Iran-Krieg: Ölpreis über 100 US-Dollar - Börsen auf Talfahrt
9. März 2026
Die Ölpreise setzen wegen des Iran-Kriegs und der sich verschärfenden Lage im Nahen Osten ihren Höhenflug fort. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht zum Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 US-Dollar. Das Niveau konnte er nicht ganz halten, er lag allerdings im Vormittagshandel mit gut 107 Dollar immer noch um mehr als 15 Prozent höher als am Freitag.
Damit stieg der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs am Samstag vor einer Woche kletterte der Preis um fast 50 Prozent nach oben.
Noch etwas stärker fiel der Anstieg bei der US-Sorte WTI aus. Das Leichtöl verteuerte sich in der Nacht zum Montag um bis zu 21 Prozent auf ebenfalls knapp 120 Dollar. Zuletzt lag der Preis bei 104 Dollar pro Fass.
Börsen in Asien krachen nach unten
Die Aktienmärkte in Ostasien brachen angesichts des rasanten Anstiegs der Ölpreise ein. In Tokio lag der japanische Nikkei-Index für 225 führende Werte zum Handelsschluss mehr als fünf Prozent im Minus. Hohe Verluste verzeichnete auch die Börse in Südkorea. In Seoul gaben die Kurse um fast sechs Prozent nach. Auch der deutsche Leitindex DAX begann den Handel mit einem Kursrutsch.
Asien ist stark abhängig vom Import von Öl und Gas aus der Nahost-Region. "Japan und Korea sind riesige Industriemotoren, die mit importiertem Öl betrieben werden. Wenn der Rohölpreis in die Höhe schießt, wirkt sich das direkt auf die Unternehmen aus", erklärte Analyst Stephen Innes von SPI Asset Management. Japanische Medien berichten, Tokio erwäge die Freigabe seiner strategischen Ölreserven.
Große Sorge vor längerer Sperrung der Straße von Hormus
Die Angst vor einer längeren Unpassierbarkeit der Straße von Hormus bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran und den iranischen Gegenangriffen auf Israel und Staaten am Golf passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Über die strategisch wichtige Wasserstraße wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch bedeutend für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar. Viele Investoren befürchten zudem, dass die Lage im Nahen Osten weiter eskaliert und die Ölproduktion in der Region nachhaltig beeinträchtigt und deshalb erst einmal sinken wird.
Katars Energieminister warnt
Ende der vergangenen Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview der Zeitung "Financial Times" vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für die Lieferung von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen müssten. Dann wäre nach den Worten des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich.
Katar ist einer der größten Produzenten von Flüssigerdgas. Das Emirat deckt ungefähr ein Fünftel des weltweiten Bedarfs. Das arabische Land musste seinen Export von Flüssiggas wegen des Kriegs vor einigen Tagen stoppen.
Iran greift wieder Erdölraffinerie in Bahrein an
Auch Bahrain zieht Konsequenzen. Nach einem neuen iranischen Angriff auf eine Raffinerie im Land rief das staatliche Öl- und Gasunternehmen Bapco Energies für seine Lieferungen den Zustand der "höheren Gewalt" (Force Majeure) aus. Diese Erklärung entbindet einen Vertragspartner rechtlich von seinen Lieferpflichten.
Bei dem Angriff war der bedeutende Erdöl-Raffinerie-Komplex Maameer nach Angaben des Betreibers getroffen und durch einen Brand beschädigt worden. Die Anlage war bereits vor wenigen Tagen vom Iran attackiert worden. Bahrain ist unter den Golfstaaten der kleinste Ölproduzent, ist aber Teil des Ölförderverbunds Opec+.
"Hoher Ölpreis kann Wirtschaft Milliarden kosten"
Experten warnen angesichts der stark gestiegenen Energiepreise vor enormen Kosten für Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland. "Zieht sich die Krise über Monate, könnte es für die deutsche Wirtschaft ernst werden", sagte die Handelsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Samina Sultan, der Nachrichtenagentur Reuters.
Nach IW-Berechnungen würde ein Ölpreis von 150 Dollar je Barrel die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr rund 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, also des Gesamtwerts aller Waren und Dienstleistungen, kosten, 2027 dann bereits 1,3 Prozent. "Real verliert Deutschland damit über 80 Milliarden Euro in zwei Jahren", sagte Sultan. "Das trifft die ohnehin fragile Erholung hart."
Gaspreis steigt um weitere 30 Prozent
Auch der Preis für europäisches Erdgas ist wegen des Kriegs im Nahen Osten weiter nach oben gegangen. An der Börse in Amsterdam sprang die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF um rund 30 Prozent in die Höhe und notierte zeitweise bei 69,70 Euro je Megawattstunde (MWh). Anschließend fiel der Preis auf 61,80 Euro. Das sind aber immer noch etwa 16 Prozent mehr als am Freitag.
Mit dem aktuellen Preisanstieg hat sich europäisches Erdgas seit Beginn des Iran-Kriegs in etwa verdoppelt. Es ist der stärkste Anstieg seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren.
Krisentreffen der G7-Gruppe
Die Finanzminister führender westlicher Industriestaaten (G7) wollen an diesem Montag über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Das verlautete aus Regierungskreisen in Frankreich. Zuvor hatte die "Financial Times" darüber berichtet. Das Blatt schreibt, drei G7-Staaten, darunter die USA, hätten dem Vorhaben bereits ihre Unterstützung zugesagt.
Trump sieht in hohen Energiepreisen nur ein kleines Opfer
Nach Auffassung von US-Präsident Donald Trump sind die gestiegenen Ölpreise nur ein kleines notwendiges Opfer angesichts der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm. "Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. "NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!", fügte Trump hinzu.
se/haz (dpa, afp, rtr, ap)
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