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Minderjährige Informanten der Polizei?

16. Januar 2003

- Neue Verordnung des polnischen Innenministeriums ermöglicht es, Jugendliche anzuwerben

Krakau, 16.1.2003, DZIENNIK POLSKI, poln.

Die Polizei wird demnächst Minderjährige für die Zusammenarbeit werben können. Dies wird mit Hilfe der neuen Verordnung möglich, die vom Ministerium für Inneres und Verwaltung vorbereitet wurde. Der Sprecher des Amtes zum Schutz der Kinderrechte ist von der Idee, Minderjährige als Informanten zu missbrauchen, nicht begeistert. Die Polizisten behaupten dagegen, dass solch eine Maßnahme eine Notwendigkeit sei, da es unter den Minderjährigen viele gefährliche Verbrecher gäbe.

"Unsere internen Gesetze verbieten es, Minderjährige als Informanten zu werben. Das Problem liegt aber darin, dass für zahlreiche Verbrechergruppen viele 16- oder 15- Jährige arbeiten, die bereits als gefährliche Verbrecher gelten. Sie beschäftigen sich mit Drogenhandel, mit Erpressung von Schutzgeldern und werden oft für die ‘schmutzige Arbeit‘ benutzt. Falls sie gefasst werden, werden sie dann nur vor ein Jugendgericht gestellt. Ich kann die Einwände der Kinderrechtler zwar völlig verstehen, aber die Polizeibeamten sind manchmal auf die Hilfe und die Informationen der minderjährigen Gangmitglieder angewiesen, da sie als Mitglieder einer Gang über wichtige Informationen verfügen", sagt Dariusz Nowak, Pressesprecher der Polizei in der Woiwodschaft Malopolska (Region Krakau – MD). Er gibt jedoch zu, dass auch eine nur sporadische Zusammenarbeit mit einem Minderjährigen viele Einwände moralischer Natur hervorrufen kann.

Die Einführung der neuen Verordnung des Ministeriums für Inneres und Verwaltung wäre also nur die Legalisierung der Praxis, die es seit langem gibt. (...)

Die minderjährigen Informanten sollten die Arbeit der Polizei im Rahmen des Programms "Sicheres Polen" unterstützen, das Ende August 2002 von der Regierung verabschiedet wurde. Dabei geht es um eine wirksamere Bekämpfung der Kriminalität, die in Polen seit vielen Jahren ausufert. Eine Sondergruppe, zu der u.a. die Beamten der Hauptkommandantur der Polizei und des Deppartamens für Öffentliche Ordnung gehören, bereitet die neuen Regelungen bezüglich der Zusammenarbeit mit Minderjährigen vor. "Es handelt sich dabei nicht um das Anwerben von Informanten. Wir unterhalten Kontakte zu der Vereinigung der Psychologen und diese Fachleute werden sich um die Psyche kümmern", behauptet Alicja Hytrek, Pressesprecherin des Ministeriums für Inneres und Verwaltung.

Ferner sagt sie, dass bisher wichtige Informationen, die die Polizeibeamten von der Abteilung für Jugendkriminalität bei ihren Ermittlungen zufällig bekamen (z.B. über eine geplante Einbruchserie in einer Wohnsiedlung), an die Kriminalabteilung der Polizei nicht weitergegeben wurden. Durch die neue Verordnung soll sich das aber ändern: "Es geht vor allem darum, wichtige Informationen, die per Zufall an die Beamten gelangen, an zuständige Abteilungen der Polizei weiterzuleiten", versichert Alicja Hytrek.

Das Projekt des Ministeriums für Inneres und Verwaltung sorgt jedoch für Emotionen und ruft Zweifel hervor. Pawel Jaros, der Sprecher des Amts zum Schutz der Kinderrechte in Polen, wandte sich bereits an das Ministerium, um Einsicht in die Unterlagen zu erhalten. Er befürchtet, dass die neue Verordnung den Missbrauch der Rechte der Kinder zur Folge haben könnte. "Das ist keine gute Idee, Kinder anzuwerben," wurde uns in seinem Büro mitgeteilt. Eine offizielle Stellungsnahme des Sprechers des Amts zum Schutz der Kinderrechte wird es jedoch erst dann geben, wenn er Einsicht in die geforderten Unterlagen bekommt.

"Ich weiß, dass es bereits unter den Minderjährigen, vor allem unter den Drogensüchtigen Informanten der Polizei gibt. Solch eine Methode führt jedoch dazu, dass ein Kind mit der Angst konfrontiert wird und in Spannung leben muss. Dies könnte sogar die Entwicklung einer doppelten Persönlichkeit fördern. Es ist sehr destruktiv für die Psyche eines Kindes, wenn man aus einem Minderjährigen einen Informanten macht. Dies steht im Konflikt mit der allgemeinen Regel, Mitglieder der eigenen Gruppe nicht verraten zu dürfen", sagt Ryszard Izdebski, ein Psychotherapeut, der in der Psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche an der Jagiellonen Universität arbeitet.

"Die Verwendung der Informationen eines Minderjährigen bedeutet Schwierigkeiten für die Psyche des Kindes und bringt es selbst in Gefahr, da es die Rache der Gruppe, zu der es gehört, fürchten muss. Ein junger Mensch ist kein "James Bond", und wenn er zu einem Informanten gemacht wird, könnte ihn das für immer an die Verbrecherwelt binden. Ich fürchte auch, dass jugendliche Drogensüchtige erpresst werden könnten", fügt Ryszard Izdebski hinzu. (Sta)

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