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Politik

Neue Feuerpause in Aleppo in Kraft

4. November 2016

Bislang schweigen die Waffen. Doch kurz vor Beginn der zehnstündigen Feuerpause eskalierte die Gewalt noch einmal: Die Rebellen versuchten erneut, die Belagerung Ost-Aleppos zu durchbrechen.

Blick in eine Straße im dem von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos (Foto: Getty Images/AFP/K. Al-Masri)
Bild: Getty Images/AFP/K. Al-Masri

In Aleppo ist um 8 Uhr (MEZ) eine zehnstündige Feuerpause in Kraft getreten. Sie soll Kämpfern der Opposition die Möglichkeit geben, den von Rebellen kontrollierten Osten Aleppos über zwei Korridore zu verlassen. Auch für Zivilisten soll es Korridore geben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, an allen Fronten herrsche Ruhe. Die Rebellen lehnen die Feuerpause jedoch ab. "Die Waffenruhe ist eine große Lüge", sagte ein Sprecher der Rebellengruppe Nur al-Din al-Senki. "Niemand traut dem russischen und dem syrischen Regime."

Die Stunden vor Beginn der von Russland einseitig ausgerufenen Feuerpause für die nordsyrische Stadt stimmten tatsächlich wenig optimistisch. Bewaffnete Rebellengruppen weiteten ihre Offensive aus, um die Belagerung des von ihnen kontrollierten Ostteils der Stadt zu durchbrechen. Syrische Staatsmedien berichteten, durch Raketen- und Geschützfeuer von Islamisten seien zwölf Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Ein Kämpfer der Islamisten sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP im Osten der Stadt, die "zweite Phase" des Angriffs mit schwerer Artillerie auf die westlichen Stadtteile habe begonnen. Bei der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle hieß es, in Westaleppo hätten die Rebellen drei Autobomben explodieren lassen.

Die oppositionsnahe Einrichtung sprach von 15 Toten im Westen der Stadt, darunter vier Kinder. Seit dem vergangenen Freitag seien damit 69 Zivilisten getötet worden, unter ihnen 23 Kinder.

Die Aufständischen versuchen seit fast einer Woche, den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Im Stadtteil Dahijet al-Assad zündeten sie am Donnerstag Autoreifen an, um durch den aufsteigenden schwarzen Rauch vor der gegnerischen Luftwaffe geschützt zu sein.

"Humanitäre Pause"

Der russischen Präsident Wladimir Putin hatte die "humanitäre Feuerpause" für Aleppo angekündigt. Sie soll bis 18 Uhr (MEZ) dauern. Die Entscheidung sei in Absprache mit den syrischen Behörden erfolgt, hieß es in Moskau. Das russische Militär rief bewaffnete Kämpfer und Zivilisten dringend zum Verlassen der Stadt auf. Es seien eine halbe Million Flugblätter abgeworfen worden, um über die Korridore aus dem eingekesselten Ostteil Aleppos zu informieren, sagte Generalleutnant Sergej Rudskoj in Moskau. Die russische Luftwaffe unterstützt seit September 2015 die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad.

Die einstige Wirtschaftsmetropole im Norden Syriens ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und Regierungssoldaten geteilt und schwer umkämpft. Am 18. Oktober setzten Damaskus und Moskau ihre Offensive aus, und ließen damals bereits eine dreitägige "humanitäre Feuerpause" in Kraft treten. Hilfsorganisationen gelang es aber kaum, Zivilisten zu versorgen und aus den Kampfgebieten zu bringen.

qu/rk (afp, APE, dpae)

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