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PolitikVenezuela

Nicolás Maduro: Machthaber und Drogenbaron?

7. Januar 2026

Jahrelang regierte Venezuelas Staatschef mit harter Hand: Er ließ Oppositionelle verfolgen und Wahlen fälschen, ging auf Konfrontation mit den USA und wirtschaftete sein Land herunter. Aber ist er auch ein Drogenbaron?

Porträt von Venezuelas festgenommenem Präsidenten Nicolas Maduro
Venezuelas festgenommener Präsident Nicolas MaduroBild: Java

25 Seiten stark ist die Anklageschrift, die die US-Staatsanwaltschaft gegen Nicolás Maduro verfasst hat. Darin wird dem umstrittenen venezolanischen Machthaber vorgeworfen, jahrelang ein staatlich gestütztes Drogenterror-Netzwerk betrieben zu haben.

Maduro, so heißt es, habe mit der kriminellen venezolanischen Bande Tren de Aragua zusammengearbeitet, die mittlerweile in ganz Lateinamerika operiert; außerdem mit der kolumbianischen FARC-Guerilla sowie dem mexikanischen Sinaloa-Kartell, um tonnenweise Kokain in die USA zu schmuggeln und sich damit persönlich zu bereichern. Venezuela sei systematisch zu einem Drehkreuz für den internationalen Kokainhandel ausgebaut, staatliche Flugzeuge und sogar der Präsidentenhangar seien für Kokaintransporte genutzt worden.

Vom Busfahrer zum Präsidenten

Die Bilder, auf denen zu sehen ist, wie der 63-jährige Maduro in Sträflingskleidung mit einem gepanzerten Gefängnisbus zu einem New Yorker Gericht gebracht wurde, gingen um die Welt. Dabei arbeitete Nicolás Maduro Moros zu Beginn seiner Karriere Anfang der 1990er Jahre einst selbst als Busfahrer - in Venezuelas Hauptstadt Caracas.

Von Venezuelas Präsidentenpalast auf eine New Yorker Anklagebank: Nicolás Maduro auf dem Weg zum GerichtssaalBild: Eduardo Munoz/REUTERS

Bei der dortigen Transportgesellschaft schwang er sich schnell zum Gewerkschaftsführer auf. Dass er zuvor mit einem Stipendium ein Jahr lang politische Schulungskurse auf Kuba besucht hatte, kam ihm dabei zugute. Seine politische Prägung bewog ihn wohl auch dazu, sich der von Hugo Chávez gegründeten Bolivarianischen Revolutionsbewegung anzuschließen. Chávez selbst saß zu der Zeit in Haft, da er kurz zuvor einen blutigen Militärputsch angeführt hatte, der jedoch scheiterte.

Nach nur zwei Jahren wurde Chávez 1994 begnadigt; gerade einmal vier Jahre später wurde er offiziell zum Präsidenten gewählt. In dessen Windschatten legte auch Nicolás Maduro eine steile politische Karriere hin: sechs Jahre lang war er einfacher Abgeordneter, dann Präsident der Nationalversammlung, Außenminister und zum Schluss, als Hugo Chávez bereits schwer an Krebs erkrankt war, sogar Vizepräsident. 

Karriere im Schatten seines Vorgängers: An die Beliebtheitswerte von Hugo Chávez kam Nicolás Maduro nie heranBild: Matias Delacroix/AP/picture alliance

Kurz vor seinem Tod ernannte Chávez Maduro zu seinem Nachfolger. Doch während sich um den charismatischen Chávez schon zu dessen Lebzeiten ein regelrechter Personenkult entwickelt hatte, wirkte Maduro anfangs eher hölzern und unbeholfen. Hauchdünn gewann er im April 2013 die ersten Wahlen nach Chávez' Tod; Oppositionelle und internationale Wahlbeobachter warfen ihm jedoch Manipulationen und Einschüchterungen, Gewalt, Inhaftierungen und Folter vor - ein Muster, das sich auch bei den kommenden Präsidentschaftswahlen 2018 und 2024 wiederholen sollte. 2021 nahm der Internationale Strafgerichtshof dazu Ermittlungen auf. Dennoch hielt Maduro sich insgesamt mehr als zwölf Jahre an der Macht.

Venezuelas dramatischer Staatszerfall

Zwölf Jahre, in denen Maduro zwar nicht mehr Bus, dafür aber das gesamte Land ziemlich an die Wand fuhr. Politisch regierte er mit der Zeit immer autoritärer; mehrfach versuchte er, das Parlament aufzulösen; Gegner wie die aktuelle Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado wurden verfolgt, andere verhaftet, gefoltert oder verschwinden gelassen. Die Vereinten Nationen warfen Maduro wiederholt Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Nach jeder Wahl das gleiche Bild: Anhänger der Opposition gehen auf die Straße, um gegen Nicolás Maduro zu protestieren Bild: Jeampier Arguinzones/dpa/picture alliance

Auch wirtschaftlich erlebte das Land einen beispiellosen Niedergang. Schon zu Maduros Amtsantritt stützte sich Venezuelas Wirtschaft zu mehr als 90 Prozent auf Ölexporte, doch der fallende Ölpreis führte zu dramatischen Einnahmeverlusten. Das Bruttoinlandsprodukt brach ein, die Regierung druckte vermehrt Geld, um der Verschuldung Herr zu werden und verursachte so eine Hyperinflation. Die Armutsquote des Landes stieg bis 2018 auf über 90 Prozent. Fast jeder vierte Venezolaner ist inzwischen wegen der massiven Wirtschaftskrise ins Ausland geflohen.

