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Nach Notlandung: Startverbot für hunderte Boeing-Jets

7. Januar 2024

Nach dem Zwischenfall mit einer Boeing 737 MAX 9 der Alaska Airlines hat die US-Flugaufsicht für rund 170 Maschinen des Typs sofortige Überprüfungen angeordnet. Es ist nicht das erste Drama mit dem Flugzeugtyp.

Ein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max im Landeanflug
Ein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max im Landeanflug Bild: Silvio Avila/AFP/Getty Images

Nach dem Abriss eines Kabinenteils samt Fenster während eines Fluges hat die US-Luftfahrtbehörde FAA ein vorläufiges Startverbot für Maschinen des Typs Boeing 737-9 Max erlassen. Die Behörde teilte mit, es seien sofortige Inspektionen bestimmter Exemplare dieses Modells nötig, die jeweils etwa vier bis acht Stunden in Anspruch nähmen. Erst danach könnten die Jets wieder in Betrieb gehen. Dies gilt für Maschinen, die von Fluggesellschaften der USA betrieben werden oder auf amerikanischem Territorium unterwegs sind - weltweit also 171 Flugzeuge. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und die britische Flugsicherheitsbehörde schlossen sich der Regelung an.

Der Zwischenfall hatte sich am Freitag auf einem Flug von Alaska Airlines ereignet - auf dem Weg von Portland im Bundesstaat Oregon zum Flughafen Ontario in Kalifornien, östlich von Los Angeles. Medienberichten zufolge löste sich kurz nach dem Start bei dem erst wenige Wochen alten Flugzeug plötzlich ein Fensterteil und flog davon. Es habe einen großen Knall gegeben, und dann sei Luft durch das Loch hereingeströmt, sagten Passagiere der Zeitung "The Oregonian".

Der Sitz direkt neben dem Fenster sei unbesetzt gewesen, aber ein Jugendlicher auf dem Mittelsitz habe Prellungen vom plötzlichen Druckabfall davongetragen. Letztlich wurde niemand schwer verletzt. Nach einer Mitteilung von Alaska Airlines waren 171 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord.

Explosionsartiges Geräusch

Passagiere standen Todesängste aus, wie sie US-Medien berichteten. Kurz nach der Pilotendurchsage, dass eine Flughöhe von etwa 3000 Meter erreicht worden sei, habe es ein explosionsartiges Geräusch gegeben, sagten Reisende, die in der Reihe hinter dem plötzlich klaffenden Loch saßen, dem "Wall Street Journal". Persönliche Gegenstände seien aus der Öffnung gefallen. Die Besatzung ordnete an, dass die Insassen angeschnallt sitzenbleiben und durch Sauerstoffmasken atmen sollten.

Auf Fotos, die Passagiere im Internet posteten, ist ein großes Loch zu sehen, das an der Seite der betroffenen Sitzreihe in der Flugzeugwand klafft. Wie die "New York Times" berichtet, handelt es sich um einen sogenannten Türstopfen - ein Wandteil, das dort eingebaut wird, wo es herstellerseitig eine Option auf einen zusätzlichen Notausgang bei besonders enger Bestuhlung gibt. Dieser ist aber bei der normalen Kabinen-Ausführung von Alaska-Airlines nicht nötig. Die Unfallermittlungsbehörde NTSB untersucht den Fall.

Die Fluggesellschaft kündigte an, vorerst alle ihre Maschinen des Typs 737-9 Max am Boden zu halten und die 65 Flugzeuge einer gründlichen Wartung und Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Jedes Flugzeug werde erst nach abgeschlossener Inspektion wieder in Betrieb genommen. Am Samstag teilte Alaska Air mit, ein Viertel der betroffenen Maschinen seien bereits gewartet worden, ohne dass man dabei auf Auffälligkeiten gestoßen sei.

Auch weitere Airlines lassen prüfen

Inzwischen zogen weitere Fluggesellschaften Maschinen des Typs aus dem Verkehr. Turkish Airlines teilte am Sonntag mit, fünf Boeing 737-MAX-9 seien "als Sicherheitsvorkehrung" zu Kontrollen zurückgerufen worden. Auch Aeromexico und die Fluggesellschaft Copa Airlines aus Panama kündigten an, 737-MAX-9-Jets am Boden zu lassen. Die Fluglinie United Airlines, die über die weltweit größte Flotte von Boeing 737 MAX 9 verfügt, hat ebenfalls Maschinen der Baureihe zur Kontrolle aus dem Verkehr gezogen.

737 Max Debakel wird teuer für Boeing

01:04

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Es ist das jüngste Vorkommnis mit Boeings meistverkauftem Modell, das nach Abstürzen 2018 und 2019 in Indonesien und Äthiopien, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen, aus Sicherheitsgründen fast zwei Jahre lang am Boden bleiben musste. Es stellte sich heraus, dass eine fehlerhafte Cockpit-Software, die die Maschinen in Richtung Boden lenkte, für die Abstürze verantwortlich war.

Boeing überarbeitete daraufhin den Typ und erlangte nach und nach Wiederzulassungen. Mit Produktionsmängeln sorgte der Mittelstreckenjet allerdings weiter für Schlagzeilen und belastete die Bilanzen des Herstellers. Der jüngste Zwischenfall kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Boeing und ein wichtiger Zulieferer ohnehin mit Produktions- und Qualitätsproblemen kämpfen.

Redaktionsschluss 20.15 Uhr (MEZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!

kle/AR (afp, rtr, dpa)