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KonflikteAfrika

Mosambik: Sorge vor Ausweitung des Konflikts

Antonio Cascais | Nádia Issufo
6. Januar 2022

Die SADC-Militärmission in Mosambiks Unruheprovinz Cabo Delgado erhält wohl mehr Soldaten und mehr Geld. Ein Übergreifen des Konflikts auf andere Provinzen oder gar Nachbarländer soll unbedingt verhindert werden.

Mosambik Pemba | Militär
Bild: DW

Acht SADC-Länder - Angola, Botswana, Demokratische Republik Kongo, Lesotho, Malawi, Südafrika, Tansania und Sambia - haben seit Juli 2021 Truppen und anderes Militärpersonal für die SAMIM-Mission in Nordmosambik bereitgestellt. Der Name steht für Militärmission der SADC, also der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas. Ruanda ist zwar nicht Teil der SADC, hat aber zusätzlich tausend Soldaten nach Cabo Delgado geschickt, die das mosambikanische Militär bei den laufenden Bemühungen unterstützen, die islamistischen Aufständischen aus der rohstoffreichen nordmosambikanischen Provinz zu vertreiben.

Parallelen zu Afghanistan und zu Mali?

Im August wurden zwar zwei Distrikthauptstädte zurückerobert, vor deren Küste künftig Erdgasfelder ausgebeutet werden sollen. Dennoch kann noch lange nicht von Entwarnung gesprochen werden - ganz im Gegenteil, erläutert die südafrikanische Sicherheits- und Terrorismusexpertin Jasmine Opperman im DW-Gespräch: "Die Aufständischen haben sich vorübergehend zurückgezogen und warten in Ruhe ab, bis sich eine Chance zum Gegenangriff bietet. Wahrscheinlich lachen sie sogar angesichts der derzeitigen Lage. Sie gehen einfach in andere Gebiete, etwa in die benachbarte Niassa-Provinz, die ideale Rückzugsmöglichkeiten bietet."

Man könne derzeit keinesfalls von Entwarnung reden, so Opperman weiter. Mosambik werde auch in den nächsten Jahren mit diesem Krieg zu tun haben. Es bestehe die Gefahr, dass sich der Konflikt für längere Zeit in der Region festsetze: "Was wir in Mosambik sehen, erinnert stark an Afghanistan oder Mali. Es wird zunehmend schwerer, der extremen Gewalt in Nordmosambik Herr zu werden und es ist keinesfalls ausgemacht, welche Seite am Ende gewinnt."

SADC weitet SAMIM-Mandat aus

Angesichts der schwierigen Lage findet an diesem Freitag ein SADC-Gipfel per Videokonferenz statt, bei dem es laut der Erklärung der Organisation nur ein Thema gibt: Die Zukunft der SAMIM- Militärmission.

An der SAMIM-Mission beteiligen sich Militärangehörige aus acht SADC-Ländern sowie RuandaBild: DW

Der mosambikanische Sicherheitsexperte Rufino Sitoe erläutert im DW-Interview, dass sich die SADC unter dem Vorsitz des malawischen Präsidenten Lazarus Chakwera bereits mehrmals für eine Verlängerung des SAMIM-Mandats um weitere sechs Monate ausgesprochen habe. Es gehe deshalb vor allem um die Möglichkeiten einer Ausweitung der Mission: "Nach einhelliger Meinung haben die SAMIM-Truppen ihr Potential bisher nicht voll ausschöpfen können. Die Mission könnte deshalb künftig verstärkt Spezialeinheiten einsetzen", fügt Sitoe hinzu. Es gehe jetzt darum, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um die Mission in Cabo Delgado robuster und damit erfolgreicher zu machen.

Es fehlt an Ausrüstung, Verpflegung und Geld

Die prekäre finanzielle Ausstattung ist seit jeher die Hauptbeschränkung der regionalen Organisation, so Sitoe weiter: "Ohne Zweifel befinden sich alle Länder des südlichen Afrikas in einer Finanzkrise, angefangen bei der Regionalmacht Südafrika". Andererseits könnten sie die Mission jetzt nicht einfach aufgeben, denn dann wären alle bisherigen Bemühungen zunichte: "Es gibt Gebiete, die von den Terroristen besetzt waren und zurückerobert wurden, und diese militärischen Erfolge dürfen jetzt nicht einfach gefährdet werden. Das wäre auch dem Image der SADC sehr abträglich. Ich glaube deshalb, dass Ressourcen mobilisiert werden und dass sich die Staaten bemühen werden, diese Mission fortzusetzen".

Die Präsidenten Ruandas (Paul Kagame, links) und Mosambiks (Filipe Nyusi) beim gemeinsamen TruppenbesuchBild: Simon Wohlfahrt/AFP/Getty Images

Vor allem südafrikanische Soldaten hätten in den vergangenen Monaten über fehlende Ausrüstung und sogar über Ernährungsengpässe geklagt, weiß Analyst Rufino Sitoe. "Es ist bedauerlich, dass die SAMIM-Mission logistische Probleme hat. Das ist Gift für die Moral der Streitkräfte. Wenn die Streitkräfte nicht gut ernährt werden, können sie ihren Auftrag nicht erfüllen zu können. Wie sollen sie unter diesen Umständen verhindern, dass die Aufständischen in andere Regionen expandieren?"

Schwierige Koordination

Terrorismusexpertin Jasmine Opperman erinnert daran, dass die Gemengelage in Cabo Delgado hochkomplex ist. Es mangele an einer klaren Strategie sowie an einer Koordination der unterschiedlichen Akteure in der Region: "Es wird immer klarer, dass die verschiedenen Player in Nordmosambik unterschiedliche Interessen haben. Die Ruander handeln vor allem im Auftrag von Frankreich und werden auch von Frankreich finanziert. Da geht es vor allem um die Absicherung der Investitionen in den Flüssiggasprojekten in der Region. SAMIM verfolgt vor allem die Interessen der Gesamtregion, während Maputo vor allem eigene, nationale Interessen im Auge hat. Sie agieren nicht gemeinsam und das hilft langfristig nur den Aufständischen."

Diese geflüchtete Familie will zurück nach Palma - eine der Städte, die die SAMIM-Soldaten zurückerobert hattenBild: Igor G. Barbero/MSF

Derweil scheinen sich die Aufständischen in Cabo Delgado militärisch neu formiert zu haben. Fast täglich verüben sie neue Angriffe und gefährden die militärischen Erfolge der SAMIM in den vergangenen Monaten. Und auch dass die Gewalt vor kurzem auch auf auf die Nachbarregion Niassa übergeschwappt ist, bereitet Beobachtern wie Jasmine Opperman Sorgen: "Die ausländischen Truppen wissen derzeit nicht genau, was ihre Aufgabe ist. Wenn sie nach Niassa geschickt werden, um Aufständische zu jagen, fragen sie sich nicht selten, was sie da überhaupt genau zu suchen haben."

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