopfer bezifferte die marokkanische Seite auf elf. Die spanischen Behörden sprachen zuletzt dagegen von mindestens 72 Migranten, die beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen seien. Viele von ihnen ertranken demnach, als sie nach Ceuta schwimmen wollten.

Auf der Suche nach den Ursachen

Wie es zu dem Ansturm auf die Stadt mit rund 84.000 Einwohnern kam, ist bislang nicht völlig geklärt. Neben einer möglichen Rolle der marokkanischen Behörden wurde auch darüber diskutiert, dass die spanische Migrationspolitik falsche Signale gesendet haben könnte - insbesondere die Legalisierung des Aufenthaltsstatus von bereits im Land lebenden irregulären Migranten.

Zunächst auf der Flucht vor der spanischen Polizei - später kehrten die zumeist jungen Männer freiwillig zurück nach MarokkoBild: Antonio Sempere/AP Photo/picture alliance

Diese Maßnahme gilt zwar nicht für Neuankömmlinge, aber es heißt, sie könnte bei Migranten falsche Hoffnungen genährt haben. Zudem wird vielfach einem spanischen Gerichtsurteil eine Rolle beim jüngsten Ansturm zugesprochen. Es erschwert Zurückweisungen nach einer Einreise über das Meer. Darauf verwies auch das Innenministerium in Rabat.

Haben marokkanische Grenzschützer weggeschaut?

Über einen Punkt herrscht in Spanien allerdings ungewöhnliche Einigkeit: Der beispiellose Ansturm wäre nach Ansicht nahezu aller Beobachter ohne das zumindest zeitweilige Wegschauen der marokkanischen Behörden kaum möglich gewesen. Die normalerweise streng bewachte Grenze gilt als so sensibel und gut kontrollierbar, dass Zehntausende Menschen sie nach Einschätzung der Zeitung "El País" nicht ohne "Billigung oder Mitwirkung" der Verantwortlichen in Rabat hätten überwinden können. Die in zahlreichen Videos dokumentierte Untätigkeit marokkanischer Sicherheitskräfte lasse "keinen Zweifel" daran.

Nach der Krise in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika kommen die Botschafter der EU-Staaten heute in Brüssel zusammen. Sie wollen darüber beraten, welche Lehren und Konsequenzen aus dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die Stadt zu ziehen sind. Das Treffen dient auch der besseren Koordinierung von Maßnahmen zum Schutz der EU-Außengrenzen.

haz/pgr (dpa, rtr, afp)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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