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MSC 2026: Merz und die neue Weltordnung

13. Februar 2026

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz fordert Bundeskanzler Friedrich Merz ein starkes Europa. Die Partnerschaft zu den USA will er neu begründen. Und warnt vor einer neuen Ära der Großmächte.

Deutschland München 2026 | Bundeskanzler Friedrich Merz spricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Europa müsse sich aus seiner selbstverschuldeten Abhängigkeit von den USA befreien und "eine neue transatlantische Partnerschaft begründen", sagt MerzBild: Michael Probst/AP Photo/picture alliance

Die bisherige Weltordnung ist zerstört, Deutschland und Europa müssten sich neu orientieren - mit dieser nüchternen Feststellung eröffnet Bundeskanzler Friedrich Merz die 62. Münchner Sicherheitskonferenz. "Diese Ordnung, so unvollkommen sie selbst zu ihren besten Zeiten war, sie gibt es so nicht mehr", sagt Merz wörtlich. 

Der CDU-Politiker sprach zum ersten Mal als Bundeskanzler auf dem wichtigsten internationalen Forum für Sicherheitspolitik. Zu Gast ist er dort schon seit Jahrzehnten. Die jüngste Vergangenheit habe tiefgreifende Veränderungen mit sich gebracht, so Merz. Russlands "brutaler Krieg gegen die Ukraine", sein "gewalttätiger Revisionismus", der globale Gestaltungsanspruch, den China erhebe und die Reaktion der USA darauf - Beispiele für eine neue Großmachtpolitik, die Merz als "ein gefährliches Spiel" kritisiert. Damit lässt der Kanzler die zunehmende Distanz zu den USA unter US-Präsident Donald Trump erkennen.

Diplomatisches "Speed-Dating": Mehr als 60 Staats- und Regierungschefs treffen sich im Hotel Bayerischer Hof in MünchenBild: Thomas Koehler/BMZ/photothek.de/picture alliance

Doch was folgt daraus für die Deutschen, die Europäer? Sie müssten diese neue Realität anerkennen, fordert Merz, sie aber nicht als ein unabänderliches Schicksal einfach hinnehmen. "Wir sind dieser Welt nicht ausgeliefert. Wir können sie gestalten." Und zwar durch ein freies, sicheres und wettbewerbsfähiges Europa, wie der Bundeskanzler betont. "Ein souveränes Europa ist unsere beste Antwort auf die neue Zeit. Europa zu einen und zu stärken ist heute unsere vornehmste Aufgabe." Europa müsse ein weltpolitischer Faktor werden, mit einer eigenen sicherheitspolitischen Strategie. "Dieses Europa ist uns heute wertvoller denn je." 

Berlin will militärisch stärker werden

Selbstkritisch blickt Merz auf die deutsche Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte: "Sie hat oft gemahnt, gefordert und gemaßregelt. Aber sie war nicht besorgt genug darüber, dass oft die Mittel fehlten, Abhilfe zu schaffen." Dies werde sich nun ändern, verspricht Merz.

Schon im Mai vergangenen Jahres hatte Merz das Ziel ausgegeben, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas aufzurüsten. Dies bekräftigt er auf der Münchner Sicherheitskonferenz, an der in diesem Jahr mehr als 60 Staats- und Regierungschefs teilnehmen. 

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir haben unser Verteidigungsbudget enorm gesteigert", sagt dazu im DW-Interview auf der MSC Verteidigungsminister Boris Pistorius. "Wir sind jetzt bei 108 Milliarden Euro für 2026 angekommen. Wir haben getan, was wir können." Das ist ein Höchststand seit Ende des Kalten Krieges. Das habe auch die USA wahrgenommen und anerkannt, so der SPD-Politiker. 

Will Deutschland also im Spiel der Großmächte mitmischen? Nein, meint der Kanzler in seiner Rede. "Nie wieder werden wir Deutschen allein gehen. Das ist eine bleibende Lehre aus unserer Geschichte."

Mehr Verantwortung für Deutschland: Bundeswehr-Soldaten in LitauenBild: Alexander Welscher/dpa/picture alliance

In seiner Rede betont Merz, was Deutschland bereits im Verbund mit seinen NATO-Partnern leiste. Etwa den Aufbau einer Brigade in Litauen. "Das erste Mal, dass in der Geschichte der Bundeswehr ein ganzer Großverband außerhalb unseres eigenen Territoriums aufgestellt wird."

Die Bundeswehr baut dort die Panzerbrigade 45 auf, als Reaktion auf die Bedrohung durch Russland. Bis 2027 soll die Brigade mit 4.800 Soldaten voll einsatzfähig sein. Erst an diesem Freitag hatte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums Medienberichten widersprochen, wonach die Bundeswehr nicht genug Freiwillige zum Aufbau der Brigade finde.

Neustart mit den USA?

Merz ist bemüht, aufzuzeigen, dass auch Deutschland und Europa die Interessen der USA verteidigten. So verweist er auf die ersten deutschen Kampfjets vom Typ Eurofighter, die gerade nach Island verlegt wurden. Die NATO möchte im hohen Norden Russland und China abschrecken - ein Anliegen, das US-Präsident Donald Trump immer wieder geäußert hat. 

Soll im Hohen Norden für Sicherheit sorgen: der Eurofighter der BundeswehrBild: Oliver Berg/dpa/picture alliance

Und dann wechselt Merz ins Englische und wendet sich mit "dear friends" direkt an die "lieben Freunde" der US-amerikanischen Delegation: "In Zeiten der Großmächterivalität werden auch die Vereinigten Staaten nicht mächtig genug sein, alles allein zu schaffen", ruft er ihnen zu. Teil der NATO zu sein, sei nicht nur für Europa ein Wettbewerbsvorteil, sondern auch für die Vereinigten Staaten. Deshalb müsse das transatlantische Vertrauen repariert und wiederbelebt werden. Europa trage seinen Teil dazu bei.

Nutzten die Gelegenheit zum Austausch auf der MSC: US-Außenminister Marco Rubio und Bundeskanzler Friedrich MerzBild: Liesa Johannssen/Reuters/dpa/picture alliance

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr hatte US-Vizepräsident JD Vance mit einer harten Abrechnung mit Europa für Aufsehen gesorgt. "Er hatte Recht", sagt Merz mit Blick auf die Kluft zwischen den USA und Europa, die Vance damals beschrieb. 

Und stellt klar, was er anders sieht als Vance: "Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel. An Klimaabkommen und Weltgesundheitsorganisation halten wir fest." Hier brandet Beifall auf im Konferenzsaal im Hotel Bayerischer Hof.

In diesem Jahr führt US-Außenminister Marco Rubio dort die Delegation der US-Regierung an. Mit Spannung wird erwartet, ob er in seiner Rede am Samstag den Europäer vorwirft, sich in Sicherheitsfragen zu sehr auf die USA zu verlassen - oder ob er versöhnliche Töne anschlägt.

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