Umstrittene Parlamentswahl in Myanmar: Erste Runde beendet
Veröffentlicht 28. Dezember 2025Zuletzt aktualisiert 28. Dezember 2025
Inmitten des Bürgerkriegs öffneten in Myanmar am frühen Morgen die Wahllokale - erstmals seit fast fünf Jahren, als sich das Militär an die Macht putschte. In Yangon (früher: Rangun), der größten Stadt des südostasiatischen Landes, wurde über Nacht ein massives Sicherheitsaufgebot an Bahnhöfen und im Straßenverkehr postiert.
Offenbar blieb es weitgehend ruhig. Allerdings meldete das örtliche Nachrichtenportal Mizzima von Explosionen in der Nähe von Wahllokalen in mindestens drei Städten.
In drei Phasen sollen die Bürger ein neues Parlament wählen: an diesem Sonntag sowie am 11. und 25. Januar. Ergebnisse werden nicht vor Ende Januar erwartet.
Offenbar geringe Wahlbeteiligung
Die von China und Russland unterstützte Wahl gilt als höchst umstritten. Insgesamt dürfen 57 Parteien und mehr als 4800 Kandidaten antreten. Mehrere wichtige Oppositionsparteien boykottieren die Wahl, andere wurden ausgeschlossen.
Viele Menschen lehnen es ab, ihre Stimme abzugeben. Und das, obwohl es großen Druck auf die Zivilbevölkerung gegeben haben soll, die Abstimmung auf keinen Fall zu boykottieren. Augenzeugen und lokalen Medienberichten zufolge zeichnet sich in den Millionenmetropolen Yangon und Mandalay offenbar eine geringe Wahlbeteiligung ab.
In Yangon wurde dem Wahlaufruf nur verhalten Folge geleistet, wie die Nachrichtenagentur AFP meldet. An zwei Wahllokalen gaben binnen der ersten Stunde nach ihrer Öffnung nach AFP-Zählung rund hundert Menschen ihre Stimme ab. Die frühen Wähler befürworteten die Wahl. Sie sei "sehr wichtig und wird dem Land das Beste bringen", sagte der 63-jährige Bo Saw. Wähler Swe Maw wies die internationale Kritik zurück: "Es wird immer Leute geben, denen es gefällt und denen es missfällt", sagte der 45-Jährige.
Andere Bürger machten deutlich, dass sie sich nicht beteiligen wollen: "Das Wahllokal in unserem Bezirk hat heute Morgen um 6 Uhr geöffnet. Aber ich gehe nicht wählen", machte Khaing Min deutlich. "Die Leute hier interessieren sich nicht für die Wahl. Die Junta wird sowieso in den von ihr kontrollierten Gebieten gewinnen", sagte der 45-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Yangon.
Kritiker, darunter die Vereinten Nationen, westliche Staaten und Menschenrechtsgruppen, bezeichnen die Abstimmung als Farce, die weder frei noch fair oder glaubwürdig sei. Der UN-Sonderberichterstatter zur Menschenrechtslage in Myanmar, Tom Andrews, warf der Junta vor, sie wolle die "Illusion einer Wahl" schaffen. Echte Wahlen seien unmöglich, wenn "man zugleich seine Gegner inhaftiert, foltert und hinrichtet".
Als Favorit gilt die dem Militär nahestehende "Union Solidarity and Development Party" (USDP), die von pensionierten Generälen geführt wird und gegen eine stark geschwächte Konkurrenz antritt. "Die Wahl der Junta ist darauf ausgelegt, die Macht des Militärs über die Menschen zu verlängern", sagte die Myanmar-Expertin Lalita Hanwong von der Kasetsart-Universität in Thailand der Nachrichtenagentur Reuters.
Vorwurf: Junta will Macht legitimieren
Politischen Beobachtern zufolge soll die Abstimmung vor allem dazu dienen, die Macht der Generäle unter ihrem Chef Min Aung Hlaing zu legitimieren - obwohl dieser die Vorwürfe zurückwies: "Erst nach der Wahl können wir feststellen, ob sie frei und fair war. Wir haben garantiert, dass sie es sein wird", sagte er bei der Stimmabgabe in der stark bewachten Hauptstadt Naypyidaw.
Auf die Frage von Reportern, ob er Präsident werden wolle, sagte der General, er sei nicht Vorsitzender einer politischen Partei. "Wenn das Parlament zusammentritt, gibt einen Prozess zur Wahl des Präsidenten", machte Min Aung Hlaing deutlich.
Das Militär in Myanmar hatte am 1. Februar 2021 geputscht und die im Jahr zuvor mit großer Mehrheit gewählte demokratische Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. In einem von Menschenrechtsgruppen als Schauprozess verurteilten Verfahren wurde Suu Kyi zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt, ihre äußerst populäre Partei Nationale Liga für Demokratie (NDL) wurde aufgelöst.
Das 50-Millionen-Einwohner-Land ist seitdem vom Bürgerkrieg zerrissen. In Dutzenden von bewaffneten Rebellen kontrollierten Gebieten hat die Wahlkommission die Abstimmung abgesagt.
AR/pg (dpa, rtr, afp)
Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.