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Orthodoxe Weihnachten in Zentralasien

7. Januar 2003

– In Kirgisistan ist das christliche Fest offizieller Feiertag, aber auch in den übrigen ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken wird es begangen

Köln, 7.1.2002, DW-radio/Russisch

Die zahlreiche orthodoxe Gemeinschaft in Zentralasien, die in den vergangenen zehn Jahren jedoch kleiner geworden ist, begeht das orthodoxe Weihnachtsfest. In jedem der Länder sehen die Regierungen und Bürger der überwiegend muslimischen Staaten dieses Fest unterschiedlich. In Kirgisistan ist Weihnachten beispielsweise ein Feiertag und in Kasachstan steht das Weihnachtsfest auf der Tagesordnung des Parlaments. Aus Almaty berichtet Jewgenija Wyschemirskaja:

Abgeordnete des kasachischen Parlaments schlagen vor, im Lande einen neuen offiziellen Feiertag einzuführen – das orthodoxe Weihnachtsfest. Wie aus einer am Montag (6.1.) verbreiteten Pressemiteilung des Unterhauses des kasachischen Parlaments hervorgeht, schlägt eine Gruppe von Abgeordneten vor, das Gesetz "Über die Feiertage" um große religiöse Feste zu ergänzen, und zwar um die muslimischen Feste Kurban-ajt und Ramasan-ajt, aber auch um das orthodoxe Weihnachten und Mariä Verkündigung. Vorgeschlagen wird, die genannten Feiertag den staatlichen gleichzusetzen und arbeitsfrei zu machen. Das teilte die Abgeordnete Alimpiada Tschkaschina mit, die unter anderem die Gesetzesänderung initiiert hat.

In der Nacht vom 6. auf dem 7. Januar werden in orthodoxen Gotteshäusern in Kasachstan Weihnachtsgottesdienste gefeiert. Das erklärte der Vorsteher der Himmelfahrts-Kirche, Erzpriester Walerij Sacharow. Ihm zufolge besuchen Priester an den Weihnachtstagen traditionell Waisenhäuser, Krankenhäuser, Kasernen und Gefängnisse. Der Priester sagte ferner, dass seit zehn Jahren ein deutlicher Anstieg Gläubiger unterschiedlicher christlicher Religionen zu verzeichnen sei. Seinen Worten nach leben derzeit allein in Almaty mehrere Zehntausend orthodoxe Christen. Im Zusammenhang mit dem im kasachischen Parlament eingebrachten Gesetzentwurf, der einen offiziellen Status für orthodoxe und muslimische Feiertage vorsieht, unterstrich Walerij Sacharow, dass bei der Debatte "äußerst vorsichtig und weise vorgegangen werden muss".

In Tadschikistan stellen die russischen Militärangehörigen, die die Staatsgrenze des Landes schützen, einen großen Anteil an den orthodoxen Christen. Es berichtet Nigora Buchari-sade:

Tausende orthodoxer Christen versammelten sich am 6. Januar bei der Sankt Nikolaus-Kirche in der tadschikischen Hauptstadt, wo am Nachmittag ein Weihnachtsgottesdienst begann. Unter den Gläubigen waren viele Militärs der russischen 201. Motorisierten Schützendivision, die im Lande stationiert ist. Viele von ihnen mussten Hunderte Kilometer weit fahren, da es in den Orten, wo sie stationiert sind, keine orthodoxen Kirchen gibt. Übrigens ist erstmals in der Geschichte der postsowjetischen russischen Armee gerade bei der 201. Division in der Garnison in Duschanbe vor einigen Jahren eine Regiments-Kirche errichtet worden. Dafür erhielt der Regiments-Priester, Vater Aleksij, der innerhalb der Garnison gewöhnlicher Panzersoldat war, sogar den Tapferkeitsorden. Wegen der Verlegung und wegen der Umstrukturierung der Division wurde die Militär-Kirche abgebaut. Der Regiments-Priester ist inzwischen aus Gesundheitsgründen in der Reserve. Alle, die zum Weihnachtsgottesdienst in die Sank Nikolaus-Kirche kommen, wird jetzt nur der einzige im Lande noch verbliebene orthodoxe Priester, Vater Sergej, begrüßen. (...)

