Starautor trifft Malerstar: Edvard Munch in Düsseldorf
11. Oktober 2019
Starautor trifft Malerstar: Die Düsseldorfer Kunstsammlung NRW zeigt Werke von Edvard Munch, ausgesucht von Karl Ove Knausgård. Das Museum verführt so zu einem Trip nach Norwegen, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse.
Bild: picture-alliance/dpa/F. Gambarini
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Karl Ove Knausgård zeigt seinen Blick auf Edvard Munch
Welchen Blick hat ein bekannter Schriftsteller auf einen berühmten Maler? Der norwegische Bestsellerautor Karl Ove Knausgård hat in Düsseldorf eine Ausstellung mit Bildern seines Landsmannes Edvard Munch kuratiert.
Bild: Kunstsammlung NRW
Künstlerischer Neuanfang
Für Karl Ove Knausgård markiert "Die Sonne" von 1912 einen Wendepunkt in Munchs Künstlerleben. Der Maler hatte sich nach einer Lebenskrise in die Abgeschiedenheit zurückgezogen. Statt verzweifelter Menschen und unheilvoller Landschaften füllen jetzt immer häufiger gesunde Arbeiter, kräftige Bauern oder auch die stille Natur Munchs Leinwände. Die Sonne - ein künstlerischer Neuanfang.
Bild: Kunstsammlung NRW
Winterlandschaft in Kragerø
Kragerø sei der Ort, sagte Munch einmal, in dem er Norwegen entdeckte. Im Herbst 1908 erlitt der Maler einen Nervenzusammenbruch. Ein halbes Jahr verbrachte er in einer Kopenhagener Nervenklinik. Dann holte ihn sein Vetter Ludvig Ravensberg ab und brachte ihn in das südnorwegische Hafenstädtchen, wo Munch sich erholte. Dort entstand auch diese Winterlandschaft.
Bild: Kunstsammlung NRW
Menschelnder Künstler
Der norwegische Beststellerautor Karl Ove Knausgård hat seinem nicht minder berühmten Landsmann Edvard Munch auf den Zahn gefühlt. Aus über 1000 Werken des Osloer Munch-Museums wählte er 140 Arbeiten aus. Nun präsentiert Knausgard "seinen" Munch als menschelnden Künstler.
Bild: picture-alliance/dpa/F. Gambarini
Der Maler als Porträtist
Auch als Porträtmaler hat sich Edvard Munch einen Namen gemacht. Dieses Bild einer versonnen dreinblickenden "Frau auf dem Sofa" hängt in der Düsseldorfer Munch-Schau, in einer besonderen Porträtabteilung. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård zeigt es als Beispiel für die Kunstfertigkeit des berühmten Malers.
Bild: Kunstsammlung NRW
Lebensgroße Porträts
Knausgård gliederte seine Munch-Schau in vier Themenbereiche. An den Wänden dieser Abteilung hängen, wie der Blick in die Ausstellung zeigt, lebensgroße Porträts. Junge Frauen wie gesetzte Herren blicken die Betrachter an. Auch Munchs dänischer Psychiater Daniel Jacobson erhielt einen Platz in der Porträtreihe.
Bild: Achim Kukulies
Frau mit Mohnblumen
Edvard Munch liebte es, unter freiem Himmel zu malen. Porträts und Naturdarstellungen gehörten während seines ganzen Künstlerlebens zu seinen bevorzugten Motiven. Karl Ove Knausgård hat dieses Bild Munchs ausgewählt, obwohl es nicht zu den bedeutendsten des norwegischen Malers gehört.
Bild: Kunstsammlung NRW
Pionier der modernen Kunst
Zwischen 1913 und 1915 malte Edvard Munch an diesem Bild, es zeigt eine nackte Frau auf dem Schoß eines alten Mannes. In dieser Zeit werden die Bilder des Malers lebhafter und lebensbejahender als früher. Der Erfolg in Norwegen bleibt nicht aus. Auch auf der großen Sonderbund-Ausstellung im rheinischen Köln 1912 würdigt man Munch bereits als Pionier der modernen Kunst.
Bild: Kunstsammlung NRW
Nordische Winternacht
Lange Jahre arbeitet Edvard Munch in Frankreich und Deutschland, bevor er 1909 endgültig in seine Heimat zurückkehrt. 1916 bezieht er das Landgut Ekely am Oslo-Fjord. Die hier entstehenden Werke sind zumeist leuchtend farbig. Die Motive orientieren sich am Alltagsleben der Menschen. Das Bild zeigt eine schneeglitzernde nordische Winternacht.
