Moldauer wollen nicht Russisch-Orthodoxer Kirche unterstehen
3. Januar 2002Chisinau, 28.12.2001, FLUX, rumän.
Vor dem Schöpfer sind alle Völker gleich
Offener Brief an Seine Heiligkeit, den Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Alexi II.
Eure Heiligkeit, wir glauben, dass es an der Zeit ist, dass Sie auf den imperialen Geist verzichten, mit dem wir seit Jahrhunderten behandelt werden. "Denn so spricht der Herr: der Kluge rühme sich nicht seiner Klugheit, der Starke rühme sich nicht seiner Stärke ..." (Jeremias, 9,23). Vor dem Schöpfer sind alle Völker gleich. Folglich ist es selbstverständlich, dass wir Rumänen in der Republik Moldau unter der Obhut der Rumänisch-Orthodoxen Kirche stehen möchten. Wir wurden gegen unseren Willen, durch Zwang "an Kindes statt angenommen". Dabei wurde die zu jener Zeit herrschende Großwetterlage zu Gunsten Russlands geschickt ausgenutzt. Wir jedoch strebten immer danach, in den Schoß der Mutterkirche zurückzukehren. Es ist unmenschlich, den Nächsten mit Gewalt halten zu wollen. Eben weil wir denselben christlich-orthodoxen Glauben haben, müssten Sie unser legitimes Recht auf freie Wahl respektieren. Was uns betrifft, so haben wir uns für die Metropolie Bessarabiens entschieden (die 1992 wiederbelebt wurde, die aber de jure niemals und von niemandem aufgelöst worden war). Und wir möchten, dass unsere Entscheidung respektiert wird. Es wäre etwas anderes, wenn wir kein Land hätten, keine autokephale Kirche mit einem Patriarchen an ihrer Spitze. Aber weil wir all das haben, ist unsere Option, dem Rumänisch-Orthodoxen Patriarchat unterstehen zu wollen, ein heiliger Wunsch, den zu missachten niemand das Recht hat. Denn im apostolischen Kanon 34 heißt es: "Es geziemt sich, dass die Bischöfe eines jeden Volkes den ersten unter ihnen kennen, dass sie ihn als ihr Oberhaupt ansehen, und dass sie nichts, was von Bedeutung ist, ohne sein Einverständnis tun."
Wir halten es für völlig verfehlt zu meinen, der Streit über die Anerkennung der Metropolie Bessarabiens könne allein durch das Gespräch zwischen der Rumänisch- und der Russisch-Orthodoxen Kirche gemäß dem Kirchenrecht beigelegt werden. Der Wille der Gläubigen und des Klerus der Metropolie Bessarabiens, rechtlich dem Rumänischen Patriarchat zu unterstehen, entspricht dem Kirchenrecht. Mehr noch, die Russisch-Orthodoxe Kirche hat durch zahlreiche Schismen, die Eurer Heiligkeit wohl bekannt sind, das Kirchenrecht ständig missachtet. Was die Spaltung betrifft, die uns vorgeworfen wird, so werden die Tatsachen einfach auf den Kopf gestellt. Weder 1806 noch 1812, weder 1940 noch 1944 hat uns die Russisch-Orthodoxe Kirche gefragt, ob wir uns in ihre Obhut begeben möchten. Sie hat ohne Dialog ihren Willen durchgesetzt. Weil die Russisch-Orthodoxe Kirche den gegenwärtigen Status Quo beibehalten möchte, wird die Anerkennung der Metropolie Bessarabiens endlos hinausgezögert.
Es ist falsch zu behaupten, der Europäische Menschenrechts-Gerichtshof (in Straßburg – MD) übe Druck auf kirchliche Institutionen aus. In Wirklichkeit – wir müssen es einräumen – wird seitens der zuständigen Institutionen Russlands Druck auf die Kirche in der Republik Moldau ausgeübt. Die Zeit der Imperien ist vorbei. Niemand hat das Recht, heute auf uns Druck auszuüben, zumal wir, die moldauischen Rumänen, in einem unabhängigen Staat leben. Eure Heiligkeit, in Ihrem Brief vom 8. November 2001, Nummer 5467, an den Patriarchen der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, Teoctist, verweisen Sie auf die Worte des Heiligen Apostels Paulus, der seine Jünger ermahnte, mit ihren Streitigkeiten nicht vor ein weltliches Gericht zu ziehen. Derselbe Heilige Apostel Paulus hat aber weiter gesagt: "Ihr selber begeht Unrecht und Raub, und zwar an Brüdern." (1 Korinther 6,8). Das bedeutet: Wenn eine Kirche gegen die andere Unrecht begeht und wenn der "Dialog" von einem Jahrtausend in das nächste verschleppt wird (1992 – 2002 ...), dann ist es selbstverständlich, dass sich die benachteiligte Kirche an einen Dritten wendet, auch wenn es sich dabei um einen weltlichen Richter handelt. Wenn wir Brüder in Christus sind, dann "sei eure Liebe ohne Heuchelei" (Brief des Heiligen Paulus an die Römer, 12,9), und "Laß dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute." (Brief des Heiligen Paulus an die Römer, 12,21).
Eure Heiligkeit, anlässlich der Winterfeiertage nehmen Sie bitte unsere besten Wünsche für Gesundheit, Frieden und gutes Gelingen entgegen. Möge Ihnen das neue Jahr die Erfüllung Ihrer Wünsche und Freude als Seelsorger bringen. Möge Gott Ihre Sinne erleuchten für gutes Wirken auf dem Acker der Erlösung.
In Demut Erzpriester Ioan Ciuntu, Kulturrat der Metropolie Bessarabiens
Der Brief bringt den Willen des Klerus und der Gläubigen dieser Metropolie zum Ausdruck. (me)