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Terrorismus

Boko Haram bekennt sich zu Schul-Entführungen

15. Dezember 2020

Die Terrorgruppe Boko Haram hat die Verantwortung für die Verschleppung Hunderter Schüler in Nigeria übernommen. Das weckt ungute Erinnerungen an 2014, als die Miliz Hunderte Schülerinnen entführte - teils bis heute.

Nigeria Katsina | Kankara | Angriff auf Schule
Ein Rucksack liegt noch auf der Schulbank - sein Besitzer ist nicht zurückgekehrtBild: Abdullahi Inuwa/REUTERS

Vier Tage, nachdem bewaffnete Männer eine Schule im Norden Nigerias regelrecht überrannt und Hunderte Schüler in ihre Gewalt gebracht haben, hat sich die Terrorgruppe Boko Haram zu  der Tat bekannt. In einer Propagandanachricht sagte ihr Anführer, Abubakar Shekau: "Unsere Brüder stecken hinter der Entführung in Katsina". Die islamistische Gruppe erwartet sich demnach von der Tat, "den Islam zu fördern und un-islamische Praktiken wie westliche Erziehung zu entmutigen". Das Haussa-Wort "Boko" lässt sich frei mit "westliche Bildung" übersetzen, "Haram" kommt aus dem Arabischen und bedeutet "Sünde".

Hunderte werden vermisst

Mindestens 333 Schüler werden noch vermisst, nachdem hunderte Männer auf Motorrädern eine Sekundarschule in Kankara im nordwestlichen Bundesstaat Katsina angegriffen hatten. Die Online-Zeitung "Daily Nigerian" spricht von 668 verschleppten Jungen. Hunderte Schüler flüchteten nach dem Angriff in die umliegenden Wald- und Buschgebiete, sodass die genaue Zahl der verschleppten Jungen nicht bekannt ist. Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Angriff und ordnete eine erhöhte Sicherheitsstufe an allen Schulen an. In Katsina blieben die Schulen vorerst geschlossen. 

Erinnerungen an #BringBackOurGirls

Zunächst wurde die Entführung bewaffneten Banden zugeschrieben, die in der instabilen Region aktiv sind und immer wieder Menschen verschleppen. Katsina zählte bislang nicht zum Operationsgebiet von Boko Haram - die Miliz ist hauptsächlich in der Hunderte Kilometer entfernten Region im Nordosten des Landes aktiv. Das Dreiländereck mit den Staaten Tschad und Kamerun rund um den Tschadsee gilt als besonders unsicher.

Der aktuelle Vorfall weckt ungute Erinnerungen an 2014: Damals hatten Kämpfer von Boko Haram eine Schule in Chibok im nordöstlichen Bundesstaat Borno angegriffen und 276 Schülerinnen entführt. Die Angehörigen der verschleppten Mädchen initiierten damals die Kampagne #BringBackOurGirls. Prominente wie die Schauspielerin Angelina Jolie und die damalige First Lady der USA, Michelle Obama, verstärkten den medialen Druck.

Demonstration für die Freilassung der "Chibok Girls" in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos 2015Bild: Reuters/A. Akinleye

Seitdem wurden immer wieder einzelne Mädchen freigelassen. Einige von ihnen wurden im Austausch gegen von der Regierung festgenommene Terrorkämpfer auf freien Fuß gesetzt. Noch etwa Hundert der Schülerinnen gelten bis heute als vermisst.

ehl/ww (afp, dpa)

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