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KatastropheVenezuela

Nach dem Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt

28. Juni 2026

Am vergangenen Mittwoch erschütterte ein Doppel-Erdbeben Venezuela. Die Rettungsarbeiten sind in einer entscheidenden Phase.

Rettungskräfte suchen in eingestürztem Gebäude nach Opfern
Viele der Vermissten befinden sich noch unter Trümmern - wie hier im Bundesstaat Lau GuairaBild: Maryorin Mendez/AFP

In Venezuela suchen Rettungsmannschaften trotz schwindender Hoffnungen weiter in den Trümmern eingestürzter Gebäude nach Überlebenden des schweren Doppel-Erdbebens. Der Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, bezifferte die Zahl der Toten am Samstag (Ortszeit) auf inzwischen 1430. Der Chef des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA), Tom Fletcher, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag in Genf, es würden noch mehr als 50.000 Menschen vermisst. 

Doch es gibt auch Lichtblicke

Die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez teilte am Samstag (Ortszeit) im Onlinedienst X mit, ein elfjähriger Junge sei in Caraballeda gerettet worden. "In diesem Moment ist jedes Leben eine Quelle der Hoffnung für Venezuela", erklärte sie.

Bereits am Freitag war in der am stärksten betroffenen Küstenstadt La Guaira ein Baby lebend geborgen worden. Nach Angaben eines Internetnutzers, der ein Video der Rettung in den Onlinenetzwerken veröffentlichte, hatte das erst 18 Tage alte Baby 32 Stunden unter den Trümmern festgesteckt und war bei seiner Rettung unverletzt. Die Mutter des Säuglings wurde eine Stunde später gerettet.

Ein Glücksmoment - ein Neugeborenes wird lebend aus den Trümmern geborgenBild: Andreina Quintero/AFP

Millionen Menschen brauchen Hilfe

Am Mittwochabend bebte die Erde zweimal im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5. In den folgenden Stunden wurden Dutzende Nachbeben registriert. Eine UN-Schätzung bezifferte den Sachschaden auf 6,7 Milliarden US-Dollar (knapp 5,9 Milliarden Euro), was etwa sechs Prozent von Venezuelas Bruttoinlandsprodukt entspricht. 

Bis zu 6,7 Millionen Menschen könnten Berechnungen der UN-Organisation für Migration (IOM) zufolge von der Erdbebenkatastrophe betroffen sein. Sie benötigen demnach "Notunterkünfte, sicheres Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene-Versorgung, Gesundheitsversorgung, Schutz und lebensnotwendige Güter".

Erdbebenopfer stehen in La Guaira für Essen anBild: Matias Delacroix/AP Photo/picture alliance

Nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sind etwa 680.000 Kinder von der Katastrophe betroffen, teilte die Organisation mit. "Tausende Kinder haben keinen verlässlichen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und viele Schulen wurden beschädigt", erklärte der UNICEF-Leiter in Venezuela, Rodríguez Pumarol. Nach vorläufigen Angaben wurden allein im Hauptstadtbezirk 432 Schulen beschädigt - gut jede dritte Schule.

Weltweite Unterstützung

Laut Parlamentspräsident Rodríguez entsandten inzwischen 21 Länder Such- und Rettungsteams nach Venezuela. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte im Onlinedienst X, die EU habe den Europäischen Katastrophenschutz-Mechanismus aktiviert, um Hilfe zu schicken. Zudem seien bereits fünf Millionen Euro an Nothilfe bereitgestellt worden. "Europa steht in dieser Stunde der Not an der Seite Venezuelas."

Auch Deutschland unterstützt die Bergungsarbeiten. Am Wochenende traf auch ein 48-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) in Caracas ein, wie THW-Präsidentin Sabine Lackner mitteilte. Zu dem Team gehörten ihren Angaben zufolge auch Suchhunde, die dabei helfen sollten, Überlebende in den Trümmern zu finden. Im Einsatzland starte nun "ein Wettlauf gegen die Zeit", erklärte die THW-Präsidentin. Das Team werde in zwei Schichten arbeiten. So sei es möglich, rund um die Uhr nach Vermissten zu suchen.     

US-Hilfe aus der Luft und vom Wasser

Der internationale Flughafen Simón Bolívar wurde am Samstag teilweise wieder eröffnet. Eine der Start- und Landebahnen sei wieder in Betrieb, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter Journalisten. Demnach landeten auf dem Flughafen US-Militärtransportflugzeuge mit Hilfsgütern. Später sollten zudem mobile Krankenhäuser eintreffen.

Auch liege nun das Marineschiff "USS Fort Lauderdale" vor der venezolanischen Küste - was weitere Rettungsflüge rund um die besonders schlimm betroffene Küstenstadt La Guaira ermöglichen würde. Die US-Helfer seien somit "in der Lage, Menschen bei Bedarf mit Hubschraubern zu den medizinischen Einrichtungen auf diesem Schiff zu fliegen und es für die Führung, Kontrolle und Logistik sowie für den Lufttransport zu nutzen".

Die USA hätten bereits Hilfsgelder in Höhe von rund 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) freigegeben. In den kommenden Tagen erwarte er die Ankündigung eines "weiteren Hilfspakets in neunstelliger Höhe".

Auch Papst Leo XIV. bewegen die schlimmen Folgen des Erdbebens. Nachdem er bereits 100.000 Euro für Hilfsleistungen gespendet hatte, rief er erneut zur Hilfe für das südamerikanische Land auf.

fab/as (afp, kna)

Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MESZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!

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