Dutzende Festgenommene sterben in Nigeria in Haft
18. September 2026
Im Norden Nigerias sind 37 Männer kurz nach ihrer Festnahme im Gewahrsam einer paramilitärischen Sicherheitseinheit gestorben. Sie waren am 15. und 16. September bei Razzien gegen mutmaßlich illegalen Bergbau im Bundesstaat Niger festgenommen worden.
Nach Angaben der Sicherheitsbehörde Nigeria Security and Civil Defence Corps (NSCDC) wurden zahlreiche Gefangene in den frühen Morgenstunden des 17. September tot aufgefunden. Der Gouverneur des Bundesstaates, Mohammed Umaru Bago, bestätigte die Todesfälle.
Die genaue Ursache ist bislang ungeklärt. Die NSCDC hatte zunächst einen möglichen Krankheitsausbruch genannt. Später erklärte die Behörde, medizinische Untersuchungen müssten die Todesursache klären. Die Leichen wurden dafür in ein Krankenhaus in Minna gebracht.
Überlebende berichten von Hitze und Sauerstoffmangel
Überlebende schildern jedoch andere Umstände. Sechs von ihnen sagten einem lokalen Fernsehsender, die Festgenommenen seien gemeinsam in einer sehr kleinen und überfüllten Zelle untergebracht worden. Dort hätten Hitze und Sauerstoffmangel geherrscht.
Sie hätten mitansehen müssen, wie andere Gefangene nach und nach starben. Die Männer hätten gegen die Zellentür geschlagen, die Beamten hätten sie jedoch nicht geöffnet, berichteten die Überlebenden.
Auch Angehörige erheben schwere Vorwürfe. Die Mutter eines Verstorbenen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, ihr Sohn sei in einer völlig überfüllten Zelle festgehalten worden. Die Übergabe von Lebensmitteln sei verweigert worden. Die NSCDC äußerte sich zu diesen Vorwürfen zunächst nicht.
Innenminister suspendiert zuständigen Kommandanten
Die Polizei und die NSCDC kündigten Untersuchungen der Todesfälle an. Innenminister Olubunmi Tunji-Ojo suspendierte zudem den für den Bundesstaat Niger zuständigen NSCDC-Kommandanten bis zum Abschluss der Ermittlungen.
Zu den Festnahmen war es bei Razzien in mutmaßlich illegalen Goldminen im Gebiet Wushishi-Lukoto westlich der Regionalhauptstadt Minna gekommen.
Nach Bekanntwerden der Todesfälle kam es dort zu Protesten. Angehörige, Bergleute und Unterstützer forderten Aufklärung und Gerechtigkeit. Nach Angaben von Anwohnern beschädigten wütende Demonstranten auch Fahrzeuge. Die Polizei setzte zudem Tränengas ein. Am Freitag beruhigte sich die Lage, Sicherheitskräfte blieben jedoch stark präsent.
Behörden gehen gegen illegalen Bergbau vor
Der Bundesstaat Niger verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen. Neben Gold werden dort unter anderem Kupfer und Lithium gefördert. Ein großer Teil des Abbaus erfolgt handwerklich. Zugleich zieht der Sektor kriminelle Gruppen an.
Die nigerianischen Behörden gehen deshalb regelmäßig gegen illegalen Bergbau vor. Dabei kommt es immer wieder zu größeren Festnahmewellen. Nach Angaben der Regierung verursacht der unregulierte Rohstoffabbau zudem erhebliche Umweltschäden und entzieht dem Staat Einnahmen.
Nigerias Sicherheitsbehörden stehen seit Jahren wegen der Haftbedingungen in der Kritik. Gefängnisse sind vielfach überbelegt, zahlreiche Häftlinge warten lange auf ein Gerichtsverfahren. Immer wieder gibt es Berichte über Folter, Hunger, Krankheiten und außergerichtliche Tötungen. Dass so viele Menschen unmittelbar nach ihrer Festnahme sterben, ist jedoch ungewöhnlich.
pgr/pg (dpa, rtr, epd)
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