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Verleumdungsklage gegen Gil Ofarim

31. März 2022

Ein Hotelangestellter soll Ofarim aufgefordert haben, seinen Davidstern abzunehmen. Das führte zu einem Eklat und nun möglicherweise zu einem Prozess.

Gil Ofarim, Porträt.
Muss vielleicht bald vor Gericht: Gil OfarimBild: Nicole Kubelka/Geisler-Fotopress/picture alliance

Der Fall hat im Herbst 2021 für Aufsehen gesorgt. Gil Ofarim hatte Anfang Oktober ein Video auf Instagram gepostet, in dem er fassungslos erzählt, wie er in einer Leipziger Hotellobby erst ignoriert und dann von einem Hotelangestellten aufgefordert wurde, "seinen Stern einzupacken". Das Video ging viral und löste eine große Debatte über Antisemitismus in Deutschland aus. Medien in aller Welt berichteten über den Fall, in Deutschland zeigten sich viele Spitzenpolitiker erschüttert, vor dem Hotel demonstrierten Hunderte Menschen gegen Antisemitismus und zeigten sich mit Ofarim solidarisch. Ofarim erstattete später Anzeige, der betroffene Hotelmitarbeiter wurde beurlaubt. Doch der wehrte sich erfolgreich gegen die Vorwürfe und zeigte seinerseits den Musiker wegen Verleumdung an. 

Demonstrationen vor dem Leipziger HotelBild: Dirk Knofe/dpa/picture alliance

In den Wochen nach dem Vorfall bröckelte Ofarims Geschichte - schnell wurden Überwachungsvideos aus der Hotellobby veröffentlicht, in denen Ofarim zwar zu sehen war - allerdings ohne seine Kette mit dem Davidstern. Das könne nicht sein, verteidigte sich Ofarim damals gegenüber den Medien. Er trage seinen Davidstern immer. Möglicherweise habe er ihn aber unter seinem T-Shirt getragen.

Nach der Auswertung aller Überwachungsvideos und etlichen Zeugenvernehmungen hat die Leipziger Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen nun beendet. "In der Gesamtschau", wie es in einer Erklärung heißt, sei die Behörde zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das Geschehen, wie es Ofarim geschildert hat, "tatsächlich so nicht ereignet" habe. Der Musiker habe die Unwahrheit gesagt. Wenn das Landgericht Leipzig der Klage zustimmt, könnte sich der 39-jährige Musiker wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten müssen.

Weder von ihm noch von seinem Management gibt es derzeit eine Stellungnahme zu den Vorwürfen.

sw/rbr (dpa/afpd)

 

Silke Wünsch Redakteurin, Autorin und Reporterin bei Culture Online