Der internationale Kunstkritikerverband AICA vergibt jedes Jahr Auszeichnungen für das beste Museum. 2016 gewinnt das Museum Abteiberg in Mönchengladbach die prestigeträchtige Auszeichnung.
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Ausgezeichnete Museen in Deutschland
Der internationale Kunstkritikerverband AICA vergibt jedes Jahr Auszeichnungen für das beste Museum. 2016 gewinnt das Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Hier sind die letzten Museen des Jahres in Deutschland.
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2016: Abteibergmuseum in Mönchengladbach
Das vom österreichischen Architekten Hans Hollein (1934 - 2014) gestaltete Gebäude sei ein "weltweit anerkannter Meilenstein postmoderner Museumsarchitektur", begründete die AICA ihre Wahl. Das Museum, bereits 1982 eröffnet, beherberge "hervorragende Sammlungsbestände internationaler Kunst", die das Haus zu einer der "führenden Adressen für Gegenwartskunst in Deutschland" machten.
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Vielfältig und eigenwillig
Das Gebäude besteht aus verschiedenen Elementen und Ebenen, die sich gut in die Hanglage des Abteibergs einfügen. Holleins Absicht war es, Kunst mit Kunst zu umgeben, was ihm mit dem Abteibergmuseum gelungen ist. Im Innern zeitgenössische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, außen ein begehbares Kunstwerk umgeben von einem Skulpturengarten.
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2015: Kunstmuseum Ravensburg
Die AICA befand dieses Museum für preiswürdig, weil es sich "erfolgreich dem Kommerzialisierungstrieb des Kunstbetriebes widersetze und sich stattdessen ein eigenes, unverwechselbares Profil erarbeitet habe. Außerdem gefiel der AICA der Schwerpunkt "Expressionismus" sehr gut. Die Jury lobte auch die Offenheit und Toleranz des Hauses gegenüber allen Menschen, egal woher sie kommen.
Bild: Roland Halbe 2012
Schwäbischer Architekturschatz
Das Innere des Museums ist spektakulär. Entworfen hat es das Stuttgarter Architekturbüro Lederer+Ragnarsdóttir+Oei und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem DAM (Preis für Architektur in Deutschland) und mit dem Deutschen Architekturpreis. Beides im Jahr der Eröffnung 2013. Der Schwerpunkt der Ausstellungen liegt in moderner und zeitgenössischer Kunst.
Bild: Thomas Lewandovski
2014: Das MARTa in Herford
Zu seinem zehnjährigen Bestehen erhielt das MARTa die Auszeichnung "Museum des Jahres". Obwohl es ein einzigartiges architektonisches Werk sei, sei es nicht als Solitär einer Stadt aufgepfropft worden, sondern wirke wie "eine einladende Villa in einer schön gestalteten Gartenanlage". Erdacht hat das gebäude der US-amerikanische Stararchitekt Frank O. Gehry. Eröffnet wurde es am 7. Mai 2005.
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Alle Überraschungen, die man von einem Gehry erwartet
Von außen eine chaotisch wirkende Hügellandschaft aus rot-braunen Klinkern und Edelstahl - und im Inneren hohe, helle Räume mit eleganten Linien und geschwungenen Decken. Gehry ist es gelungen, dass jede Ausstellung zugleich den Blick für die Schönheit des Gebäudes eröffnet. Schwerpunkt des MARTa ist zeitgenössische Kunst mit einem besonderen Fokus auf Architektur und Design.
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2013: Kolumba Museum in Köln
Das Kolumba ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln und gehört zu den ältesten Museen der Stadt. Errichtet wurde es auf den Ruinen der spätgotischen Kirche St. Kolumba, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor habe ein sensibles und differenziertes Gebäude um die Sammlung errichtet und die Ruinen der Kirche perfekt mit dem Neubau verbunden, so die AICA.