Kritiker der bisherigen Regierung machten in erster Linie Maduros politisches Missmanagement und die ausufernde Korruption für die Wirtschaftskrise verantwortlich; seine Anhänger hingegen sehen die Ursachen neben den fallenden Ölpreisen vor allem darin, dass die USA und andere Staaten Sanktionen gegen das Land verhängt und gegen Venezuela einen regelrechten "Wirtschaftskrieg" vom Zaun gebrochen hätten.

Bündelweise Geldscheine: Unter Nicolás Maduro schlitterte Venezuela in eine HyperinflationBild: DW

Maduro im Fadenkreuz der USA

Tatsächlich hatte sich auch das Verhältnis zwischen Venezuela und den USA in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert. Schon Hugo Chávez hatte einen sozialistischen, offen anti-amerikanischen Kurs eingeschlagen und die Nähe zu Staaten wie Russland, China, Kuba oder dem Iran gesucht. Berühmt wurde seine Rede vor der UN-Vollversammlung 2006, als er den damaligen US-Präsidenten George W. Bush als "Teufel" bezeichnete und sagte, der "Gestank des Schwefels" hänge noch im Raum, nachdem Bush dort gesprochen hatte. Kurz zuvor hatten die USA ein Waffenembargo gegen Venezuela verhängt, das bis heute gilt.

Chávez' Nachfolger Maduro setzte den Konfrontationskurs mit den USA fort. Schon unter Präsident Barack Obama wurden führende Venezolaner aus Politik und Wirtschaft mit Sanktionen belegt. Maduro beschuldigte Obama damals, dieser wolle "meine Regierung beseitigen und in Venezuela intervenieren, um die Kontrolle zu übernehmen".

Seit Maduros Amtsantritt 2014 ist die Ölförderung in Venezuela stark zurückgegangenBild: Yuri Cortez/AFP

In Donald Trumps erster Amtszeit eskalierte der Streit weiter. Trump belegte Maduros Regierung mit weitreichenden Öl- und Finanzsanktionen, fror Venezuelas Auslandsvermögen ein und unterstützte bei den Wahlen 2018 offen dessen Gegenkandidaten Juan Guaido. Nach einem äußerst umstrittenen Wahlgang konnte Maduro sich letztlich weiter an der Macht halten. Auch bei den letzten Wahlen im August 2024 setzte sich Maduro durch - zuvor hatte er jedoch mehrere führende Oppositionspolitiker von der Wahl ausschließen lassen.

Maduro als Drogenbaron? 

Während Donald Trumps zweiter Amtszeit eskalierte der Streit mit Nicolás Maduro immer mehr. Im August 2025 verhängte Washington gegen ihn ein Kopfgeld in Höhe von 50 Millionen US-Dollar - es war die höchste je von den USA ausgerufene Summe zur Ergreifung einer Einzelperson. Zur Begründung hieß es, Maduro stehe dem sogenannten Cartel de los Soles vor, einer Gruppe venezolanischer Sicherheitskräfte, die in den Kokainhandel verwickelt sein sollen.

Schon seit Jahren bestehen umfangreiche US-Anklagen gegen Maduro, seine Frau und andere, die ihn beschuldigen, Teil eines großen Drogen- und Korruptionsnetzwerks zu sein. US-Geheimdienste halten eine direkte staatliche Koordination jedoch nicht für eindeutig belegt. Auch gibt es bislang keinerlei internationalen Gerichtsurteile oder UN-Berichte darüber, dass Maduro tatsächlich Drogenhandel betrieben hat. Auch im jüngsten UN-Weltdrogenbericht spielt Venezuela als Produktions- und Transitland nur eine untergeordnete Rolle.

Wie lange der Prozess gegen Nicolas Maduro dauern wird, ist offenBild: Adam Gray/REUTERS

Maduro selbst plädierte bei seiner ersten Anhörung in New York auf "nicht schuldig". Er sei "ein anständiger Mann", "legitimer Präsident seines Landes" und ein "Kriegsgefangener der USA". Danach wurde der 63-Jährige zurück in sein Gefängnis nach Brooklyn gebracht. Bis zum eigentlichen Prozessauftakt könnten noch mehrere Monate vergehen.

Thomas Latschan Langjähriger Autor und Redakteur für Themen internationaler Politik