Wodka gibt es nur in Russland? Von wegen! Es ist seit 500 Jahren das Nationalgetränk in Polen. Jetzt bekommt es ein eigenes Museum: Am Dienstag (12. Juni) eröffnet das Polnische Wodka-Museum in Warschau.
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Könige und Bauern tranken ihn, er galt als Medizin, und während des Zweiten Weltkriegs wurden mit ihm die deutschen Besatzer bestochen: der polnische Wodka. Jetzt eröffnet in Warschau, im angesagten Stadtteil Praga unweit der Altstadt, ein neues Museum, das sich ausschließlich der 500-jährigen Geschichte des hochprozentigen polnischen Nationalgetränks widmet.
In dem denkmalgeschützten Museumsgebäude aus dem 19. Jahrhundert brannte früher die Firma Koneser die (immer noch existierenden) Wodkamarken Wyborowa und Luksusowa. "Polen ist die Wiege des Wodkas", so der Präsident der Polnischen Wodka-Vereinigung, Andrzej Szumowski. "In Russland wurde Wodka erst 100 Jahre später Nationalgetränk", kommentiert er den Streit zwischen den beiden Ländern um die Frage, wer die Heimat des Wodka sei.
Ein Museum ausschließlich für den polnischen WodkaBild: picture-alliance/dpa/C. Sokolowski
Abhilfe bei der Klärung dieser Frage will das Polnische Wodka-Museum schaffen. Besucher können darüber bei einer Spirituosen-Verkostung diskutieren. Der Besucher erfährt in der Ausstellung, wie "Polnischer Wodka" nach traditionellem Rezept aus heimischen Kartoffeln oder Getreide hergestellt wird. Neben der Brennerei-Tradition wird auch die Trinkkultur des osteuropäischen Landes vorgestellt.
Trotz ihrer längeren Geschichte können die Polen den Russen beim Pro-Kopf-Verbrauch nicht "das Wässerchen" reichen: Die Russen trinken jährlich 16 Liter Hochprozentiges, die Polen kommen auf 6,5 Liter.
fm/ks (AFP, NYtimes)
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In der Hauptstadt von Polen ist Kontrastprogramm angesagt. Könige, Besatzer und Diktatoren haben in Warschau ihre Spuren hinterlassen. In allen Epochen haben aber auch Freiheitskämpfer und Künstler das Leben mitgeprägt.
In der Hauptstadt von Polen ist Kontrastprogramm angesagt. Könige, Besatzer und Diktatoren haben in Warschau ihre Spuren hinterlassen. In allen Epochen haben aber auch Freiheitskämpfer und Künstler das Leben mitgeprägt.
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Kulturpalast
Die moderne Skyline wächst rund um den Kulturpalast aus dem Jahr 1955. Er ist mit 230 Meter immer noch Polens höchstes Gebäude. Das Relikt aus der Stalin-Zeit ist für viele Polen ein Symbol der Unterdrückung durch die Sowjetunion, aber der Kulturpalast ist auch ein markantes Wahrzeichen für Warschau. Den besten Blick auf die Millionenmetropole bietet eine Aussichtsplattform im 30. Stockwerk.
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Fassadenkunst
Das Haus Pod Murzynkiem (Zum Mohren) steht im historischen Stadtkern aus dem 13. Jahrhundert. Aus der grafisch gestalteten Fassade ragt der Kopf eines schwarzen Prinzen, vielleicht ein Hinweis, dass die Besitzer als Kaufleute Handelsbeziehungen nach Übersee hatten. Rund um den Altstädtischen Marktplatz (Rynek Starego Miasta) wurden zahlreiche kriegszerstörte Gebäude rekonstruiert.
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Schlossplatz - Plac Zamkowy
In der Nähe des Altstädter Marktes stehen die 22 Meter hohe Sigismund-Säule von 1644 mit der Bronzestatue von König Sigismund III. und das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Königsschloss. Sie symbolisieren Warschaus Aufstieg zur polnischen Hauptstadt im 16. Jahrhundert. 1980 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
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Markthalle
Die mehr als 100 Jahre alte Warschauer Markthalle ist die erste des Landes, die umgebaut als hippe Location mit Restaurants, Bars und Geschäften, 2016 eröffnet wurde. Darauf hatten viele Hauptstädter mehr als zehn Jahre gewartet. Nun strömen die Besucher in Scharen in die "Hala Koszyki". Geöffnet ist von 08:00 Uhr bis nach Mitternacht.
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Museum der Geschichte der polnischen Juden
Warschau hatte bis 1939 die größte jüdische Gemeinde Europas. Das Museum liegt dort, wo nach dem deutschen Überfall auf Polen alle ca. 380.000 Gemeindemitglieder im Ghetto zusammengepfercht wurden. Ein Aufstand gegen die Deportationen, angeführt von Mordechai Anielewicz, wurde im Mai 1943 von den Nazis beendet, die Große Synagoge gesprengt. Das Museum erhielt 2016 den Europäischen Museumspreis.
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Universitätsbibliothek
Für die Universitätsstadt Warschau stehen Neubauten wie das Wissenschaftszentrum Kopernikus (Centrum Nauki Kopernik) und die Uni-Bibliothek. Neben drei Millionen Werken hat sie einen üppigen Park und einen riesigen frei zugänglichen Dachgarten zu bieten - leider nicht komplett barrierefrei. Hier picknicken Studenten, treffen sich Pärchen und flanieren Spaziergänger.
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Hommage an David Bowie
Im Stadtteil Żoliborz gestaltete der polnische Künstler Dawid Celek ein Wandbild für den 2016 verstorbenen britischen Musikstar, der in den 1970ger Jahren die Stadt besuchte und in seinem Song "Warszawa" verewigte. In der Marii-Kazimiery-Straße schaut Bowie im klassischen Ziggy-Stardust-Look mit einem zackigen Kulturpalast vor dem Auge auf seine Bewunderer.
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Frédéric Chopin Museum
Alles zu Leben und Werk des polnisch-französischen Komponisten und Pianisten (1810-1849) ist hier multimedial aufbereitet. Auch eins der berühmten Pleyel-Klaviere, auf denen er am liebsten spielte, ist ausgestellt. Mit acht Jahren trat Frédéric Chopin im Warschauer Radziwill-Palais erstmals öffentlich auf. An seinem Denkmal im Łazienki Park gibt es an Sonntagen kostenlose Konzerte.
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Blick in die Vergangenheit
Warschau galt vor dem Zweiten Weltkrieg als eine der schönsten Städte Europas. Deutsche Bomben zerstörten das historische Stadtbild nahezu vollständig. Im Internet gibt es virtuelle Spaziergänge anhand erhaltener Pläne und Fotos von Gebäuden, die heute nicht mehr existieren. Virtuelle Touren durch die verschwundene Stadt werden auch im Warschauer Park Miniatur Województwa Mazowieckiego angeboten.
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Nationalstadion
Wie eine Krone erstrahlt das für die Fußball-EM 2012 neu errichtete Nationalstadion (Stadion Narodowy) auf einem Erdwall aus Ruinenschutt an der Weichsel. Rund 60.000 Zuschauer passen hinein. Die Poniatowskibrücke verbindet das urbane linke Flussufer mit dem wegen seiner naturbelassenen Strände beliebten rechten Ufer, wo sich gerade das Stadtviertel Praga zum neuen Szenequartier entwickelt.