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Politik

Hilfe für Hinterbliebene des Olympia-Attentats

31. August 2022

Fast genau vor 50 Jahren wurden bei den Olympischen Spielen in München elf israelische Sportler und ein Polizist getötet. Um Entschädigung für Hinterbliebene gab es lange Streit; jetzt wurde eine Einigung erzielt.

BG Olympiaattentat München 1972
Ein arabischer Terrorist (r) verhandelt am 05.09.1972 mit Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (3.v.l) und weiteren OffiziellenBild: picture alliance / dpa

Nach jahrzehntelangem Streit über die Entschädigung für die Hinterbliebenenfamilien des Olympia-Attentats von 1972 hat die Bundesregierung mit ihnen eine Einigung erzielt. Das teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit.

Er sprach in einer Mitteilung von einer "Gesamtkonzeption" und erklärte, dass dazu die Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine Kommission deutscher und israelischer Historiker gehöre, die rechtskonforme Freigabe von Akten, die Einordnung und Übernahme von politischer Verantwortung sowie die Bereitstellung weiterer Anerkennungsleistungen durch den Bund, durch das Land Bayern und durch die Stadt München.

Familien der Hinterbliebenen wollen jetzt an Gedenkfeier teilnehmen

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr, war zuletzt eine Entschädigungssumme von 28 Millionen Euro im Gespräch. Davon soll der Bund 22,5 Millionen, das Land Bayern 5 Millionen und die Stadt München 500.000 Euro beitragen.

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum hatte zusammen mit Juristen einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei die Hinterbliebenen in den Verhandlungen vertreten. Die Vereinbarung ermögliche auch eine würdige Gedenkfeier am 5. September in Anwesenheit der Präsidenten Izchak Herzog und Frank-Walter Steinmeier und vor allem in Anwesenheit der Hinterbliebenen, die sich unter den neuen Umständen bereit erklärt hätten, an der Feier teilzunehmen, so FDP-Politiker Baum. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte zur Einigung, für sie sei wichtig, "dass wir uns den Menschen, deren Leben durch Anschläge dramatisch verändert wurde, mit mehr Empathie und mehr Unterstützung zuwenden". 

Eine Gedenktafel in München erinnert an die Opfer von 1972Bild: Peter Hille/DW

Befreiungsversuch vor 50 Jahren endete katastrophal

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München die israelische Mannschaft überfallen. Elf Mitglieder des Teams und ein Polizist wurden bei der misslungenen Befreiungsaktion der Polizei am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck bei München getötet. Die Sicherheitsvorkehrungen galten als mangelhaft.

Der ausgebrannte Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes 1972Bild: Göttert/picture alliance/dpa

"Kreis hat sich geschlossen"

Ankie Spitzer, die Witwe des ermordeten Athleten Andrei Spitzer, zeigte sich erleichtert über die Einigung. Sie habe das Gefühl, dass sich "der Kreis endlich geschlossen" habe. Die Hinterbliebenen hätten jetzt alles erreicht, was sie erreichen wollten, sagte Spitzer dem niederländischen Nieuw Israelietisch Weekblad. Bislang waren insgesamt 4,6 Millionen Euro an die Familien der Opfer gezahlt worden.

Ankie Spitzer, Witwe des 1972 getöteten Sportlers Andre SpitzerBild: Maya Alleruzzo/AP Photo/picture alliance

Ein weiteres Angebot, das es vor der jetzt erzielten Einigung gab - angeblich 200.000 Euro pro Familie - hatte Spitzer zuletzt als "Beleidigung" bezeichnet. Für sie sei diese Summe keine angemessene Entschädigung und auch kein ausreichendes Schuldeingeständnis Deutschlands für das mangelhafte Sicherheitskonzept und den vollkommen verunglückten Anti-Terror-Einsatz in Fürstenfeldbruck.

bru/qu (dpa, sid)

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