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24. Juli 2007

"Ich poliere Schuhe, bin 17, und heiße Gulzada. Ich habe nie über eine Ausbildung nachgedacht, ich bin einfach so groß geworden, ohne zur Schule zu gehen. Meine Eltern haben sich nie um eine Ausbildung gekümmert.“

Ein Mädchen schreibt Urdu
Lernen für die Zukunft - Schulmädchen in Pakistan schreibt UrduBild: AP

Gulzada sei keine Einzelfall, sagt der Lehrer Muhammed Zameer. Die Ausbildung der Kinder in Pakistan liege im Argen. „Ich bin der einzige Lehrer hier für fünf Klassen. Wir haben keinen Strom, kein Wasser, keine Schulmöbel. Ich habe beim Bildungsministerium um mehr Personal gebeten, doch auf eine Antwort warte ich immer noch vergeblich.“

Wo sind die Mädchen?

Koranschule in PakistanBild: AP

Die Schule, an der Muhammed Zameer unterrichtet, liegt keine 30 Kilometer von der pakistanischen Hauptstadt entfernt. Doch der Weg wirkt lang, führt über unbefestigte Staubpisten mit tiefen Schlaglöchern, vorbei an Lehmhütten, trockenen Feldern und ausgemergelten Kühen. Die Schule selbst ist nicht mehr als ein quadratischer Betonbau mit nacktem Steinfußboden. 18 Schüler im Alter von 10 bis 13 Jahren sitzen auf dem Boden - unter ihnen ist nicht ein einziges Mädchen.

Die Schüler erklären: „Meine Eltern wollen nicht, dass meine Schwestern zur Schule zu gehen. Sie halten sich an die Bräuche hier. Wenn ein Mädchen erwachsen ist, dann sollte es nicht mehr zur Schule gehen, auch wenn sie es unbedingt will. So ist das eben hier – sie darf dann nicht.”

Plappernde Papageien statt Bildungsbürger

Viele Familien halten es nicht für nötig, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Stattdessen sollen sie lieber zuhause arbeiten. Andere wiederum sind so arm, dass sie sich die Schulgebühren einfach nicht leisten können. In Pakistan besuchen gerade einmal ein Viertel aller Kinder die Schule. Alle anderen sind entweder nie zur Schule gegangen oder haben vorher aufgehört.

Viele Schüler erleben Schule zudem als ein todlangweiliges Experiment, denn der Standard an den meisten Schulen ist der konservative Frontalunterricht, klagt Physikprofessor Pervez Hoodhboy. Er lehrt an der renommierten Quaid-i-Azam Universität in Islamabad. Ihm zufolge stumpfen die Schüler in ihrer Schulzeit regelrecht ab, denn das System funktioniert nach dem Schema: „Gehorcht, lernt auswendig, gehorcht. So züchten wir uns eine ganze Generation von Papageien heran, die nichts anderes können als blind wiederholen.“

Eine Frage des Geldes

Ohne Geld keine BildungBild: picture-alliance/dpa

Gerade einmal zwei Prozent des Staatshaushalts fließen in den Bildungsbereich, über 30 Prozent dagegen sind für Verteidigungsausgaben bestimmt. Doch Pakistan kann sich im Augenblick keine Umschichtung leisten, meint Said Shahed vom Institut für Erziehung und Forschung an der Punjab Universität von Lahore. Man wolle keinen Zwist mit anderen Staaten, aber Indien sei leider der Feind Pakistans und aus diesem Grund brauche man eine große Armee. „Solange das Kaschmir-Problem besteht, solange die Differenzen mit Indien nicht ausgeräumt sind, solange können die Mittel nicht in den Bildungssektor fließen.“

So kommt es, dass der Zugang zu Bildung und Ausbildung in Pakistan im wesentlichen eine Frage des Geldes ist: Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf private Eliteschulen, in denen Lehrinhalte vermittelt und Abschlüsse vergeben werden, die jeden Vergleich mit westlichen Einrichtungen standhalten. Oft durchlaufen die Kinder der Oberschicht ihre Schulkarriere nicht in Pakistan, sondern besuchen Internate im Ausland. Weniger elitär und teuer sind die Schulen, die sich an die breite Mittelschicht richten. Wie an den Eliteschulen ist auch hier die Unterrichtssprache Englisch und auch hier müssen Schulgebühren bezahlt werden. Doch sie liegen weit unter dem, was für die Topschulen hingeblättert werden muss. Für die meisten Familien ist dies aber immer noch unerschwinglich.

Autoren: Peter Koppen und Abdul Hafeez

Redaktion: Peter Koppen

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