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PolitikIran

Iran: Der Nachfolger von Ajatollah Chamenei heißt Chamenei

Youhanna Najdi
9. März 2026

Das iranische Expertengremium hat Modschtaba, den Sohn von Ali Chamenei, zum neuen Obersten Führer des Landes gewählt. Seine Wahl deutet auf eine harte Linie des Iran hin.

Porträt von Modschtaba Chamenei aus dem iranischen Staatsfernsehen
Modschtaba Chamenei ist neuer Oberster Führer des Irans. Er folgt seinem Vater nach und hatte zuvor nie ein Amt inne.Bild: Iran state TV/AP Photo/picture alliance

Der Iran hat einen neuen Führer - Modschtaba Chamenei. Er ist der zweite Sohn des früheren Obersten Führers Ali Chamenei, der am 28. Februar bei einem Angriff getötet wurde. Am 8. März wählte ihn die 88‑köpfige Expertenversammlung  - gut eine Woche nach Beginn des Krieges mit den USA und Israel - zum neuen Obersten Führer des Iran.

Modschtaba wird oft als rätselhaft und zugleich als eine der einflussreichsten Figuren in den Machtstrukturen des Iran beschrieben. Er soll enge Verbindungen zu den mächtigen Revolutionsgarden (IRGC) pflegen, von denen viele glauben, dass sie im Land das Sagen haben. "Er hat einen starken Rückhalt innerhalb der IRGC, insbesondere bei der jüngeren, radikalen Generation", sagt Kasra Aarabi ​von der US-Organisation United Against Nuclear Iran gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Die Expertenversammlung rief das iranische Volk dazu auf, hinter dem neu gewählten Führer zu stehen und die "Einheit zu wahren". Modschtabas Wahl wird als Fortsetzung des Vermächtnisses und der harten Linie seines Vaters gesehen.

US-Präsident Donald Trump sagte zuvor, die Ernennung von Khameneis Sohn sei "inakzeptabel", und fügte hinzu, jeder neue iranische Führer, dessen Ernennung nicht mit Washington abgestimmt sei, werde "sich nicht lange halten". "Sie verschwenden ihre Zeit. Chameneis Sohn ist ein Leichtgewicht", zitierte das US-Medium Axios Trump.

Der israelische Verteidigungsminister sagte vergangene Woche, dass jeder, der als Nachfolger von Ali Chamenei gewählt werde, ein "Ziel zur Eliminierung" sei.

Anhänger des Regimes protestieren nach dem Tod von Ali Chamenei in der zentraliranischen Stadt GhomBild: Fatemeh Bahrami/Anadolu/picture alliance

Ein Hardliner und umstrittene Figur

Obwohl der 56-jährige schiitische Geistliche weitgehend ein Schattendasein geführt und nie ein öffentliches Amt bekleidet hat, soll er innerhalb der komplexen Machtstrukturen des Iran, insbesondere der Revolutionsgarden, erheblichen Einfluss besitzen.

Regierungsbeamte bemerkten Modschtabas wachsenden politischen Einfluss Mitte der 1990er Jahre. Er umgab sich gerne mit Kämpfern und Kommandeuren der Revolutionsgarden, die aus dem Iran Irak Krieg (1980–1988) zurückgekehrt waren.

Modschtaba Chamenei rückte während der Präsidentschaftswahlen 2005 erneut ins Rampenlicht, die laut Experten von ihm gesteuert worden sein sollen. Seinem Einfluss soll es damals zu verdanken gewesen sein, dass der relativ unbekannten IRGC-Vertreter Mahmoud Ahmadinedschad die Wahl gewonnen hat. Die Wahl 2005 ließ den ehemaligen Präsidenten Akbar Hashemi Rafsandschani politisch geschwächt zurück, obwohl er sich entschied zu schweigen. Doch Mehdi Karroubi, ein weiterer Präsidentschaftskandidat, schrieb einen offenen Brief und beschuldigte Modschtaba, in die Wahl eingegriffen und Ahmadinedschads Aufstieg ermöglicht zu haben.

Nach anhaltenden Bombardements durch Israel und die USA liegt dichter Rauch über Teheran. Rechts ist das Kriegsdenkmal und ein Plakat erinnert an Ali ChameneiBild: AFP/Getty Images

Vier Jahre später sah sich Modschtaba erneut denselben Vorwürfen ausgesetzt. Diesmal löste Ahmadinedschads Wiederwahl massive Proteste im Iran aus. Einige Demonstrierende, die die Idee ablehnten, dass Modschtaba seinem Vater als Oberster Führer nachfolgen könnte, riefen sogar "Tod für Modschtaba". Während dieser turbulenten Monate tauchten zahlreiche Berichte über Modschtabas wachsende Rolle bei der Niederschlagung der sogenannten "Grünen Bewegung" auf. Im Sommer 2009 protestierte die "Grüne Bewegung" gegen Wahlfälschungen.

Private Vermögenswerte

Es gab zudem Berichte über die Korruption Modschtabas. Laut regierungsnahen Quellen werden mindestens 60 Prozenten der iranischen Wirtschaft über Holdinggesellschaften und Institutionen betrieben, die unter Ali Chameneis Kontrolle standen - darunter die Mostazafan-Stiftung, das Imam-Chomeini-Hilfskomitee, das Bauhauptquartier Khatam al Anbiya und Astan Quds Razavi. Modschtaba soll angeblich die Finanzen überwacht haben.

Laut einer Bloomberg-Untersuchung aus dem Jahr 2026 umfassen Modschtabas Vermögenswerte hochwertige Immobilien in London und Dubai sowie Beteiligungen an Reedereien, Banken und Hotelanlagen in Europa. Die Vermögenswerte sollen größtenteils nicht auf seinen Namen laufen, sondern über Mittelsmänner und verschachtelte Firmenstrukturen in verschiedenen Ländern.

Frühes Leben und Werdegang

Staatsmedien stellen Modschtaba als jemanden dar, der ein einfaches Leben führt. Nach seinem Abschluss an der Alavi-Schule besuchte er das Seminar in Qom, wo er Vorlesungen einflussreicher Geistlicher hörte.

In seiner Kindheit entwickelte sich sein Vater Ali Chamenei zu einer wichtigen Figur im Kampf gegen die Monarchie unter Schah Mohammad Reza Pahlavi. Modschtaba verbrachte sieben Jahre in den Städten Sardasht und Mahabad im Nordwesten Irans und erhielt dort seine frühe Ausbildung. 1987, nach dem Abschluss der Oberschule, trat er den Revolutionsgarden bei.

Der Krieg bringt den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zum Erliegen. Sie ist eine der wichtigsten Routen für den Transport von Öl und Erdgas weltweitBild: Amr Alfiky/REUTERS

1999 nahm Modschtaba in Qom ein Studium der islamischen Theologie auf, um Geistlicher zu werden.

Quellen aus Kreisen der IRGC und iranischer Sicherheitsinstitutionen haben Berichte über Modschtabas Teilnahme am Iran-Irak-Krieg der 1980er Jahre veröffentlicht. Den Berichten zufolge war Modschtaba etwa 17 Jahre alt, als er an die Front ging und sich einem Bataillon anschloss. Mehrere Mitglieder dieses Bataillons wurden später zu wichtigen Geheimdienst- und Sicherheitsfiguren der Islamischen Republik und gruppierten sich häufig um Modschtaba.

Nur wenige Menschen im Iran hatten erwartet, dass Modschtaba eines Tages der Oberste Führer des Landes werden würde.

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