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Politik

Moria in Flammen: Tote im Flüchtlingslager

Jannis Papadimitriou
30. September 2019

Bei einem Brand im völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos sind zwei Menschen umgekommen. Seit Monaten steigt die Zahl der Neuankömmlinge. Vielen griechischen Lagern droht der Kollaps.

Griechenland Lesbos Brand Feuer Camp Moria
Bild: Getty Images/A. Tzortzinis

Am frühen Sonntagabend ging der Feueralarm los. Nach Polizeiangaben kam es zu einem Brand in einem Olivenhain, der außerhalb der umzäunten Camps von Moria liegt - auch dort sind Tausende in Notunterkünften untergebracht, da das Flüchtlingslager aus allen Nähten platzt. 20 Minuten später brach ein weiteres Feuer innerhalb der Anlage aus - vermutlich in einem zweistöckigen Wohncontainer, in dem mehrere Familien untergebracht sind. Eine Frau und ihr kleines Baby kamen ums Leben. Der Bürgermeister von Lesbos Stratis Kytelis erklärt im TV-Interview, die Flammen hätten auf angrenzende Grünflächen übergegriffen. Ein Hektar Fläche sei dabei verbrannt. 

Der zweistöckige Wohncontainer im Flüchtlingslager Moria brannte völlig ausBild: picture-alliance/AP Photo

Pressevertretern ist das Flüchtlingslager von Moria in der Regel nicht zugänglich. Auf Videos aus dem Camp, die anscheinend am Sonntag mit dem Smartphone gedreht wurden, sind riesige Rauchwolken und aufgebrachte Menschen zu sehen. Einige von ihnen haben Augenzeugen zufolge Feuerwehrleute, Beamte und den Gouverneur der Region Nord-Ägäis angegriffen. Die Polizei hat Tränengas eingesetzt, um der Lage Herr zu werden. Bürgermeister Kytelis mahnt, die Situation auf der Insel bleibe angespannt. "Stellen Sie sich vor, was los ist, wenn über 12.000 Menschen in einem Lager zusammenkommen, das eigentlich für 2800 Menschen angelegt ist", sagte Kytelis dem TV-Sender Skai. Spezialeinheiten der Polizei wurden am Sonntag nach Lesbos geschickt, um einer Eskalation vorzubeugen. "Chaos in Moria" titelte das konservative Blatt Eleftheros Typos. Die linksgerichtete Zeitung der Redakteure kritisierte den Einsatz der Ordnungshüter. "Während das Feuer wütete, wurden die Menschen auch noch in Tränengas erstickt", moniert ein Augenzeuge. 

Anstieg der Neuankünfte auf Lesbos

Schon seit Jahren prangern griechische und internationale Medien die "Hölle von Moria" an. Das Flüchtlingslager auf der drittgrößten griechischen Insel Lesbos ist chronisch überfüllt. Stundenlang müssen die Menschen anstehen, um eine Mahlzeit zu bekommen, Duschen und Toiletten stehen kaum zur Verfügung. Bereits im November 2016 waren bei einem Brand in Moria zwei Menschen ums Leben gekommen. Prompt versprach der damalige Regierungschef Alexis Tsipras, er werde alles tun, um die Lebensqualität der Migranten in ihren Unterkünften zu verbessern. Seitdem ist nicht viel passiert. Mitte September gab der Leiter des Flüchtlingscamps Jannis Balbakakis auf. "Ich gehe erhobenen Hauptes, aber ich bin müde" war sein erster Kommentar nach dem Rücktritt. Wenig später erklärte er jedoch in einem Radiointerview, er trete aus "persönlichen Gründen" zurück.

Nach der Ankunft von 3000 Bootsflüchtlingen im August hat sich die Lage im völlig überfüllten Camp weiter angespannt. Insgesamt sind 2019 mehr als 14.000 Menschen über die Türkei auf der Insel Lesbos angekommen. Anfang September kam es in Moria erneut zu Ausschreitungen, als junge Migranten Steine auf Polizisten und Mitarbeiter des Lagers warfen. Die Jugendlichen forderten, dass sie auf das griechische Festland gebracht werden. Immerhin war für Montag (30.9.) die Weiterreise von 250 Migranten auf das Festland geplant. Ob sie auch stattfindet, sei nach den jüngsten Ausschreitungen allerdings fraglich, berichtet das Staatsfernsehen ERT.

Ausgelegt ist das Flüchtlingslager Moria für 2800 Menschen, tatsächlich leben dort aber mehr als 12.000 Menschen auf engstem RaumBild: Reuters/A. Konstantinidis

Mitsotakis demonstriert Tatendrang

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis verspricht zu handeln: Das Kabinett kommt am Montag zusammen und soll Maßnahmen für einen "effektiveren Grenzschutz" beschließen. Dabei kommt der EU-Grenzagentur Frontex eine wichtige Rolle zu. Außerdem stellt die neue konservative Regierung eine schnellere Bearbeitung von Asylanträgen in Aussicht. Wie diese aussehen soll, wird Bundesinnenminister Horst Seehofer erfahren, wenn er noch in dieser Woche Griechenland und die Türkei besucht. "Es ist doch allen bewusst, dass Athen dieses Problem im Alleingang nicht lösen kann", mahnt Politanalyst George Sarantakos im TV-Sender Open: "Selbst die beste Regierung der Welt kann dieses Problem nicht im Alleingang lösen."

Terror in Camp Moria

12:04

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