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Olympia-Abfahrt: Drama um US-Star Lindsey Vonn

8. Februar 2026

Mit gerissenem Kreuzband geht die US-Skirennläuferin bei den Olympischen Spielen auf die Piste - doch sie kommt nicht weit. Der Sturz beendet ihre olympischen Träume und womöglich auch ihre Karriere.

Olympische Winterspiele 2026, Skirennläuferin Lindsey Vonn verhakt sich beim Abfahrtsrennen im Sprung mit dem Arm im Tor
Verhängnisvoller Fehler: Lindsey Vonn verhakt sich im Sprung mit dem Arm im Tor und kommt zu FallBild: Joel Marklund/BILDBYRÅN/picture alliance

Mit verdrehten Knien, die Skier noch an den Füßen, lag Lindsey Vonn im Schnee und man konnte ihre Schmerzensschreie hören. Im gut gefüllten Zielraum an der Tofana-Piste in Cortina d'Ampezzo herrschte Entsetzen und Totenstille.

Tausende Fans waren bereit gewesen, bei den Olympischen Spielen im Abfahrtslauf der Frauen eine Art Hollywood-Story mitzuerleben: Lindsey Vonn, die trotz ihrer schweren Verletzung eine olympische Medaille gewinnt - vielleicht sogar die goldene.

Diskussionen um Start - "Habe keine Schmerzen"

Über ihren Olympia-Start war im Vorfeld divers diskutiert worden. Die Ausnahmefahrerin, die nach einem Comeback mit Teilprothese im rechten Kniegelenk als 41-Jährige noch vorne im Weltcup mitfährt, war im letzten vor-olympischen Rennen in Crans Montana gestürzt und hatte sich das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Trotzdem wollte sie in Cortina antreten.

"Ich habe keine Schmerzen", hatte Vonn bei einer Pressekonferenz nach ihrem Sturz gesagt und reklärt: "Mein Knie ist nicht geschwollen, und mit Hilfe einer Orthese [Kniebandage zur Stabilisierung, Anm.d.Red.] bin ich zuversichtlich, dass ich am Sonntag antreten kann."

Entsetzen im Ziel nach Lindsey Vonns Sturz Bild: Andrew Milligan/PA Wire/dpa/picture alliance

Vonn ging ambitioniert ins Rennen, verhakte sich aber schon nach wenigen Metern bei einem kleinen Sprung mit dem Arm in einem der Tore und drehte sich in der Luft.

Bei der Landung konnte sie das Gleichgewicht nicht halten und stürzte. Schnell waren Betreuer und Ärzte bei ihr. Vonn wurde lange behandelt und schließlich sicher in einer Trage verschnürt zum Rettungshubschrauber aufgeseilt, der sie in die Klinik flog.

Skirennen ohne Kreuzband - nicht so verrückt, wie man denkt

Dass Skirennläufer bei Weltcup-Rennen oder großen Meisterschaften mit Kreuzbandriss an den Start gehen, ist dabei nicht so ungewöhnlich oder verrückt, wie es sich vielleicht anhört.

Das vordere Kreuzband, das bei Vonn gerissen war, ist nur eine von mehreren Strukturen, die im Kniegelenk für Stabilität sorgen: Es gibt daneben noch das (stabilere) hintere Kreuzband, Innen- und Außenbänder, Gelenkkapsel, Patellasehne und natürlich die Muskeln.

Der Quadriceps, der große Oberschenkelmuskel, der bei Skirennläufern ohnehin gut trainiert und ausgeprägt ist, muss die Funktion des vorderen Kreuzbands mit übernehmen und ein zu starkes Verschieben im Kniegelenk verhindern.

Daher: Liegt eine sogenannte "isolierte Ruptur" des Kreuzbandes vor und keine anderen Strukturen wie Seitenbänder oder Menisken sind betroffen, was in der Regel eine Operation unumgänglich macht, ist ein Weiterfahren möglich.

Gerg, Hählen und Hemetsberger als Beispiele

Hilde Gerg, einst eine der erfolgreichsten deutschen Skirennfahrerinnen und Olympiasiegerin von 1998, fuhr zwei Wochen nach ihrem Kreuzbandriss wieder auf ein Weltcup-Podium.

Joana Hählen, Abfahrt-Spezialistin aus der Schweiz, fährt seit Jahren ohne intakte Kreuzbänder in beiden Knien im Weltcup. Sie ist allerdings bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina nicht am Start.

