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Studie: Fachkräfte-Potenzial von Migranten oft ungenutzt

2. Juli 2026

Viele Branchen in Deutschland sind auf Zugewanderte angewiesen. Bei einer besseren Integration könnte noch mehr Fachwissen genutzt werden, zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

Eine Putzfrau reinigt eine Glasscheibe am Hauptbahnhof Essen
Fast die Hälfte aller beschäftigten Reinigungskräfte hat eine ausländische Staatsangehörigkeit (März 2026) Bild: Malte Ossowski/SvenSimon/picture alliance

"Eine bessere Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten mindert nicht nur den Fachkräftemangel, sondern erhöht auch die Steuereinnahmen und stabilisiert die Sozialversicherung", betont die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. Nach einer Studie der Stiftungsteht der Arbeitsmarkt in Deutschland vor allem wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung vor großen Herausforderungen.

So lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im März um 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert, obwohl die Zahl der ausländischen Beschäftigten deutlich um 3,4 Prozent zulegte. Unter dem Strich fehlten "binnen eines Jahres 75.000 Beschäftigte", macht die Stiftung deutlich.

Ein Döner-Verkäufer in Berlin (April 2026) Bild: DW

Zugleich sind viele Branchen in Deutschland bereits jetzt auf Zuwanderung angewiesen: So hat knapp die Hälfte der Beschäftigten in Reinigungsberufen den Angaben zufolge eine ausländische Staatsangehörigkeit (47,5 Prozent) - in der Lebensmittelherstellung sind es fast 44 Prozent. Die Tourismus- und Gastronomiebranche hat einen Anteil von 36 Prozent, wie die Bertelsmann-Stiftung ausführt. Auch in der ohnehin massiv unterbesetzten Branche Pflege kommt demnach mehr als jeder fünfte Beschäftige aus dem Ausland.

In den kommenden Jahren wird sich dieses Phänomen wegen des demografischen Wandels noch verstärken. Jeder vierte deutsche Beschäftigte ist älter als 55 Jahre und geht innerhalb der kommenden zehn Jahre in den Ruhestand, so Bertelsmann. Ausländische Beschäftigte in Deutschland sind dagegen viel jünger, bei ihnen liegt der Anteil der Älteren nur bei gut zwölf Prozent.

Mehr als eine Million offene Stellen in Deutschland

"Die Zahlen zeigen: Ohne Zuwanderung in beträchtlicher Höhe geraten viele Branchen in Schwierigkeiten", erläutert der Arbeitsmarktexperte der Stiftung, Tobias Ortmann. "Auch, wenn mancherorts Stellen abgebaut werden, gibt es weiterhin über eine Million offene Stellen in Deutschland", fügt er hinzu. "Wer den Wohlstand unserer Gesellschaft bewahren will, muss die Integration von Zugewanderten verbessern", mahnt Ortmann. Es sei "höchste Zeit, die Debatte um Zuwanderung zu versachlichen" und Reformen anzuschieben.

Auch in dieser Branche arbeiten viele Zuwanderer Bild: Michael Gstettenbauer/IMAGO

Großes ungenutztes Potenzial gibt es laut der Studie bei zugewanderten Frauen, die deutlich weniger häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind als diejenigen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Zudem würden ausländische Beschäftigte häufig unterhalb ihrer Qualifikation eingesetzt. 

So arbeiteten in der Gruppe der deutschen Beschäftigten gut zwölf Prozent als Helferinnen und Helfer. Bei ausländischen Beschäftigten seien es hingegen fast 36 Prozent - und sogar mit Studienabschluss arbeiteten 12,5 Prozent der ausländischen Beschäftigten auf diesem Niveau.

Gute Deutschkenntnisse und Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Eine wichtige Stellschraube ist demnach die Sprachförderung: Gute Deutschkenntnisse erhöhten die Chance auf Arbeit, besonders bei Frauen, erklärt die Stiftung. Deshalb müsse eine verlässlich finanzierte und mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verzahnte Sprachförderung ermöglicht werden, auch berufsbegleitend.

Ähnlich entscheidend sei die Anerkennung von Abschlüssen und Berufserfahrung. Viele Zugewanderte brächten Qualifikationen mit, könnten sie in Deutschland aber nicht nutzen.

Auch lange Asylverfahren und unsichere Bleibeperspektiven verzögern laut der Studie die Arbeitsaufnahme "und schrecken Betriebe ab". Hinzu kämen "Schnittstellenprobleme zwischen Ausländerbehörden und der Arbeitsverwaltung". Nötig sei daher eine "gebündelte Anlaufstelle" für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, erläutert Bertelsmann-Arbeitsmartkexperte Roman Wink. Themen wie Sprache, Behördenprozesse und Kinderbetreuung müssten "als durchgängige Integrationskette funktionieren".

se/wa (afp, epd, bertelsmann-stiftung)

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