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MSC 2026: Trumps Abrissbirnen-Politik und Europas Antwort

12. Februar 2026

Die bisherige Weltordnung scheint zerstört, doch was kommt danach? Die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz sucht nach Antworten.

Deutschland München 2026 | Schwer bewachter Hotel Bayerischer Hof vor der 62. Münchner Sicherheitskonferenz
Treffen in einer angespannten Weltlage: Am 13. Februar beginnt die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im Hotel Bayerischer Hof Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Eher ernüchtert als hoffnungsvoll - so könnte die Grundstimmung der europäischen Staatenlenker vor der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz (13.-15.02.2026) beschrieben werden. Nur gut ein Jahr, nachdem Donald Trump seine zweite Amtszeit als US-Präsident begonnen hat, gilt das transatlantische Verhältnis als zerrüttet. Trumps disruptive Außenpolitik wirft einen Schatten auf das hochrangige Treffen, das international als Munich Security Conference (MSC) bekannt ist.

Zerstörung als zentrales Merkmal der aktuellen Politik

Die Konferenz definiert sich seit Jahrzehnten als transatlantisch. Doch inzwischen herrsche, so formuliert es ihr Vorsitzender Wolfgang Ischinger, eine "bisher nicht dagewesene Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise". Der "Munich Security Report", der begleitend zur Sicherheitskonferenz erscheint, trägt den vielsagenden Titel "Under Destruction", "In Zerstörung".

Donald Trump ordnet der Report in die Kategorie der "demolition men" ein, also jener Staatschefs, die mit ihrer "Abrissbirnen-Politik" geltende Regeln und geachtete Institutionen zertrümmern. Trumps Bemerkung, er brauche kein internationales Recht, ist nur einer von vielen Belegen dafür.

Leitet das weltweit wichtigste Experten-Treffen zur Sicherheitspolitik: Wolfgang Ischinger, ehemaliger deutscher Botschafter in WashingtonBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Obwohl die Vorzeichen schwieriger sind als je zuvor, versteht sich die vor mehr als 60 Jahren gegründete Sicherheitskonferenz in diesem Jahr weiterhin als Forum für Austausch und Dialog. Unter den gut eintausend Teilnehmern sind nicht weniger als 200 Regierungsvertreter aus 120 Staaten.

Im altehrwürdigen Konferenzhotel "Bayerischer Hof" werden unter anderem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der französische Präsident Emmanuel Macron, der chinesische Außenminister Wang Yi und Mette Frederiksen erwartet, die dänische Regierungschefin. Frederiksen bot unlängst couragiert Donald Trump die Stirn, als dieser Besitzansprüche auf Grönland erhob, das zu Dänemark gehört.

Die US-Regierung schickt Außenminister Marco Rubio 

Ungeachtet der Spannungen im transatlantischen Verhältnis wird auch in diesem Jahr eine große Delegation aus den USA anreisen, wobei die Trump-Administration von Außenminister Marco Rubio vertreten wird. Er erwarte, so Konferenzleiter Ischinger, dass Rubio "über die amerikanische Außenpolitik redet und nicht über Themen, die sein Ressort nicht direkt berühren." Eine unmissverständliche Anspielung auf die Brandrede, mit der US-Vizepräsident JD Vance im letzten Jahr das Konferenz-Publikum irritiert hatte. Vance, der in diesem Jahr nicht auf der Gästeliste steht, hatte darin die angeblich fehlende Meinungsfreiheit in Europa kritisiert. 

​​​​​​​​US-Außenminister Marco Rubio: Wird er in München versöhnlichere Töne anstimmen als JD Vance im Jahr 2025?Bild: Jonathan Ernst/REUTERS

Die Delegation aus den USA besteht jedoch längst nicht nur aus Gefolgsleuten Trumps. Darunter sind auch entschiedene Gegner des US-Präsidenten, so wie Gavin Newsom, der Gouverneur Kaliforniens. Der machte schon bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos klar, dass er künftig "mehr Rückgrat" und Standhaftigkeit von den Europäern erwartet - sie würden zu schnell vor Trump einknicken.