Blaues Auge und Zahnlücke, aber intakte Knie: Daniel Hemetsberger wird bei der Olympia-Abfahrt am Ende SiebterBild: Rebecca Blackwell/AP Photo/dpa/picture alliance

Anders Daniel Hemetsberger: Der Österreicher zog sich 2018 auf der diesjährigen Olympia-Piste in Bormio den bereits vierten Kreuzbandriss seiner Karriere zu. Diesmal ließ er sich nicht operieren und fährt seitdem ohne vorderes Kreuzband im rechten Knie.

Beim Training zur Olympia-Abfahrt stürzte er so schwer, dass ihm der Helm vom Kopf rutschte. Hemetsberger schlug in den Fangzaun ein, hatte Prellungen, ein blaues Auge und verlor mehrere Zähne, die Knie aber hielten.

Vonn operiert - Ende einer großen Karriere?

Bei Lindsey Vonn sah es zunächst so aus, als sei das nicht der Fall. "Das war definitiv das Letzte, was wir sehen wollten", sagte Vonns Schwester Karin Kildow beim US-Streamingdienst Peacock. "Sie gibt immer 110 Prozent, niemals weniger. Ich weiß, dass sie ihr ganzes Herzblut hineingesteckt hat, und manchmal passieren eben solche Dinge. Es ist ein sehr gefährlicher Sport."

Nach längerer Behandlung wird die verletzte Lindsey Vonn mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik gebrachtBild: Joel Marklund/BILDBYRÅN/picture alliance

Über die Schwere der Verletzung war zunächst nichts bekannt. Später meldete das Krankenhaus in Treviso, dass Vonn eine Fraktur im linken Unterschenkel erlitten habe und operiert worden sei.

"Auch wenn der gestrige Tag nicht so verlaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte, und trotz der starken körperlichen Schmerzen, die er verursacht hat, bereue ich nichts", schrieb Vonn am Montagabend auf Instagram und bestätigte eine komplexe Schienbeinfraktur, die mehrfach operiert werden müsse, um zu heilen. Sie betonte aber: "Mein Kreuzband und frühere Verletzungen hatten nichts mit meinem Sturz zu tun."

Nach Ansicht ihres Vaters sollte die Olympia-Abfahrt von Cortina Vonns letztes Rennen gewesen sein. "Sie ist 41 Jahre alt, und das ist das Ende ihrer Karriere", sagte Alan Kildow der Nachrichtenagentur AP. "Solange ich da noch ein Wörtchen mitzureden habe, wird Lindsey Vonn keine Skirennen mehr fahren."

Hört sie auf ihren Vater, wird Vonn als Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin, mit 85 Weltcup-Siegen abtreten - und auf tragische Art und Weise. 

Olympischer Traum für Johnson und Aicher

Freuen durfte sich dagegen eine andere US-Amerikanerin, die anstelle von Vonn eine hollywoodreife Geschichte schrieb.

Breezy Johnson hat noch nie in ihrer Kariere ein Weltcup-Rennen gewonnen. Allerdings gewann sie am 8. Februar 2025 die Weltmeisterschafts-Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm. Genau ein Jahr später stand sie zum zweiten Mal ganz oben auf dem Podest: als Olympiasiegerin in der Abfahrt.

Medaillengewinnerinnen: Emma Aicher, Breezy Johnson und Sofia Goggia (v.l.n.r.)Bild: IPA Sport/ABACA/picture alliance

Nur 0,04 Sekunden hinter ihr kam die Deutsche Emma Aicher ins Ziel und gewann die Silbermedaille. "Echt geil", fand die 22-Jährige den bislang größten Erfolg ihrer Karriere und beschrieb die Zeit im Ziel, in der sie warten musste, ob es für eine Medaille reicht, als nervenzerreißend.

"Ich bin eigentlich nie nervös", sagte Aicher im Interview mit dem deutschen Fernsehen. "Aber so nervös wie heute war ich noch nie. Ich ging mir schon selber auf den Sack, weil ich so nervös war."

Dritte wurde die Italienerin Sofia Goggia, die bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend noch die Ehre gehabt hatte, auf der Piazza Dabona von Cortina d'Ampezzo das olympische Feuer zu entzünden.

Der Artikel wurde nach der Operation sowie dem Instagram-Post Vonns und der Äußerung ihres Vaters aktualisiert.

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