Auch in Turkmenistan begehen die orthodoxen Christen das Weihnachtsfest. Man muss darauf aufmerksam machen, dass in diesem Land die Orthodoxie die einzige zugelassene christliche Konfession ist. Weihnachtsgottesdienste, zu denen Hunderte von Gläubigen kommen, werden in 12 orthodoxen Gemeinden gefeiert, die sich in allen Gebieten des Landes befinden. Die Orthodoxie ist im Lande weit verbreitet und sie kann auf eine lange geschichtliche Tradition zurückblicken. Das Christentum wurde auf dem Gebiet des heutigen Turkmenistans bereits im ersten Jahrhundert verbreitet. Eine starke Verbreitung des Christentums, vor allen des orthodoxen, fand auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Nachdem Zentralasien unter russische Herrschaft gekommen war, etablierte sich in Turkmenistan die Russisch-Orthodoxe Kirche, die dort bis heute tätig ist.

In Taschkent befindet sich die größte orthodoxe Kirche Zentralasiens. Vor dem Weihnachtsfest gab der Metropolit von Taschkent und Zentralasien, Wladimir, der Korrespondentin der Deutschen Welle, Natalija Buschujewa, ein Interview.

(Metropolit Wladimir) "Die orthodoxen Christen, die in Usbekistan leben, begehen dieses Fest sehr feierlich. Wir wissen, das manche Christen dieses Fest nach dem neuen und manche nach dem alten Kalender begehen. Die Zahlen stören uns aber nicht. Das Wichtigste ist, dass das Fest den Christen Freude bringt." (...)

In Usbekistan gibt es etwa 30 orthodoxe Gotteshäuser und dort wird derzeit auch das einzige geistliche orthodoxe Verwaltungszentrum in Zentralasien errichtet.

(Metropolit Wladimir) "Die orthodoxe Kirche besteht in dieser Region seit 130 Jahren, was im vergangenen Jahr gefeiert wurde. In all der Zeit gab es zwischen Orthodoxen und Muslimen in Usbekistan niemals Konflikte."

In Kirgisistan, einem muslimischen Land, wird Weihnachten groß gefeiert. Etwa eine Million Bürger des Landes sind orthodoxe Christen. Es berichtet Saida Jusupchanowa:

An Heiligabend beginnen die Gottesdienste, die in 43 orthodoxen Gotteshäusern im ganzen Lande die ganze Nacht lang gefeiert werden. Der feierlichste Gottesdienst findet in der Hauptkirche des Landes, in der Auferstehungs-Kirche in Bischkek, statt.

Die liberalste Religionsgesetzgebung in Zentralasien und die unkontrollierte Zunahme verschiedener religiöser Organisationen führt in Kirgisistan jedoch zu vielen Problemen. Derzeit sind im Lande 260 Glaubensgemeinschaften registriert. In Kirgisistan sind Mun-, Bahai- und Krischna-Anhänger aktiv, aber auch Okkultisten, ferner Baptisten, Zeugen Jehovas und viele andere. Kirgisistan ist für ausländische Missionare ein Paradies. Die Kirgisen, die der instabilen Wirtschaftslage überdrüssig geworden sind, schließen sich häufig Sekten an, die den Menschen Wohlstand und Gleichheit versprechen. Jüngst hatten Mitglieder der Staatlichen Kommission für Religionsfragen bei der kirgisischen Regierung mitgeteilt, dass es im Lande zwei Dutzend Vertretungen ausländischer religiöser Organisationen gibt und dass fast 1000 Ausländer missionieren. Die Regierung will nun die Lage untersuchen. Ferner beschloss die kirgisische Führung, die Bekämpfung religiöser Strömungen zu verstärken, die auf aggressive Weise Anhänger anwerben. Die meisten religiösen Organisationen geben Zeitungen heraus und richten Versammlungsstätten für ihre Gläubigen ein. Alle Konfessionen sollen nun unter strenge Aufsicht der Staatlichen Kommission für Religionsfragen kommen. Diese soll schon bald ein neues Konzept für die staatliche Religionspolitik erarbeiten. (...) (MO)

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