Bild: Kunstsammlung NRW
Üppige Hängung
Auch das gehört zu Knausgårds Botschaft über Edvard Munch: Der malende Landsmann hatte einen Sinn für den Formen- und Farbenreichtum der Natur. Immer wieder malte er Wälder, Bäume und Stämme. Davon zeugt auch die üppige Hängung von Munchs Bildern in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die Düsseldorfer Schau ist bis 1. März 2020 zu sehen.
Bild: Kunstsammlung NRW
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Während sich am Main die literarische Szene Norwegens präsentiert, gewährt die Düsseldorfer Schau fast schon intime Einblicke in die Kultur des skandinavischen Landes. Denn mit Knausgård verschafft der wohl populärste norwegische Schriftsteller einen besonderen Zugang zu Edvard Munch (1863-1944). Dessen wohl bekanntestes Bild "Der Schrei" ist zwar nicht mit angereist. Doch für seine Ausstellung, die er bereits vor zwei Jahren im Osloer Munch-Museum kuratierte, hat der Bestsellerautor seinem Malerkollegen auf den Zahn gefühlt. Und präsentiert ihn jetzt als sehr menschelnden Künstler. "Schaust du auf Munch", sagt Knausgård, "schaust du auf dich selbst."
Knausgård hat die rund 140 Werke teils in Doppelreihen an bunt gestrichenen Museumswänden aufhängen lassen. Es sind eher unbedeutende Arbeiten des Künstlers. "Er ist so ikonisch, dass man die Bilder nicht mehr sieht", sagt Knausgård über den Mitbegründer der modernen Malerei. Soll heißen: Munchs Werke sind so berühmt, dass der Betrachter sie nur noch reduziert wahrnimmt. So hat Knausgård seine Auswahl aus über 1000 Werken im Keller des Osloer Museums ganz bewusst getroffen.
Munch als menschelnder Maler
Sie stammen aus einem Zeitraum von etwa 50 Jahren, beginnend mit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als der skandalumwitterte Abbruch einer Ausstellung in Berlin Munch schlagartig berühmt machte. Die jüngsten Bilder stammen aus den 1940er Jahren. Die Schau in Düsseldorf ist nach Themen geordnet. "Chaos und Kraft" zeigt Verzweifelte, Trinker, Eifersucht – Menschen in extremen Lebenssituationen. Munch hat sie im Bild verdichtet. "Der Tod des Bohemiens" ist so ein Gemälde, auf dem ein leichenblasser Mann auf einem Bett liegt, die Freunde und Schnapsflaschen an der Seite. Holzschnitte zeigen mit wenigen Linien Landschaften oder sich innig umschlingende Paare.
Munch war auch ein Naturmaler. Zu allen Jahreszeiten malte er Baumstämme, bannte menschenleere Landschaften mit wenigen Zeichen- oder Pinselstrichen auf Papier und Leinwand. Häufig sind es frische, lichtdurchflutete Szenen im Grünen, die expressiv und mit starken Farben ausgeführt sind: Ein Mädchen mit Strohhut gießt Blumen, Frauen in langen Kleidern wandeln unter Bäumen, ein Apfelbaum biegt sich unter der Last der Früchte, Männer baden im Meer. Auf eine Beschilderung der Arbeiten hat Knausgård verzichtet, wohl um vom eigentlichen Bild nicht abzulenken.
Immer die gleichen Motive
Ein Raum zeigt Porträts, darunter eines des dänischen Psychiaters Daniel Jacobson, bei dem Munch wegen einer Nervenkrise in Behandlung war. In dieser Lebensphase in den 1890er Jahren entstanden Munchs bekannteste Werke, die er im so genannten Lebensfries zusammengefasst hat, darunter "Der Schrei", der wie viele Motive Munchs in mehreren Fassungen existiert. Lebensgroße Porträts, Landschaften, Ansichten von Waldstücken, kleinere Szenen des Alltags – diese Themen haben Munch während seines ganzen Künstlerlebens beschäftigt.
Da gibt es ein Feld mit Kohlköpfen in blaugrün, dahinter ein dramatischer Himmel. "Ist das ein Bild vom Tod, ist es Melancholie, ist es nichts weiter als die Landschaft hinter Munchs Haus?" fragte der Schriftsteller. Man wisse es nicht so genau, so Knausgård, "man kann in Munchs Werken Innenwelt und Außenwelt nicht auseinanderhalten."