Mpox - die Pandemie, über die niemand spricht
13. Januar 2026
Schon während der Corona-Pandemie hieß es, dies sei erst der Anfang. Und auch mit jedem großen Vogelgrippe-Ausbruch mehren sich die bangen Fragen: Kommt sie jetzt, die nächste Pandemie? Mit Ausgangssperren, geschlossenen Schulen und kollabierenden Gesundheitssystemen?
Dabei sei sie längst da, die nächste Pandemie nach SARS-CoV-2, sagt Fabian Leendertz. Er ist Direktor des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) in Greifswald. Dort beschäftigen sich Forschende mit der Frage, wie die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammenwirken.
Zoonosen sind deshalb ein Forschungsschwerpunkt am HIOH. Das sind Infektionserkrankungen, die von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden können. Genau wie das Coronavirus und die Vogelgrippe ist auch Mpox eine Zoonose.
Hörnchen sind Wirtstiere für MPXV
Mpox werden durch das Monkeypox-Virus (MPXV) ausgelöst und sind vor allem bei Nagetieren in West- und Zentralafrika verbreitet.
1970 wurde das Virus erstmals bei einem Menschen registriert – einem neun Monate alten Jungen in der Demokratischen Republik Kongo.
Fabian Leendertz und sein Team konnten im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste nachvollziehen, welchen Weg das Virus nimmt, bis es schließlich zum Menschen gelangt. Die Forschenden untersuchten einen Mpox-Ausbruch innerhalb einer Gruppe Rußmangaben, einer kleinen, im westlichen Afrika verbreiteten Primatenart.
Sie beobachteten – und filmten sogar – wie Rußmangaben Jagd auf Feuerfußhörnchen machten und die kleine Nagetierart fraßen. Untersuchte Kotproben bestätigten den Verdacht: Die Feuerfußhörnchen waren mit MPXV infiziert und steckten die Rußmangaben an. "Das war das erste Mal, dass jemand zeigen konnte, wie die Übertragung stattfindet", sagt Leendertz.
Sowohl Hörnchen als auch die Primaten werden wiederum von Menschen in der Region gejagt, auf Wildtiermärkten gehandelt und verspeist. So gelangt das Virus schließlich zu uns.
Übertragung von Mpox vor allem über Schleimhäute
Glücklicherweise verläuft eine MPXV-Infektion in den meisten Fällen mild. Für Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen kann sie jedoch gefährlich werden und auch tödlich enden. Typisch für die Erkrankung sind infektiöse Hautläsionen wie Bläschen, Pusteln und Wunden. Durch engen Körperkontakt mit einer infizierten Person überträgt sich das Virus von Mensch zu Mensch.
Experten unterscheiden zwei unterschiedliche genetische Varianten des Virus – sogenannte Kladen: die zentralafrikanische Klade I und die westafrikanische Klade II. Diese wiederum sind unterteilt in die Subkladen Ia und Ib sowie IIa und IIb. Es war die Klade IIb, die 2022 ihren Siegeszug um die Welt antrat und Mpox zur Pandemie machte. Der globale Ausbruch versetzte Fachleute in Alarmbereitschaft und richtete das Augenmerk der Forschung auf die Frage: Auf welchen Wegen verbreitet sich das Virus?
Julia Port ist Forschungsgruppenleiterin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und beschäftigt sich mit den Übertragungswegen von MPXV. Port etablierte ein Tierversuchsmodell mit einem in Afrika verbreiteten Nager. "Wir konnten sehen, dass man diese Tiere zwar über die Haut und auch die Atemwege, vor allem aber rektal und vaginal infizieren kann."
Es seien die Schleimhäute in diesen Körperregionen, die dem Virus die besten Bedingungen zur Replikation, also Vermehrung, biete, so die Forscherin. Auch beim Menschen. "Läsionen kommen besonders häufig im Genitalbereich vor", sagt Port – was die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus beim Sex steigere.
Die Hautläsionen können sehr schmerzhaft sein, sowohl die in den Bläschen enthaltene Flüssigkeit als auch der Schorf sind infektiös. Trotzdem sind Forschende erleichtert, dass sich Mpox so und nicht anders verbreitet.
Übertragung von Mpox durch Luft unwahrscheinlich
"Nach dem Ausbruch 2022 hat sich die Forschungswelt gefragt, wie groß das Potential von MPXV für Luftübertragung ist", sagt Port. Ein Virus, dass sich durch Niesen, Husten oder einfach nur Atmen von Mensch zu Mensch überträgt, kann sich wie ein Lauffeuer verbreiten und ist nur sehr schwer einzudämmen. SARS-CoV-2 hat das eindrücklich vorgeführt.
Für MPXV gebe es bisher keine zweifelsfreien Belege für solch eine respiratorische Übertragung, schreibt das Robert-Koch-Institut über den Infektionsweg von Mpox. Eine Übertragung über Aerosole über größere Distanzen erscheint ebenfalls unwahrscheinlich.
"Der weltweite Ausbruch von 2022 wurde durch Verhaltensmaßnahmen und Impfungen fast auf null zurückgedreht", sagt Julia Port. Eine so einfache wie wirksame Verhaltensmaßnahme lautet: kein enger Körperkontakt.
Menschliches Verhalten als Auslöser für Mpox-Pandemie
Da Viren ständig mutieren, ist es natürlich grundsätzlich möglich, dass sich eine der momentan zirkulierenden Subkladen von MPXV zu etwas entwickelt, dass die Welt in Lockdowns zwingt. Zwar mutiert auch MPXV, aber: "Meines Wissens gibt es keine konkreten Beweise, dass irgendwelche dieser Mutationen mit einer gesteigerten Übertragung einhergehen", sagt Port.
MPXV scheint also keine große Gefahr zu sein, deshalb ist es eher still um das Virus. Trotzdem hat MPXV es geschafft, sich auf allen Kontinenten zu verbreiten und damit – per definitionem – zur Pandemie zu werden. Julia Port sagt, dass sich das Virus dafür gar nicht groß verändern musste. Weil Mensch und Tier und auch Menschen untereinander immer näher zusammenrücken, bieten sich dem Virus immer mehr Gelegenheiten.
Hier möchte Fabian Leendertz mit seinem One Health-Forschungsprojekt in der Elfenbeinküste ansetzen. Herauszufinden, welche Tiere als Reservoir für das Virus dienen, ist erst der Anfang. Als nächste gilt es, mit den Menschen vor Ort zu sprechen und sie über das Infektionsrisiko aufzuklären, das der Kontakt mit bestimmten Tierarten birgt.
Im günstigsten Fall führt das zu einer Verhaltensänderung. Wie ein Virus mutiert, lässt sich nicht beeinflussen, wie Menschen mit Tieren umgehen schon. Das könnte in vielen Fällen die beste Pandemieprävention sein.