Europa vor einer neuen Ära der Selbstbehauptung?

Damit traf Newsom den Kern jener Frage, die auf der diesjährigen Tagung eine große Rolle spielen dürfte: Wie soll Europa sich neu ausrichten in dieser veränderten Weltlage? Und welchen Part kann Deutschland dabei spielen? Darüber wird Friedrich Merz sprechen, der die Konferenz am Freitag (13.02.2026) eröffnen wird, zum ersten Mal als Bundeskanzler.

In einer Regierungserklärung im Bundestag hatte Merz kürzlich die Europäer dazu aufgerufen, "selbst die Sprache der Machtpolitik sprechen zu lernen." Dazu gehörten massive Investitionen in die europäische Verteidigungsfähigkeit sowie der Aufbau neuer Partnerschaften.

Überall in der Welt gebe es "aufstrebende Demokratien mit offenen und wachsenden Märkten, die ausdrücklich das suchen, was wir anzubieten haben", betonte Merz im Bundestag. Und fügte mit Blick auf die USA hinzu: "Als Demokratien sind wir Partner und Verbündete, und nicht Untergebene." In München dürfte der Bundeskanzler diese Gedanken weiter ausführen - und damit den Ton setzen für eine Debatte, in der die aktuelle Krise auch als Katalysator für strategische Veränderungen gesehen wird.

Vertreter des iranischen Regimes sind unerwünscht

Einladungen zur Münchner Sicherheitskonferenz sind hoch begehrt, werden aber mit Bedacht vergeben. So sind, anders als in der Vergangenheit, Vertreter der iranischen Regierung in diesem Jahr nicht in München willkommen. Der Grund: Die massive Gewalt, mit der die Führung in Teheran die jüngsten Demonstrationen im Land niederschlagen ließ. Auf der Tagung zu Wort kommen sollen aber Vertreter der iranischen Opposition und Zivilgesellschaft - auch der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, der im Exil lebt und die Massenproteste massiv unterstützt hat. 

In einer U-Bahn-Station suchen diese Kiewerinnen Schutz vor den massiven Luftangriffen, mit denen Russland seit Wochen die ukrainische Energieversorgung angreiftBild: Alina Smutko/REUTERS

Auch wenn der Krieg Russlands gegen die Ukraine erneut ein zentrales Thema der Konferenz sein dürfte: Vertreter der russischen Regierung werden nicht zugegen sein. Im Jahr 2022, als die Konferenz kurz vor Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine stattfand, habe die russische Delegation kollektiv abgesagt, erinnert sich Konferenzleiter Ischinger. Seither habe er aus Moskau bezüglich einer möglichen Teilnahme "keinen Mucks gehört". 

Mit Blick auf die Gespräche über ein mögliches Ende des Kriegs betonte Ischinger: Russland tue zwar so, als sei es verhandlungsbereit, überziehe aber gleichzeitig die ukrainische Zivilbevölkerung mit Terror. Der Ewald-von-Kleist-Preis der MSC gehe deshalb in diesem Jahr nicht an eine verdiente Persönlichkeit, sondern "an das tapfere ukrainische Volk".

Nach zweijähriger Pause wieder eingeladen: Politiker der AfD

Die in Teilen rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) war in den vergangenen beiden Jahren in München nicht willkommen. Konferenzleiter Ischinger änderte nun den Kurs seines Vorgängers und entschied, die größte Oppositionspartei im Bundestag nicht länger auszuschließen. Geladen sind drei AfD-Fachpolitiker aus dem Bundestag, Auftritte auf den Bühnen der MSC jedoch nicht vorgesehen. Im vergangenen Jahr hatte die AfD ihren Ausschluss als ungerechtfertigte Diskriminierung gewertet und war juristisch dagegen vorgegangen, vor Gericht aber mit ihrer Klage gescheitert.

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