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PolitikEuropa

Norwegen schlüpft unter Frankreichs atomaren Schutzschirm

28. Mai 2026

Ist auf die USA unter Donald Trump im Verteidigungsfall noch Verlass? Viele Europäer bezweifeln das. Norwegen nimmt zur Sicherheit ein Angebot aus Frankreich an.

Französisches Atom-U-Boot Le Triomphant aufgetaucht
Ein französisches Atom-U-Boot (Archivbild)Bild: dpa/picture alliance

Norwegen will unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs schlüpfen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat in Paris ein entsprechendes Verteidigungsabkommen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron unterzeichnet.

Bisher befinden sich die europäischen Mitglieder der NATO unter dem atomaren Schutzschirm der Supermacht USA. Seit dem Amtsantritt von Präsident ⁠Donald ⁠Trump in Washington gibt es aber Zweifel, ob die Vereinigten Staaten die Europäer wirklich schützen würden - etwa in einem Konflikt mit Russland.

Norwegen grenzt direkt an Russland - auch wenn die gemeinsame arktische Landgrenze mit gut 200 Kilometern Länge recht kurz ist. Das skandinavische Land im Norden Europas will nun Frankreichs Schutz in Anspruch nehmen. Zuvor hatten bereits Polen und Litauen, die ebenfalls an Russland grenzen, das Angebot aus Paris angenommen.

Reaktion auf russische Bedrohung

Ministerpräsident Støre sagte am Mittwoch der norwegischen Nachrichtenagentur NTB, der Schritt erfolge angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Dazu gehöre die massive russische Aufrüstung - auch im nuklearen Bereich - sowie der Umstand, dass Russland einen umfassenden Krieg gegen ein anderes europäisches Land führe. Gemeint ist der Angriff auf die Ukraine.

Auch wenn sein Land deshalb nun unter Frankreichs Schutzschirm schlüpft, stellte Støre in Paris klar: In Friedenszeiten würden keine Atomwaffen in Norwegen stationiert.

Partner Støre und Macron nach Unterzeichnung in Paris (am Mittwoch): "Vorgelagerte nukleare Abschreckung"Bild: Christian Liewig/Pool/ABACAPRESS/IMAGO

Die Regierung in Oslo habe zugestimmt, "dass Norwegen sich dem anschließt, was wir als vorgelagerte nukleare Abschreckung bezeichnet haben", erläuterte der französische Präsident. Norwegen sei ein wichtiger geografischer und strategischer Partner, mit dem Frankreich bereits eng zusammengearbeitet habe, so Macron. "Um das Bündnisgebiet vor äußeren Bedrohungen zu schützen."

Beide Länder vereinbarten außerdem ein Verteidigungsabkommen mit einer Beistandsklausel im Falle eines Angriffs. Der Schritt erfolge angesichts des Bewusstseins, dass Europa für seine eigene Sicherheit stärker selbst sorgen müsse.

Bemerkenswerter Schritt

Die Entscheidung ist bemerkenswert, da das NATO-Mitglied Norwegen sicherheitspolitisch traditionell eng an die USA gebunden ist. Das Land mit 5,6 Millionen Einwohnern gehört nicht der Europäischen Union an.

Frankreich hatte im März angeboten, seinen Schutzschirm auf andere europäische Länder ⁠auszuweiten. Ein Angriff auf Norwegen könnte damit künftig einen französischen atomaren Gegenschlag auslösen.

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im April erklärt, er wolle die Abhängigkeit von den USA abbauen und auch über einen atomaren Selbstschutz der Europäer reden. Im Hintergrund gibt es Überlegungen, wie man die Verteidigung der EU und Europas verstärkt zusammen ⁠mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien organisieren kann.

Russland und die USA sind mit jeweils ⁠mehr als 5000 Sprengköpfen die größten Atommächte der Welt. Nach Angaben der US-Wissenschaftler-Vereinigung FAS haben Frankreich rund 290 und Großbritannien mehr als 225 Atomwaffen, China kommt auf etwa 500 Sprengköpfe.

Deutschland wirbt um Kooperation mit Kanada

Parallel zu den französisch-norwegischen Gesprächen in Paris hat Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius in Kanada um eine weitreichende Zusammenarbeit geworben. Dabei geht es um den Ausbau der militärpolitischen Beziehungen und um Rüstungskooperationen - darunter auch ein mögliches großes U-Boot-Geschäft. Pistorius traf in Ottawa den kanadischen Premierminister Mark Carney sowie Verteidigungsminister David McGuinty.

Bundesverteidigungsminister Pistorius in Ottawa (am Mittwoch): Will nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starrenBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

"Vor dem Weißen Haus oder einem anderen Gebäude in der Welt zu sitzen und wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, würde uns nicht stärker machen. Es macht uns schwächer", sagte der deutsche Minister auf der kanadischen Rüstungs- und Sicherheitsmesse CANSEC. Deutschland will Kanada als Partner für eine gemeinsame U-Boot-Partnerschaft mit Norwegen gewinnen.

Die Unterseefahrzeuge sollen bei der Werft TKMS in Kiel gebaut werden. TKMS zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Eine Entscheidung soll bis Ende Juni fallen.

AR/pgr (rtr, dpa)

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