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Langsamkeit des Sehens
Der AICA-Jury gefiel die Ruhe, die das Museum sowohl im Inneren als auch von außen ausstrahlt. Die Sammlung umfasst Werke aus alten Beständen der Diözese und verbindet diese mit zeitgenössicher Kunst. Der Besucher kann sich viel Zeit nehmen. "Alles ist auf Beschaulichkeit und Wahrnehmung ausgerichtet - es ist wahrlich ein Museum gegen die Hektik der Zeit", so AICA-Sprecherin Danièle Perrier.
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2012: Das Städel in Frankfurt
Das 200 Jahre alte Städelmuseum hat 2012 einen Anbau bekommen: unter seinem Garten. Dort ist eine spektakuläre, 3000 Quadratmeter große Kunsthalle entstanden, die dem Mutterhaus nicht die Show stiehlt. Im Gegenteil: Die Bullaugen im "Dach" der unterirdischen Halle führen die Fensterreihen im Obergeschoss des alten Gebäudes fort. Eine schöne Idee der Frankfurter Architekten Schneider & Schumacher.
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Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart
Der Neubau beherbergt den modernen Teil der umfangreichen Städel-Sammlung. Die AICA lobte das Museum für seine "Balance zwischen publikumsträchtigen Ausstellungen und solchen, die neue kunsthistorische Forschungsstände vermitteln". Mit der Auszeichnung honorierte die AICA auch das reiche Veranstaltungsprogramm rund um die Sammlung und die Ausstellungen im Städel.
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Das Städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach ist zum Museum des Jahres 2016 gewählt worden. "Hervorragende Sammlungsbestände" internationaler Kunst vor allem seit den 1960er Jahren, eine "inhaltlich fundierte Zusammenarbeit mit bedeutenden Privatsammlungen" sowie kontinuierlich hochkarätige Ausstellungen machten das Haus zu "einer der führenden Adressen für Gegenwartskunst in Deutschland", begründete der Verband seine Wahl.
Das von Hans Hollein entworfene, 1982 eröffnete Museumsgebäude sei zudem ein "weltweit anerkannter Meilenstein postmoderner Museumsarchitektur" und beherberge "hervorragende Sammlungsbestände internationaler Kunst", die das Haus zu einer der "führenden Adressen für Gegenwartskunst in Deutschland" machen.
Das Abteibergmuseum wurde 1982 eröffnetBild: picture-alliance/akg-images/Hilbich
Museumsdirektorin Susanne Titz, die das Haus seit 2004 führt, freute sich "riesig über die Auszeichnung, die eine Bestätigung unserer Arbeit ist". Damit werde der besondere Stellenwert des Museums unterstrichen, das mit vielen Projekten in die Stadt hinein wirke.
Als Museum des Jahres wurden unter anderem schon das Kunstmuseum Ravensburg (2015), das Marta Herford, das Kolumba Museum in Köln und das Frankfurter Städel geehrt.
Weitere Auszeichnungen
Zur "Ausstellung des Jahres" kürte der AICA-Verband "Kader Attia. Sacrifice and Harmony" im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Es handelte sich um die erste deutsche institutionelle Einzelausstellung des 1970 geborenen algerisch-französischen Künstlers Kader Attia. Der Parcours habe die Besucher nahezu unausweichlich in eine fast körperliche Konfrontation mit den komplexen Themen gezogen.
Als "Besondere Ausstellung" schließlich würdigte der Verband die Schau "Rochelle Feinstein. I Made A Terrible Mistake" im Lenbachhaus in München.
Alle Auszeichnungen sind undotiert, haben für die Museen aber einen hohen Prestigewert. Die AICA ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich auch für die Presse- und Meinungsfreiheit sowie für die Rechte verfolgter Künstler und Kuratoren einsetzt. Die deutsche Sektion des internationalen Verbandes umfasst 200 Mitglieder, darunter Kunstjournalisten, Kuratoren und Ausstellungsmacher, die Katalogtexte schreiben sowie Kunstwissenschaftler, die an den Universitäten und Kunsthochschulen arbeiten.