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Politik

Mossuls Rückeroberung "um jeden Preis"

11. Juli 2017

Amnesty International hat schwerste Verbrechen an Zivilisten beim Kampf um die irakische Stadt Mossul dokumentiert - begangen vom IS, aber auch von den Koalitionstruppen. Haben sie unverhältnismäßige Mittel eingesetzt?

Moschee-Ruine in Mossul
Stadt voller Ruinen: Mossul nach der Vertreibung des ISBild: picture-alliance/AA/H. Baban

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) habe in den vergangenen Monaten Zivilisten aus umliegenden Dörfern in den umkämpften Westteil Mossuls gebracht, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Viele Menschen seien mittels verschweißter Türen oder Sprengfallen in Häusern eingeschlossen gewesen. Zudem hätten die Dschihadisten im Kampf um die nordirakische Stadt Hunderte, wenn nicht gar Tausende Menschen getötet, die zu fliehen versuchten, heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Bericht von Amnesty International (AI).

Unangemessene Attacke?

Gleichzeitig hätten die US-geführte Anti-IS-Koalition und die irakische Armee in Mossul unpräzise Waffen eingesetzt, "die in bevölkerungsreichen Gegenden niemals eingesetzt werden dürfen", kritisiert die Menschenrechtsorganisation. So seien beispielsweise am 17. März dieses Jahres bei einem Luftangriff der USA auf Mossul mindestens 105 Zivilisten getötet worden, führt AI in seiner Mossul-Studie aus. Ziel dieses Angriffs auf den Stadtteil al-Jadida seien zwei IS-Scharfschützen gewesen.

Erhebt schwere Vorwürfe: Lynn Maalouf von AmnestyBild: picture alliance/AP Photo/B. Hussein

"Die Tatsache, dass der IS Menschen als Schutzschilde einsetzt, entbindet die Truppen der Gegenseite nicht von ihrer rechtlichen Verpflichtung, Zivilpersonen zu schützen", erklärte die Amnesty-Nahostexpertin Lynn Maalouf. Der Kampf gegen den IS - nicht nur in Mossul, sondern auch anderswo - müsse in einer Weise geführt werden, die mit dem Völkerrecht und internationalen Standards vereinbar ist."

Hoher Blutzoll

Für den Bericht mit dem Titel "At any cost" ("Um jeden Preis") wurden laut Amnesty unter anderem Interviews mit 151 Bewohnern von West-Mossul sowie mit medizinischem Personal und Rüstungsexperten geführt. Dokumentiert sind darin insgesamt 45 Angriffe zwischen Januar und Mitte Mai, bei denen mindestens 426 Zivilisten umgekommen sein sollen. Neun Angriffe durch die irakischen Streitkräfte und die US-geführte Allianz seien näher analysiert worden.

Die absolute Missachtung menschlichen Lebens seitens aller Konfliktparteien dürfe nicht unbestraft bleiben, forderte Maalouf. In einigen Fällen könnten Kriegsverbrechen vorliegen, so die Einschätzung der Expertin. Um mögliche Verstöße gegen das Völkerrecht zu untersuchen, müsse umgehend eine unabhängige Kommission eingesetzt werden.

wa/pab (ai, epd, kna, dpa)

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