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"Moskau will den Rückwärtsgang einlegen"

20. August 2002

– Mit Langstreckenraketen ausgestattete Divisionen bleiben weiterhin im Dienst – Antwort auf die Kündigung des ABM-Vertrages durch die Amerikaner?

Moskau, 16.8.2002, NESAWISSIMAJA GASETA, russ., Salawat Sulejmanow

(...) Nachdem die amerikanische Führung im Juni ihren Austritt aus dem ABM-Vertrag von 1972 bekanntgeben hatte, erklärten russische offizielle Persönlichkeiten, indem sie diese Entscheidung als "Fehler" bezeichneten, mehrmals, dass keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Allem Anschein nach ist das jedoch nicht der Fall.

Als erster entschied sich der Oberkommandierende der strategischen Raketentruppen, Generaloberst Nikolaj Solowzow, in der letzten Woche öffentlich den Standpunkt der Militärführung bekanntzugeben. Er gab eine Reihe ziemlich sensationeller Erklärungen über die neuen Prioritäten Russlands, was die Raketentruppen angeht, ab. Die Erklärungen zeugen davon, dass Moskau Lösungen gefunden hat, die eindeutig als Antwort auf den Austritt der Amerikaner aus dem ABM-Vertrag gedeutet werden können.

Der General unterstrich, dass Moskau seine Positionen geändert hat, die die Wege der Entwicklung der Raketentruppen für den Zeitraum bis 2010-2015 betreffen. Nikolaj Solowzow erläuterte: "Heute werden die Raketentruppen gemäß einem Erlass des Präsidenten Russlands reformiert. In diesem Jahr wurde eine Reihe der Pläne zur Reformierung dieser Truppen geändert. Bei den Raketentruppen ist ein Verband, der mit Langstreckenraketen ausgestattet ist, und eine Raketendivision, die mit mobilen Abschussrampen auf Eisenbahnzügen ausgestattet ist, beibehalten worden."

Dem Oberkommandierenden zufolge "hat sich durch die Verlängerung der Nutzungsfrist der Langstreckenraketen die Möglichkeit ergeben, in zwei Einheiten der Raketentruppen die sogenannten ‚Satana‘-Raketen (R-36M unterschiedlicher Modifikation) beizubehalten. Es wird noch studiert, ob das gleiche bei einer weiteren Raketendivision, die mit den gleichen Raketen bewaffnet ist, möglich ist. Natürlich wird das entsprechende Ausgaben erfordern."

Ferner hob er hervor, dass "für die Beibehaltung des mit Langstreckenraketen bewaffneten Verbandes Mittel sowohl aus dem staatlichen Waffenprogramm bereitgestellt werden als auch zusätzliche Mittel herangezogen werden, vielleicht durch die Verringerung des mit "Topol"-Raketen bewaffneten Verbandes".

Gemäß dem russisch-amerikanischen Abkommen über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen (START-2) hätte Russland unterdessen die Langstreckenraketen R-36M und R-36M2 vernichten sollen. Jetzt hat sich Moskau darauf festgelegt, dass zwei der drei vorhandenen Divisionen bis 2015 bei den Raketentruppen beibehalten werden.

Außerdem war vorher vorgesehen, alle Raketendivisionen aufzulösen, die mit mobilen Abschussrampen auf Eisenbahnzügen ausgestattet sind – die von Kostroma, Kranosjarsk und Perm. Jetzt wird die Division von Kostroma beibehalten, die mit mobilen Abschussrampen auf Eisenbahnzügen ausgestattet ist.

Man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit behaupten, dass der im Mai dieses Jahres unterzeichnete russisch-amerikanische Vertrag über strategische Offensivwaffen Moskau "freie Hand" bei der Festlegung der Prioritäten der Entwicklung der strategischen "Nukleartriade" gab, wovon es auch Gebrauch machte. Das, worauf die Amerikaner am meisten drängten bei den Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen – die Auflösung der mit Langstreckenraketen bewaffneten Verbände –, wird in der nächsten Zukunft nicht eintreffen. Davor hatten die Amerikaner am meisten Angst.

Der Oberkommandierende der strategischen Raketentruppen sagte, was die Lagerung von nuklearen Gefechtsköpfen angeht, dass "jeder Staat das Recht hat, diese Fragen selbständig zu lösen". Seiner Ansicht nach müsse man verstehen, "zu welchem Zweck das getan wird, sind doch sowohl die Prinzipien als auch das Herangehen bei uns und den Amerikanern ähnlich". Solowzow teilte mit, dass "Russland heute die Raketen 25 bis 26 Jahre in Betrieb hat, obwohl die Garantiezeit nur zehn Jahre beträgt. Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen bestimmten Teil der Gefechtsköpfe zu lagern, was auch getan wird. Langstreckenraketen werden bei uns für Starts ins Weltall gelagert. Es hätte ja wenig Sinn, diese einfach so zu deponieren." (...) (lr)