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Politik

Zeichen für eine solidarische Welt

17. Juni 2017

"Nicht mit uns" - Unter diesem Motto wollen Muslime aus ganz Deutschland in Köln gegen islamistischen Terror demonstrieren. Erwartet werden zehntausend Teilnehmer. Kritik kommt aus den eigenen Reihen.

Blick auf Kölner Zentralmoschee
Bild: picture alliance/dpa/H.Kaiser

Tausende Muslime werden an diesem Samstag in Köln zu einem Friedensmarsch gegen Gewalt und islamistischen Terror erwartet. Die Teilnehmer sollen aus ganz Deutschland zu der Demonstration anreisen, um ein Zeichen zu setzen für eine solidarische Welt und Pluralismus sowie gegen eine Spaltung der Gesellschaft, wie es im Aufruf heißt. Auch viele Nicht-Muslime und Politiker haben parteiübergreifend zur Teilnahme an der Aktion "Nicht mit uns" aufgerufen. Initiatoren sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedenaktivist Tarek Mohamad.

Ditib lehnt Teilnahme ab

Der größte Islam-Dachverband in Deutschland, Ditib, ist gegen die Kundgebung und hat seine Teilnahme abgesagt. Zur Begründung hieß es, dass eine solche Aktion unzumutbar für die jetzt im Ramadan fastenden Muslime sei. Damit hatte der Verband Unverständnis unter anderem bei der Bundesregierung ausgelöst.

Muslime müssen klar machen, dass Attentäter nicht mehr Teil ihrer muslimischen Community sind: Initiatorin Lamya KaddorBild: DW

Die Absage sei "einfach schade", ließ Kanzlerin Angela Merkel am Freitag über ihren Sprecher ausrichten. Innenminister Thomas de Maizière sagte der "Rheinischen Post": "Teilnehmen wäre besser gewesen als abseits stehen." Es sei bedauerlich, dass nicht alle islamischen Dachverbände die Initiative unterstützten.

Justizminister Heiko Maas vertrat die Meinung, schrieb in einem Gastbeitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger", es sei Aufgabe der gesamten Zivilgesellschaft, sich von Terror zu distanzieren. "Das scheint leider der Islamverband Ditib nicht verstanden zu haben."

Sprachrohr Erdogans

Die Ditib untersteht der türkischen Religionsbehörde in Ankara. Kritiker werfen dem Dachverband vor, Sprachrohr des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu sein. Auch Mitinitiatorin Kaddor zeigte sich verwundert. "Wir rufen dazu auf, gegen Gewalt und Terror zu demonstrieren - uns ordentlich zu positionieren und Islamisten an den Rand der muslimischen Gesellschaft zu drängen", sagte sie. Eine solche Aktion passe sehr gut in den Fastenmonat Ramadan: "Der Prophet Mohammed hat gerade im Ramadan die härteste Arbeit vollbracht. Im Ramadan ging es genau darum, gesellschaftlichen Frieden herzustellen."

Muslime müssten auch in Deutschland klar machen, dass Attentäter und Islamisten nicht mehr Teil ihrer muslimischen Community seien. Im Aufruf zu der Kölner Demonstration heißt es, der Widerstand gegen Terroristen und Fanatiker sei eine besondere Pflicht.

Appell des israelischen Botschafters

Auch Israels Botschafter appelliert an die Muslime in Deutschland, ihre Stimme gegen Terror zu erheben. Yakov Hadas-Handelsman sagte der "Berliner Zeitung": "Alleine deshalb, weil Terror keinen Unterschied macht zwischen Muslimen und Menschen anderer Religionen. Er ist für sie genauso eine Bedrohung, wie für alle anderen."

Das Argument mancher Islamverbände, dass eine Teilnahme an der Großdemo den Islam an sich stigmatisiere, könne er nicht nachvollziehen. Wer an den Demonstrationen teilnehme, trete vielmehr der Stigmatisierung des Islams entgegen, sagte der Botschafter.

Dutzende Gruppierungen unterstützen die Aktion, darunter Parteien, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und kirchliche Gruppen. Unter den mehr als 300 Einzelpersonen, die den Aufruf unterzeichnet haben, sind Politiker, Künstler und Wissenschaftler. Auch der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde gehören dazu.

uh/cr  (dpa, epd, afp)

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